Diverses Wer vom hohen Ölpreis profitiert

Der Ölpreis hat die Schwelle von 139 Dollar überschritten - manche Experten sehen ihn schon bald sogar bei 200 Dollar. Weltweit ächzen Unternehmen und Verbraucher unter hohen Energiekosten. Neben Förderländern und Ölkonzernen gibt es aber auch zahlreiche weitere Gewinner des hohen Ölpreises.

1. Gewinner: die Opec-Staaten

Steigende Ölpreise sind ein Segen für die zwölf Mitgliedsstaaten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec): Dank des Rohstoffes verzeichnen die Länder satte Leistungsbilanzüberschüsse. Saudi-Arabien allein vermeldete im Jahr 2006 einen Überschuss von 76 Milliarden Dollar. Alle Opec-Staaten verdienten zusammen 649 Milliarden Dollar. Das entsprach einem Anstieg von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Statistik verrät: Steigt der Ölpreis um einen Dollar, schwellen die Exporterlöse der Opec um 11 Milliarden an.

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2. Gewinner: die nationalen Fördergesellschaften

Seit Jahrzehnten gibt es auf dem Ölmarkt einen wiederkehrenden Konflikt, den Ölmarktexperte Daniel Yergin in seinem epochalen Werk „The Price“ als Kampf zwischen „Mieter“ und „Vermieter“ beschrieben hat: den Konflikt zwischen rohstoffreichen Ländern und internationalen Ölgesellschaften wie Exxon Mobil, Total oder BP. In jüngster Vergangenheit hat sich die Machtbalance deutlich verschoben, nationale Regierungen intervenieren zunehmend auf dem Markt. Auf mehr als 90 Prozent der Reserven sitzen Staatsbetriebe wie Saudi Aramco, die venezolanische PDVSA oder die russische Gasprom. Riad, Caracas und Moskau entscheiden über die Lizenzvergabe, sie diktieren den Privaten in Houston, London und Paris die Konditionen – sofern sie die Konzerne überhaupt noch an ihre Vorkommen heranlassen.

3. Gewinner: die internationalen Ölkonzerne

John D. Rockefeller ist der Gründervater der Ölindustrie. Seine Karriere begann er in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Raffineriegeschäft. Er weitete später sein Engagement auch auf den Transport und die Förderung aus. Heute sind Unternehmen wie die Standard-Oil-Nachfolgesellschaft Exxon Mobil oder BP in der gesamten Wertschöpfungskette aktiv, von der Exploration bis zum Verkauf an den Endkunden. Die Ölpreisrally hat den Unternehmen Rekordgewinne beschert und die Aktienkurse befeuert. Der Börsenwert von Exxon Mobil beträgt rund 500 Milliarden Dollar. Der Ölkonzern ist damit das größte US-Unternehmen an der Börse – und fast genau soviel wert wie General Electric und Microsoft zusammen.

4. Gewinner: die Terminbörsen

Die Preisrally in den vergangenen Jahren hat neue Marktteilnehmer angelockt: Investmentbanken und Hedge-Fonds wetten massiv auf Rohstoffpreise. Davon profitieren Energiebörsen wie die New York Mercantile Exchange in New York und die Intercontinental Exchange in Atlanta. Die Nymex stellte am 20. September 2007 einen Rekord auf, 626.447 Kontrakte wurden an einem Tag gehandelt – so viel wie nie zuvor. Der Handel von 300.000 Kontrakten oder mehr in einer Sitzung, noch vor zwei Jahren eine extreme Rarität, ist inzwischen Alltag an der Nymex.

5. Gewinner: die Atomindustrie

In Deutschland verpönt, in vielen Ländern begrüßt: Die Atomindustrie feiert ein Comeback. Auch dank des hohen Ölpreises, der Staaten wie die USA, Frankreich oder Finnland dazu veranlasst, ihre Energiequellen zu diversifizieren und die Atomkraft wiederzuentdecken. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) geht davon aus, dass die Gesamtkapazität von 370 Gigawatt Ende 2006 auf 447 bis 679 Gigawatt im Jahr 2030 zunimmt. Das entspräche einer jährlichen Wachstumsrate von 2,5 Prozent.

6. Gewinner: die erneuerbare Energien

Die Diskussion um den hohen Ölpreis hat Regierungen in aller Welt veranlasst, erneuerbare Energien zu fördern. Das löste auch in Deutschland einen Boom aus. Beispiel Solarindustrie: Jede zweite weltweit produzierte Zelle erzeugt in Deutschland Strom. 2009 werden fünf der zehn größten Fotovoltaikkraftwerke zwischen Rhein und Oder stehen. Dank kräftiger Subventionen – das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert feste Vergütungssätze – haben die Unternehmen ihre Gewinne ausbauen können. Der Bonner Konzern Solarworld beispielsweise meldete 2003, vor der EEG-Novelle, rund 5 Mio. Euro Verlust, drei Jahre später aber einen Gewinn von 130 Mio. Euro. Der Aktienkurs schoss seit Mitte 2003 um atemberaubende 14.000 Prozent nach oben.

7. Gewinner: die Landwirtschaft

Auch die Landwirtschaft gehört zu den Gewinnern. Seitdem Biokraftstoffe und Ethanol gefördert werden, konnten die Preise für Grundstoffe wie Weizen oder Mais enorm zulegen. Auch die Ackerflächen werden wertvoller: Nutznießer sind beispielsweise traditionelle Maisanbaustaaten in den USA wie Indiana, Illinois, Iowa, Ohio, Minnesota, Wisconsin und Michigan, aber auch Gebiete am Rand des „Maisgürtels“ wie Pennsylvania, wo 2006 die Preise für Ackerland um mehr als 18 Prozent stiegen. Zwar legen die Preise für Ackerland in den USA seit Ende der 80er-Jahre zu, doch erst in den vergangenen drei bis fünf Jahren zogen sie spürbar an, zuweilen im zweistelligen Prozentbereich.

8. Gewinner: die Bohrspezialisten

Bohren will gelernt sein. Bohrexperten sind rar gesät, 750 bis 1250 gibt es weltweit, schätzt das Dienstleistungsunternehmen ASC International, das für Öl- und Gaskonzerne die Rekrutierung des Personals übernimmt. Das ist alles andere als eine einfache Aufgabe, die Anforderungen sind hoch. Gutes technisches Wissen, Sicherheitsbewusstsein, Ausdauer werden vorausgesetzt – und die Bereitschaft, große Entbehrungen auf sich zu nehmen. Dafür lohnt sich spätestens seit der Preisrally das Engagement: Zwischen 800 und 1200 Euro pro Tag kann ein guter Driller verdienen, und das meistens steuerfrei.

9. Gewinner: Alberta

Die kanadische Region Alberta profitiert enorm vom Ölboom. Der Grund: Ölkonzerne zieht es aufgrund der reichhaltigen Ölschlamm-Vorkommen (Tar Sands) in den Norden. Die Wirtschaft in Alberta wächst inzwischen doppelt so stark wie der kanadische Durchschnitt. Die Arbeitslosigkeit liegt auf dem tiefsten Stand seit 30 Jahren.

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