Diverses Wie halten wir es mit der Freiheit

Paul Bauwens-Adenauer, 54, ist Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Köln. Der Enkel des ersten Bundeskanzlers ist zudem erfolgreicher Chef eines traditionsreichen Familienunternehmens.

Unsere Welt ist mittlerweile zu komplex, als dass es für wichtige Themen einfache Lösungen gäbe. Der öffentliche Diskurs aber verläuft zumeist anders. Simplifizierung, Moralisierung und Ideologisierung sind an der Tagesordnung, und im politischen Alltag werden hieraus allzu oft rein populistische Forderungen. So zu beobachten bei den uns derzeit bewegenden Themen wie Globalisierung, Managergehälter, Erbschaftsteuer und soziale Gerechtigkeit. Ganz schnell sucht man dann vor allem hierzulande in der Gleichheit die Gerechtigkeit. Das Thema Freiheit spielt dabei keine Rolle. Im Gegenteil: Der Glaube an den alles ordnenden Staat ist – den bitteren historischen Erfahrungen zum Trotz – unerschütterlich, die Kräfte des Markts aber erscheinen offensichtlich eher suspekt. Gleichwohl bietet nur die Freiheit die Chance zur Enttabuisierung und Entideologisierung, und nur der Markt entwickelt immer wieder neue Lösungen und Zukunftschancen.

Die gesteigerte Form einer mit Scheuklappen geführten Auseinandersetzung erleben wir derzeit bei dem Thema Klimawandel. Dieser ist in kürzester Zeit zur Klimakatastrophe mutiert, hochstilisiert von Superexperten, Schriftstellern, Musikern und vielen anderen, die sich aus unterschiedlichsten Motiven dazu berufen fühlen. Weniger Naturwissenschaftler als Menschen aller möglichen sachfremden Berufsgruppen treten in abendlichen Talkshows als Propheten auf. Erstaunlicherweise wissen diese Leute alles, aber auch wirklich alles über unseren Planeten. Ihnen gemein ist eine pauschale Zivilisationskritik, die den Menschen als Hauptschädling unseres Universums identifiziert hat. Der als Umweltübeltäter entlarvte und in Angst und Schrecken versetzte Normalsterbliche ist natürlich gut zu führen und vor allem bereit, jeden Ablass zu bezahlen, den die politisch Korrekten diktieren. Die Politiker, die kompetent und aktiv auftreten wollen, ersinnen eiligst Rezepte. Diese Schnellschüsse sind das Schlimmste.

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Ein Beispiel hierfür ist die Einführung sogenannter Umweltzonen zum Schutz vor Feinstaub. Berlin, Hannover und Köln bilden die Vorhut. Dort hat man sich enorm beeilt und mittlerweile eine selbstverständlich gebührenpflichtige Plakette für Autos eingeführt. Das Ganze aber vor dem Hintergrund, dass es sich offensichtlich um einen Kampf gegen ein Phantom handelt – wie man diesbezüglichen Berichten der Medien entnehmen kann. Statt 99 von 414 bundesdeutschen Messstationen im Jahr 2006 haben nur noch ganze 23 im Jahr 2007 überhaupt Überschreitungen der Grenzwerte gemessen, und dies auch nur noch an weniger als der Hälfte der Tage. Und dieser Trend scheint sich fortzusetzen.

Wofür also das ganze teure Theater? Warum gehen wir mit komplexen Themen nicht mit der gebotenen Sachlichkeit um? Was ist zum Beispiel aus der Vogelgrippe, dem Waldsterben, dem Rinderwahn geworden? Haben wir aus den Übertreibungen der jüngsten Vergangenheit nichts gelernt? Warum müssen wir immer wieder Ideologien bedienen, anstatt kritische Analyse walten zu lassen und unser Handeln darauf auszurichten? Warum dürfen wir in Deutschland über Atomenergie noch nicht einmal diskutieren, wenn doch die CO2-Produktion das lebensbedrohende Problem schlechthin sein soll? Hier stimmt doch etwas nicht.

Offensichtlich haben Heilsbringer mit romantischen Botschaften und simplen Feindbildern immer noch allzu leichtes Spiel. Ideologie anstelle von Realismus, Manipulation anstelle von Freiheit. Hier ist der Feind, den es zu bekämpfen gilt, wenn wir mit den Zukunftsfragen fertig werden wollen. Doch wie steht es um unsere freiheitliche Gesinnung? Zur Freiheit gehört Ungleichheit. Das macht die Sache für uns Deutsche offensichtlich schwierig.

Wenn man die jüngsten Wahlkämpfe beobachtet, gewinnt man den Eindruck, dass wir uns in Deutschland gar nicht bewusst sind, warum die zurückliegenden 60 Jahre erfolgreich waren. Es scheint keinen gesellschafts- und ordnungspolitischen Grundkonsens zu geben. Die Zustimmung zur Marktwirtschaft ist immer geringer geworden, das Bild des Unternehmers in der Öffentlichkeit wird beherrscht durch die Fehlentwicklungen bei einigen Großkonzernen, und sogar das Problem der Arbeitslosigkeit wird verdrängt durch allgemeine Gerechtigkeitsdebatten, die natürlich keine Lösungen bringen, aber dafür umso mehr Unzufriedenheit. Gewerkelt wird mit Unzulänglichkeiten.

Wer oder was soll eigentlich die Unternehmer ersetzen, wenn wir dieser Spezies mittels im internationalen Vergleich immer schlechter werdenden Rahmenbedingungen mehr und mehr die Lebensgrundlage entziehen? Es ist allerhöchste Zeit, die öffentlichen Debatten auf diese Punkte zu lenken. Vielleicht können wir dabei auch klären, wie wir Deutschen es eigentlich mit der Freiheit halten.

Paul Bauwens-Adenauer, 54, ist Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Köln. Der Enkel des ersten Bundeskanzlers ist zudem erfolgreicher Chef eines traditionsreichen Familienunternehmens.

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