Finanzen + Vorsorge Alles in Butter im Mittelstand

Griechenland und Irland haben sich unter den EU-Rettungsschirm geflüchtet. Portugal könnte der nächste Kandidat werden. Die Euro-Krise zog und zieht ihre Kreise. Die deutschen Mittelständler vor Ort lässt das kalt. Sie machen weiter – und starren auf Spanien.

Das Ard na Sidhe Country House in Killorglin sieht aus, als hätte eine Märchenfee die Idylle per Zauberstab erweckt. Doch die Gemächer, umgeben von Wald, Wiesen, Wasser, sind wirklich. Das Hotel, fünf Sterne und 18 Zimmer, gehört den Liebherrs aus Biberach an der Riß. Die verdienen ihr Geld eigentlich mit Kränen, Maschinen und Kühlschränken. 7 Mrd. Euro haben sie 2009 umgesetzt, 32.000 Menschen weltweit arbeiten für Liebherr.

In Irland war die erste ausländische Tochterfirma von Hans Liebherr, 1958. Hafenmanager aus aller Welt kamen in die Grafschaft Kerry, um Containerbrücken von Liebherr zu bestellen. Für sie wurde das Hotel in Killorglin eröffnet.

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Heute arbeiten 500 Iren bei Liebherr. Und so soll es bleiben, selbst wenn die Iren die Unternehmenssteuer von 12,5 Prozent erhöhen würden. „Liebherr macht seine Präsenz in Irland nicht davon abhängig, ob die Unternehmenssteuer um einige Prozentpunkte angehoben wird“, sagt Kristian Küppers in der Zentrale.

Der Liebherr-Mann sagt, was fast alle sagen, egal ob bei Zeiss Vision, Kirchhoff Automotive, Schmitter Hydraulik, Pilz und Conductix-Wampfler. Oder Elasto Metall: Die Firma stellt Puffer, Schienen, Hülsen aus Gummi und Metall her. Die Hälfte davon wird in Irland produziert. Nicht für Irland. Für die Welt. Krise? „Wir warten einfach ab“, so Vertriebsleiter Slawik Reimer im badischen Ottersweier. Oder Sternplastic Hellstern: Die Firma aus Villingen im Schwarzwald stellt Keramik- und Kunststoffteile her. Seit 30 Jahren in Irland. Nicht für Irland. „Die Zahlen dort sind im Rahmen, das ist eine funktionierende Einheit“, sagt Geschäftsführer Gunter Wittmann. „Wir machen kein ,Was wär wenn.‘ Wir fällen keine Entscheidungen bloß wegen ein paar Zahlen.“

Das Euro-Drama spielen Politiker mit den Bankern. Die zittern. Nicht die Mittelständler. Die Deutschen – 300 Tochterfirmen gibt es laut Irish Development Agency – kamen schon vor den Niedrigsteuern. Ihr Tenor: Wir produzieren in Irland für den Weltmarkt, nicht für vor Ort. Da leben nur 4,5 Millionen Menschen.

Kein wichtiger Markt, außer vielleicht für Sika aus Stuttgart. Die bauen industrielle Dichtungen für den Bauboom, den es mal gab. „Jetzt heißt es durchhalten. Wir haben alle unnötigen Kosten gestrichen, auch Leute entlassen“, sagt Helmut Clissmann, lange Direktor der Firma in Dublin, heute ihr Berater. Aber Irland verlassen? „Auf keinen Fall.“ Die Krise sei die Chance, den Marktanteil zu erhöhen.

Auf den Bauboom hat auch Liebherr gesetzt, allerdings in Spanien, wo Drehkräne und Baumaschinen produziert werden. Für Spanien, ein Markt zehnmal so groß wie Irland. Auch dieser Boom ist vorbei. Das Werk bei Pamplona ist nur ausgelastet, weil es anderen Töchtern aushilft. „Interner Kapazitätsausgleich“ nennt Küppers dieses Krisenmanagement. Irland macht Liebherr keine Angst. Spanien schon.

Genauso sieht es bei GEA aus. In Spanien bauen neun Töchter etwa Wärmetauscher und Kühlhäuser. Die finden schwer Abnehmer. Bei GEA Irland hingegen sagt Brian Murray: „No problem.“ Zwar gebe es nur wenige Iren, aber viele Kühe und damit Bedarf an Molkereien. Die baut GEA, in Irland und für Irland.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 01/2011.

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