Diverses Wie Unternehmer Anwaltskosten sparen

Rund 180 Euro kostet eine Anwaltsstunde, ausgewiesene Spezialisten verlangen sogar bis zu 500 Euro. Doch die Preise sind längst nicht mehr in Stein gemeißelt. Wer den Markt und die Regeln kennt, kann verhandeln.

Was für die einen die Wirtschaftskrise,
ist für andere der Gesundheitsfonds.
Für die Streifeneder
Gruppe zum Beispiel. Der Fonds, so
befürchten
sie beim Hersteller für Orthopädie-,
Sanitäts- und Reha-Artikel, wird
die Preise sacken lassen. Und deswegen
gehen sie beim Emmeringer Gesundheitsartikler
vorsichtshalber schon mal
die Kostenstrukturen durch. Und wo
fängt man da am besten an? Na klar, bei
externen Kosten wie den Anwaltshonoraren.
„Bis zu fünf Prozent Senkung
sind bei den Stundensätzen drin“, gibt
Hausjuristin Sabine Bilz das Ziel vor.

Damit gehört die Streifeneder Gruppe
bislang noch zu einer Minderheit. Nach
einer Umfrage des Essener Soldan Instituts
für Anwaltsmanagement sprechen
allenfalls 20 Prozent der Mittelständler
bei ihren Anwälten regelmäßig die Honorarfrage
an. „Je kleiner das Unternehmen,
desto seltener wird über die Kosten
gesprochen, vom Verhandeln ganz zu
schweigen“, sagt Barbara Mayer, Anwältin
in der Kanzlei Graf von Westphalen.
Man traut sich halt nicht, und sollte man
sich in einer gediegen getäfelten Kanzlei
denn benehmen wie auf dem Basar? Das
gehört sich doch nicht, denken viele.

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Anwaltsentgelt

Gesetz

Die gesetzlichen Gebühren richten sich
nach dem Streitwert. Im Prozess darf der
Anwalt nicht weniger verlangen, mehr
hingegen schon. In der Honorarvereinbarung
muss er darauf hinweisen, dass
ihm der Zuschlag bei Prozessgewinn
nicht vom Gegner ersetzt wird.

Zeithonorar

Die Basis der meisten Honorarvereinbarungen.
Stundensätze sagen nichts über
Kompetenz und Arbeitsstil des Anwalts
aus. Wie beim Handyvertrag ist die Taktung
wichtig: Inakzeptabel ist es, wenn
der Anwalt jede angefangene halbe
Stunde abrechnet. Manche Gerichte lehnen
auch den Viertelstundentakt und
sogar zehn Minuten als zu lang ab. Endgültig
entschieden ist diese Frage nicht.

Pauschale

Sie schafft Kostenklarheit für beide Seiten
und wird von Unternehmen deshalb
oft gewünscht. Ein fairer Preis ist vom
Anwalt nur bei klar abschätzbarem
Aufwand
zu erwarten, ansonsten wird er
versuchen, das Kalkulationsrisiko durch
einen Sicherheitsaufschlag abzufangen.
Fazit: Maximale Kalkulationssicherheit
ist nicht unbedingt ein Sparmodell.

Rahmenvertrag

Er regelt bei Dauermandat die Beziehung,
häufig mit Monatspauschale für
Standardleistungen. Wichtig: genau abgrenzen,
was mit der Pauschale bezahlt
ist. Der Vertrag sagt, in welchen Abständen
die Pauschale überprüft wird.

Honorarkreationen

In der Praxis werden gelegentlich Honorarmischformen
angeboten, etwa Stundensatz,
mindestens aber gesetzliche
Vergütung oder gesetzliche Vergütung
plus Zuschlag. Solche Varianten vom Anwalt
genau erklären lassen: Begründung
für die Konstruktion, zu erwartende Gesamtkosten,
Verhältnis zu gesetzlichem
und Stundenhonorar.

Mag sein, aber lohnen tut es sich allemal:
Die Chancen auf Rabatte stehen
derzeit so gut wie nie. Immerhin gibt es
hierzulande mehr als 150 000 Anwälte,
der Konkurrenzdruck ist enorm. Dass die
Rechtsabteilungen der Unternehmen
ihre
Budgets schärfer denn je im Blick
behalten,
setzt den Wirtschaftskanzleien
obendrein zu. Und weil derzeit kein Anwalt
ohne Not einen guten Mandanten
oder ein gutes Mandat sausen lässt, darf
er sich Preisverhandlungen nicht verschließen.
„Wenn die Leistung stimmt,
uns aber zu teuer wird, suchen wir das
Gespräch mit dem Anwalt“, sagt Adi
Drotleff, Vorstandsvorsitzender der Software-
Firma Mensch und Maschine im
oberbayerischen Weßling. „Auf diesem
Klavier sollte jeder Nachfrager spielen.“

Gute Anwälte sind fix

Die am Gegenstandswert orientierte Gebührenordnung
der Anwälte ist im Unternehmensgeschäft
wenig hilfreich. Das
starre Gesetz führe „oft zu schiefen Ergebnissen“,
sagt selbst der Münchner Anwalt
Marc Laukemann von Schaal & Partner.
So sollte seine Kanzlei einst ein Schmerzensgeld
von 2500 Euro eintreiben. „Wir
dachten: eine kurze Beratung, ein Schrieb,
fertig.“ Doch der Fall kam vor Gericht und
zog sich so lange hin, dass der Stundensatz
am Ende 6,50 Euro betragen hätte.
„Kostendeckend sind bei uns 100 Euro.“

In der Wirtschaftswirklichkeit läuft
deswegen vieles über feste Stundensätze.
Laut einer Erhebung des Soldan
Instituts kostet die Anwaltsstunde hierzulande
im Schnitt 182 Euro, 60 Prozent
der Anwälte
verlangen zwischen 125 und
200 Euro. In den neuen Ländern sind es
durchschnittlich 46 Euro weniger als im
Westen, die Sätze der Anwältinnen liegen
35 Euro unter denen der männlichen
Kollegen. Und auf dem Land sind Juristen
billiger als in den Zentren.

Kampfpreise machen skeptisch

So viel zur Empirie. Zwar lässt sich mit
diesen Zahlen vergleichen, ob ein Anwalt
mit seinen Stundensätzen über oder unter
dem Durchschnitt liegt. Aber wie bekommt
der Kunde heraus, ob der Mann
(oder die Frau) auch wirklich sein Geld
wert ist? Diese Frage beantworten sich
die meisten eher anhand ihres Bauchgefühls.
„Ein guter Anwalt braucht weniger Stunden, weil er schneller arbeitet“,
sagt Adi Drotleff. Kampfpreise bei
den Stundensätzen machen ihn eher
skeptisch: „Warum hat der das nötig?“

Auch Jurist Laukemann bestätigt: „Der
Spezialist erledigt in einer Viertelstunde,
wofür andere eine Stunde brauchen.“
Anwältin Mayer rät Mittelständlern deshalb,
bei komplexen Fragen auf der Beratung
durch erfahrene und spezialisierte
Partner zu bestehen und sich nicht mit
den angestellten Anwälten – „Associates“
– zu begnügen, auch wenn das pro Stunde
weniger koste.

Über die Höhe des Honorars sollten
Unternehmer schon ziemlich früh nachdenken,
am besten noch vor Mandatsvergabe.
Inwieweit differieren etwa Gebührenordnung
und der Honorarwunsch
des Anwalts? Warum variieren innerhalb
derselben Kanzlei die Stundensätze?
Schaal & Partner berechnet zum Beispiel
je nach Erfahrung des Beraters, Rechtsgebiet
oder Haftungsrisiko zwischen 170
und 250 Euro pro Stunde, in anderen
Wirtschaftskanzleien werden für Spezialfälle
bis zu 500 Euro fällig. Die konkrete
Höhe, sagt Marc Laukemann, sei
Verhandlungssache und damit für den
Unternehmer eine gute Gelegenheit,
Kostenbewusstsein zu signalisieren. Wer
zusätzlich die Preise der Mitbewerber
kennt, kann noch besser verhandeln. In
der Kanzlei läuft es tatsächlich nicht
anders
als auf dem Basar.

Und wenn alles nichts hilft, bleibt
nur ein radikaler Schnitt: der Kanzleiwechsel.
So hatte Software-Unternehmer
Drotleff bei einer großen internationalen
Adresse mehrfach auf Kostensenkung gedrungen.
„Das wurde mir jedes Mal zugesagt,
und dann wurde es doch wieder
teurer.“ Erst als er die Zusammenarbeit
aufkündigte, halbierten sich die Preise.
Für Drotleff kam der Rabatt zu spät: „Da
fühlte ich mich nur noch betrogen.“ Bei
der Nachfolgekanzlei schrumpfte die
Rechnung gleich auf ein Drittel.

Doch das Adieu sollte gut überlegt
sein, denn auch Kontinuität kann ein
Kostenfaktor sein. „Unsere Anwälte kennen
das Unternehmen, sie verstehen ohne
viele Erklärungen, worum es geht“,
sagt Unternehmer Gerhard Auerswald,
der in Cremlingen eine Firma für Festnetz-
Telefonanlagen betreibt. Seit 20
Jahren arbeitet er mit denselben Juristen
zusammen, die Wege, auch die der Kommunikation,
sind kurz. Was auch heißt:
Nicht nach jeder telefonischen Anfrage
in der Kanzlei kommt gleich eine Rechnung.
Das sei wichtig, sagt Auerswald,
um alltägliche Unsicherheiten schnell
auszuräumen.

Kalkulation vom Juristen

Und wenn doch mehr Arbeit drinsteckt,
sorgt der Firmenchef vorab für Klarheit:
„Vor einem Auftrag möchte ich wissen,
mit welchen Gesamtkosten zu rechnen
ist, über diese gibt der Anwalt eine Schätzung
ab.“ Diese Voranschläge, woanders
schon längst üblich, setzen sich in der Juristerei
langsam durch. „Früher waren
manche Kanzleien damit etwas zurückhaltend“,
sagt Streifeneder-Juristin Bilz,
„das legt sich aber.“ Rechtsverbindlich
sind die Schätzungen zwar nicht, aber
immerhin geben sie einen gewissen Rahmen
und lassen Vergleiche zu.

Und irgendwie
fühlen sich die Advokaten dann
doch an ihre Berechnungen gebunden.
„Wir nehmen das sehr ernst, denn wenn
die Rechnung später höher ausfällt, müssen
wir begründen, weshalb es zu der Abweichung
gekommen ist“, sagt Anwältin
Mayer. In ihrer Kanzlei ist es üblich, bei
hohen Rechnungen die Mandanten vorzuwarnen,
um Unmut zu vermeiden.
Auch bei Freshfields Bruckhaus Deringer,
Deutschlands größter Kanzlei, gilt: keine
Überraschungen beim Honorar. „Wir
sprechen das Thema von uns aus an“,
sagt Anwalt Manfred Finken.

Häufig sind Nachforderungen zu erwarten

Häufig lassen sich die Kosten allerdings
nicht exakt absehen, etwa weil der
Aufwand stark vom Verhalten eines Kontrahenten
abhängt. Oder weil der Unternehmer
seinem juristischen Beistand
wichtige Informationen vorenthalten
hat. In beiden Fällen sind Nachforderungen
zu erwarten. Je besser ein Auftrag
und das dazugehörige Material für den
Anwalt vorbereitet sind, desto leichter
lässt sich das Honorar abschätzen.

Für Zweifelsfälle gibt es auch das sogenannte
Erfolgshonorar, das vor rund
einem Jahr gesetzlich geregelt wurde. Es
kann vereinbart werden, wenn ein Mandant
„bei verständiger Betrachtung die
Sache nicht verfolgt hätte, weil sie wirtschaftlich
für ihn zu riskant wäre“, sagt
Udo Henke, Geschäftsführer beim Deutschen
Anwaltverein (DAV). Und wer
ganz auf Nummer sicher gehen möchte, sollte ein Pauschalhonorar abmachen.
Als Sparmodell taugt diese Variante allerdings
kaum.

Allgemein gilt: Mit der Anzahl der
Spezialisten in einer Kanzlei steigen die
Honorare. Trotzdem sei eine Großkanzlei
auch für Mittelständler interessant,
wenn sie sich etwa international aufstellen,
findet Freshfields-Anwalt Finken:
Gerade beim Start ins Chinageschäft sei
Extra-Know-how wichtig. Ähnlich argumentiert
Streifeneder-Hausjuristin Sabine
Bilz, was nicht verwundert, denn sie
beschäftigt eine Law-Firm genau aus
diesem
Grund: „Eines unserer Tochterunternehmen
exportiert in 80 Länder, da
ergeben sich viele Spezialfragen, die
eine Kanzlei komplett betreut.“ Und obwohl
die Sozietät hohe Honorare berechnet,
ist Bilz zufrieden: „Wir bekommen
dafür maximale Sicherheit.“

So wird gefeilscht

Berechnung

Lassen Sie sich vor dem Auftrag eine
Vergütungsvereinbarung erklären.
Fragen Sie, welche zusätzlichen
Kosten
anfallen können, etwa für
Auslagen. Lassen Sie sich vorrechnen,
wie hoch die entsprechende
gesetzliche Vergütung wäre. Dann
wissen Sie besser, worauf Sie sich
einlassen. Und der Anwalt weiß,
dass Sie auf die Kosten schauen.

Kostenschätzung

Eine – möglichst schriftliche –
Schätzung ist nicht rechtsverbindlich,
aber eine wirksame Kostenbremse,
denn bei Überschreitung
steht der Anwalt unter Rechtfertigungsdruck.
Nur wer den Anwalt
umfassend informiert, darf eine
brauchbare Schätzung erwarten,
und nur dann wird der Anwalt sie als
verbindlich akzeptieren. Lassen Sie
sich die Schätzung vorrechnen. Falls
der Anwalt behauptet, wegen nicht
absehbaren Aufwands könne er die
Kosten nicht schätzen, sollte er das
begründen. Kostenschätzungen machen
die Angebote verschiedener
Kanzleien vergleichbar.

Erfolgskomponente

Wenn der Anwalt ankündigt, bei besonders
guter Arbeit nachträglich
ein Zusatzhonorar vorzuschlagen,
sollte der Mandant sofort überlegen,
wie er dazu steht. Ein Nein ist unter
Umständen schwierig, auch wenn
der Anwalt seinen Wunsch rechtlich
nicht durchsetzen kann.

Ansprechpartner

Bestehen Sie auf feste Ansprechpartner
und – bei längerer Auftragsdauer
– Vertreter, die auch für die
Bearbeitung Ihres Falles zuständig
sind. Der gute persönliche Kontakt
ist ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Qualifikations-Check

Erfahrung und Spezialisierung sind
ein Kostenfaktor, sie beeinflussen
das Arbeitstempo und damit die abgerechnete
Stundenzahl. Ein Fachanwaltstitel
ist Beleg für eine Basisqualifikation,
Spitzenleistungen sind
damit nicht garantiert. Referenzen
sagen oft mehr aus, auch eine Empfehlung
durch den Hausanwalt.

In so viel Lob mag Unternehmer Drotleff
nicht einstimmen. Er hat schlechte
Erfahrungen mit einer Law-Firm gemacht:
„An die Partner sind wir einfach
nicht rangekommen, die Arbeit haben
Junganwälte erledigt, mal der eine, dann
wieder ein anderer, der alles anders
gemacht
hat, auf unsere Kosten. Dagegen
ist kaum etwas zu machen.“ Sein Ratschlag:
„Die Größe der Kanzlei sollte zur
Größe des Unternehmens passen.“

Bevor es zu spät ist

Geht es auch ganz ohne kostspielige
Kanzlei? Manchmal reicht womöglich
schon die Mitgliedschaft in einem Arbeitgeberverband.
Deren Anwälte leisten gute
Arbeit, hat Telefonanlagen-Hersteller
Auerswald festgestellt, der ehrenamtlich
als Arbeitsrichter tätig ist. „Sie kennen
die lokale Rechtsprechung und sind vor
Gericht sehr gut vorbereitet.“

Aber eines bleibt sich gleich – egal ob
es um eine namhafte Kanzlei oder den
einfachen Rechtsbeistand geht: Liegt die
Rechnung auf dem Tisch, ist es zum Sparen
zu spät. Der Mandant könne lediglich
die Plausibilität prüfen, sagt Anwältin
Mayer. Auf gerichtliche Hilfe darf er nur
selten hoffen, so DAV-Geschäftsführer
Henke: „Die Richter kürzen das Honorar
in der Regel erst ab dem Fünffachen der
gesetzlichen Höchstgebühren.“

1 Kommentar
  • Oliver 4. September 2015 18:08

    Ich danke Ihnen für diesen hilfreichen Artikel. Mit den richtigen Tricks kann man wirklich einiges an Anwaltskosten sparen. Es lohnt sich, sich zu informieren.
    Mit besten Grüßen,
    Oliver

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