Diverses What does the jellyfish want?

Was kann Fotografie? Bildet sie die Wirklichkeit ab, ist sie Dokumentation oder Inszenierung? Sind Fotos nichts weiter als beliebig bearbeitetes Datenmaterial? Dieser Fragestellung geht das Kölner Museum Ludwig mit einer beeindruckenden Ausstellung nach, die sich den aktuellen Tendenzen und Traditionen der Fotografie widmet.

Zu deren Arbeitstitel „What does the jellyfish want?“ inspirierte der amerikanische Künstler Christopher Williams. In einem Interview verglich er die Fotografie mit dem Wesen der Meeresqualle. Die Medusa, als Kreatur ohne eindeutige Merkmale, ohne Form, ohne Skelett und ohne Geschlecht, steht als Symbol für die sich stetig wandelnden Fotografie der zeitgenössischen Kunst.

Die Kölner Ausstellung führt ihre Besucher mit einem Rückblick auf die surrealistischen Fotografien um Man Ray, die Kunstwerke der Konstruktivisten um Alexander Rodtschenko und August Sanders „Menschen des 20. Jahrhunderts“ in die Thematik ein. Anschließend wird den Betrachtern der Bezug dieser frühen Werke zu den Arbeiten der zeitgenössischen Künstler nahe gebracht.

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Zu den prägnantesten Entwicklungsschritten der Fotografiegeschichte gehört die Wiederentdeckung des Fotos als Element in der Aktions- und Konzeptkunst der 1970er Jahre. Den Aktionskünstlern ging es dabei nicht etwa um die fotografische Dokumentation eines Aktionsverlaufs, sondern sie bezogen die Kamera gezielt in ihre Aktionen mit ein. Somit entstand der Eindruck, die Kunst diene ausschließlich dazu, sich vor der Kamera zu präsentieren. In der Konzeptkunst dagegen, nutzen die Künstler das Fotografieren tatsächlich lediglich zur Aufzeichnung dessen, was im Konzept formuliert wurde. So entstanden Zufallsaufnahmen und einfach gemachte, kleine Bildbänder.

Vor allem in den vergangenen zehn Jahren entdeckte die Kunst das Dokumentarische wieder. Der Anspruch von Künstlern wie Andreas Gursky, der sein fotografisches Material mittlerweile sogar am Computer bearbeitet, ist die Analyse der Realität durch das Medium der Fotografie. Das Wirkliche erfassen und wiedergeben, das ist die Mission der zahlreichen ausgestellten Künstler, zu denen unter anderem auch Lee Frielander, Bruce Nauman, Cindy Sherman, Joachim Bohm und Thomas Bayrle zählen.

Die Ausstellung „What does the jellyfish want? – Fotografien von Man Ray bis James Coleman“ ist noch bis zum 15. Juli im Museum Ludwig in Köln zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, jeden ersten Freitag im Monat von 10 bis 22 Uhr. Der Eintritt kostet 7,50, ermäßigt 5,50 Euro.

www.museenkoeln.de/museum-ludwig/

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