Finanzen + Vorsorge Aktive Unternehmer können etwas gegen den Reformstau tun

Aktive Unternehmer können etwas gegen den Reformstau tun

Aktive Unternehmer können etwas gegen den Reformstau tun

Deutschland ist Schlußlicht beim Wirtschaftswachstum in Europa. Unternehmer können helfen, den Reformstau zu überwinden.

Deutschland hat erneut die rote Laterne bei der Wirtschaftsentwicklung. Mit einem Wachstum von nur 0,3 Prozent wird Deutschland im Jahr 2003 laut der jüngsten Prognose der Organisation für Internationale Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die niedrigste Wachstumsrate der größten sieben Industrienationen für sich verbuchen. Ein Wort drückt die Ursache für die anhaltende Misere treffend aus: Reformstau.

Dabei scheint der Widerstand gegen Veränderungen eine typisch deutsche Erscheinung zu sein – nicht nur auf der Ebene von Politik und Gesellschaft, sondern auch in den Unternehmen. Nach Auffassung des Geschäftsführers der internationalen Unternehmensberatung Celerant Consulting, Wolfram Kürschner, muss neben den politischen Rahmenbedingungen auch der Anteil der Wirtschaft am Stillstand des Standortes Deutschland wesentlich
intensiver diskutiert werden: „Schließlich sind die wachstumshemmenden Probleme in den Unternehmen detailgenau bekannt und füllen in Form von zentnerschweren Markt- und Beraterstudien die Regale der Vorstandsetagen. Was bleibt, ist jedoch das immer wiederkehrende deutsche Dilemma: Der brillanten Diagnose folgt selten die entsprechende Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen“, stellt Kürschner fest.

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Wie auch im öffentlichen Sektor zeigten sich in vielen Unternehmen immer noch starke Widerstände und Bedenken gegen tiefgreifende Veränderungen. Veränderungen, die notwendig wären, um
sich in der Krise zu behaupten. Hierbei scheinen deutsche Manager – stärker als ihre europäischen Kollegen – die Einbindung und Motivation ihrer Mitarbeiter als das
wesentliche Problem zu begreifen. So geben in einer aktuellen Celerant-Studie vom März diesen Jahres über zwei Drittel der befragten Unternehmen an, dass die Umsetzung die schwierigste Phase eines Verbessungsprozesses sei. Verantwortlich sei hierfür vor allem
die fehlende Unterstützung der Mitarbeiter und ihre mangelnde Bereitschaft, neue Arbeitsprozesse anzunehmen. „Viele vertagen das Angehen von konkreten Herausforderungen aus Angst, sich zu stark zu exponieren und Fehler zu machen. Dabei braucht es gerade jetzt Risikobereitschaft und Kreativität, um die deutsche
Verwaltungsmentalität zu durchbrechen“, so Wolfram Kürschner weiter über die Ursachen des Reformstaus.

Bereits eine europaweite Celerant-Studie aus dem Jahr 2001 zeigte,
dass die deutschen Unternehmen erheblich größere Schwierigkeiten mit der Umsetzung von Verbesserungsprozessen hatten, als die Unternehmen in den anderen Industrienationen Europas. Trotzdem richten die deutschen Führungskräfte ihre Aufmerksamkeit nicht auf diese
Herausforderung, sondern investieren zwei Drittel ihrer Arbeitszeit in die Entwicklung und Evaluierung neuer Unternehmensstrategien anstatt in deren Umsetzung. Die Konzepte zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit sind nach Ansicht Kürschners aber in nahezu jedem deutschen Unternehmen vorhanden. „Wir sollten endlich anfangen, angesichts der dramatisch
schlechten Prognosen für den Wirtschaftsstandort Deutschland diese Konzepte auch zu implementieren – und damit einen Umschwung von der Depression hin zum Handeln zu erzeugen. Bei der Implementierung geht es darum, Strategien in konkrete Maßnahmen umzusetzen und deren Ergebnisse zu bewerten.

Dabei kommt es darauf an, messbare Ziele
realistisch zu definieren, funktionsfähige Prozesse zu etablieren und die qualifizierten Mitarbeiter stärker in die Verantwortung einzubinden“, so Kürschner. „Das Erreichen von realistischen Zielen erzeugt Motivation bei den Mitarbeitern und schafft so letztendlich
die Aufbruchstimmung, die wir dringend benötigen, um die ständige Negativdiskussion und Besitzstandswahrung in der Rezession zu durchbrechen“, schlägt Kürschner vor.

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