Diverses Wirklich nur Gewinner?

Die impulse-Erhebung zur Strenge aller 575 deutschen Finanz­ämter polarisiert die Szene. Eine Bestandsaufnahme.

Der Finanzminister von Baden-Württemberg ist hochzufrieden: Die Qualität der Ämter werde erneut eindrucksvoll bestätigt, kommentiert Gerhard Stratthaus die impulse-Studie „Deutschlands schärfs­te Finanzämter“. Hier landete Stuttgart III auf Platz 575 – ist also Deutschlands maßvollstes Amt. Auch in der Länderwertung belegt Baden-Würt­temberg einen guten Platz. „Unsere Ämter werden als besonders bürgernah angesehen“, lobt der Chef seine Beamten auf der Website des Ministeriums.

Ebenfalls guter Dinge ist Amtschef Karl Kunkel aus dem sächsischen Annaberg-Buchholz. Seine Behörde belegt in derselben Studie Platz 1, ist also Deutschlands strengstes Finanzamt. „Ich fühle mich fast geehrt“, sagt der gebürtige Würzburger spontan, „denn wenn wir scharf sind, dann sind wir ja auch gerecht und unbestechlich.“

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Sein Minister Horst Metz lobt ihn und auch alle anderen Behördenleiter im Sprengel: Es gebe nur wenige Beschwerden über die Arbeit der Finanzämter in Sachsen – die dem Land im Schärfe-Ranking den zweiten Platz beschert hat. Metz: „Mehr Sorgen hätte ich mir gemacht, wenn herausgekommen wäre, dass unsere Ämter besonders lax wären.“

Dies sind nur zwei Stimmen von vielen, die sich jetzt mit der aktuellen impulse-Studie auseinander setzen. Regionalzeitungen und Lokalsender fühlen örtlichen Amtschefs auf den Zahn. impulse-Leser möchten wissen, ob sie Investitionsentscheidungen überdenken sollen. Saarlands Finanzstaatssekretär Gerhard Wack „dankt für die Anregung“. Die CDU- Fraktion in Mecklenburg-Vorpommern, dem Land mit den strengsten Finanzbeamten, bereitet eine große Anfrage zum Thema vor.

Die Redaktion hatte ermittelt, wie die Finanzämter in Deutschland mit Unternehmern umspringen. Dafür hat der Mainzer Marktforscher Forum zu allen 575 Behörden pro Amt mindestens fünf Steuerberater ausführlich befragt. Von den theoretisch erreichbaren 10.000 Strenge-Punkten kassierte Annaberg 7505, während es Stuttgart III auf nur 2199 brachte. Und beide fühlen sich offenbar als Gewinner. Verkehrte Welt?

Den vollständigen Artikel können Sie in der impulse-Ausgabe 06/2005, Seite 36, nachlesen.

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