Diverses Zum Geburtstag eines ewigen Schönlings

Gutes Styling hält jung, sogar 50-Jährige. Vor genau 50 Jahren stellte VW den VW Karmann Ghia Typ 14 der Öffentlichkeit vor. Der Ghia lässt andere Autos aus dem Jahrgang 1955 alt aussehen.
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Selbst der Porsche 356 A, damals wahrlich flott gezeichnet, wirkt dagegen wie einer jener drallen, nicht mehr zeitgemäßen Barock-Akte. Das VW-Erfolgsmodell ist immer noch erstaunlich frisch – mit allen seinen Rundungen und Kurven. So viel Eleganz und Rasse rollte später nie mehr in die Showrooms der VW-Händler.

Die Erfolgsgeschichte des von 1955 bis 1974 exakt 443.478 mal hergestellten Sportwagens begann 1951. Damals startete der damalige VW-Konzernleiter Heinz Nordhoff mit dem Chef der Karosseriewerke Karmann in Osnabrück, Dr. Wilhelm Karmann, erste Gespräche über einen Sportwagen.

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Von Anfang an kam aus Kostengründen nur das Chassis des Käfers als Basis für die dritte Baureihe neben dem VW-Käfer und dem Käfer Cabrio in Betracht. 1952 wurde einer der renommiertesten Designbüros in Italien, die Carrozzeria Ghia aus Turin, mit der Linienführung des neuen Modells beauftragt.

Im September 1953 präsentierte Ghia den ersten Prototyp, Ende 1953 unterzeichneten die beteiligten Firmen – VW, Karmann und Ghia – die Verträge zur Produktion des Sportwagens. Im Namen des Neulings VW Karmann Ghia fanden sich dann alle wieder. VW liefert das Chassis und alle mechanischen Bauteile, Karmann die Karosserie und Ghia das Styling der schönen Hülle. Bei Karmann in Osnabrück wurde aus den Einzelteilen dann ein Ganzes. Am 14. Juli 1995 präsentierte VW den Karmann Ghia der Presse.

Beim Karmann Ghia war das Ganze allerdings mehr als die Summe der Einzelteile. Das hat der Sportwagen im wesentlich zwei Faktoren zu verdanken: robuste Technik verhüllt mit italienischem Chic. Der versprach Schnelligkeit, den der simple, luftgekühlte Vierzylinder -Boxermotor mit anfangs 30 PS und 115 km/h Spitze allerdings nie einhalten konnte. Auch später nicht, als das Motor bis auf 50 PS erstarkte.

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Trotz allem: der Karmann Ghia wurde zum „Ervolkswagen“ und zu einem der wichtigsten Symbole der Wirtschaftswunderzeit: zweifarbig lackiert, helles Unterteil, dunkleres Dach und Chromkappen für die Räder. Auch trotz des für diese Zeit hohen Preises von 7.500 Mark für das Coupe und 8.250 Mark für das ab 1957 produzierte Cabrio. Damit kosteten sie rund die Hälfte mehr als der Käfer.

Despektierliche Spitznamen wie Hausfrauen-Porsche oder Sekretärinnen-Ferrari taten dem Erfolg ebenfalls keinen Abbruch. Die zeitlose Schönheit des Karmann Ghia unterzog VW nur ganz wenigen und behutsamen Operationen. Mal mit neuen Rückleuchten, größeren Blinkern oder Lufteinlässen („Nasenlöcher“). Einziger Fauxpas bei den Schönheitsbehandlungen: die dicken Stoßfänger.

Ende der fünfziger Jahre dachten die VW-Verantwortlichen über einen Nachfolger des Karmann Ghia nach. Auf Basis der 1500 Stufenheck-Limousine ging der „große“ 2+2 Sitzer Karmann Ghia im September 1961 in Serie. Doch das Modell Typ 34 mit 54 PS und 145 km/h Spitze blieb nur ein Zwischenspiel. Bereits 1969 endete die Karriere mit gerade mal 42.500 gebauten Einheiten. Kurioses Styling und ein exorbitant hoher Preis von knapp 9.000 Mark trugen zum frühen Ende des Karmann Ghia Typ 34 bei.

Nach 19 Jahren stellte VW im Jahr 1974 die Produktion des schönsten VW aller Zeiten ein. Doch der Karmann Ghia Typ 14 lebt. Über 3000 Exemplare sind immer noch in Deutschland zugelassen. Tendenz steigend. Liebhaber lassen sich bis zu 15.000 Euro für gut erhaltene Coupes und bis zu 20.000 Euro für gebrauchte Cabrio kosten. Soviel ist ihnen das immer noch gute Styling wert.

Weitere Infos: www.karmann.com

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