Finanzen + Vorsorge Als Unternehmer ihr Geld selbst druckten

Notgeld der Stadt Weissenfels

Notgeld der Stadt Weissenfels

Wer kein Geld hat, druckt sich welches. Klingt utopisch? Zu Beginn der 1920er Jahre gab es kaum eine Stadt, die nicht das sogenannte Notgeld herausgab. Firmen bezahlten ihre Mitarbeiter mit den selbstgemachten Scheinen. impulse hat in einem Antiquariat gestöbert.

Was tun, wenn Banken nicht mehr genügend Münzen und Scheine haben, um ihren Kunden Geld auszuzahlen? Man druckt einfach selbst welches und bezahlt mit dem hausgemachten Geld statt mit offiziellen Scheinen. Was nach einer utopischen Idee klingt, war Anfang des 20. Jahrhunderts gang und gäbe.

Von 1915 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs gab es einen massiven Kleingeldmangel, weil Münzen aus Kupfer und Nickel als kriegswichtiges Metall für Rüstungszwecke eingezogen wurden. Viele Firmen ließen Notmünzen prägen oder Kleingeldscheine zu 1, 2 oder 5 Pfennig drucken. In München zum Beispiel hieß dieses Notgeld im Volksmund „Bäckerpfennige“, weil vor allem Lebensmittelhändler diese Art von Wechselgeld nutzten. Gegen Kriegsende erlaubte die Reichsbank angesichts der dramatischen Situation auch zähneknirschend, Papiernotgeld von einer bis zu 100 Mark zu drucken.

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Als die Reichsbank wieder in der Lage war, genügend Zahlungsmittel zur Verfügung zu stellen, wurde das Notgeld um die Jahreswende 1921/22 zum Großteil wieder eingezogen, das Reichsgesetz vom 17. Juli 1922 verbot neue Notgeldausgaben. Doch die anziehende Inflation führte dazu, dass bereits wenige Tage später erneut Notgeldausgaben gedruckt wurden. Ab Mitte 1923 gab kaum eine Stadt, eine Gemeinde oder ein Unternehmen, das nicht Notgeld ausgab.

Das Notgeld war auch bei Sammlern sehr beliebt. Anfang der 1920er Jahre wurde getauscht, gehandelt und darauf spekuliert, dass die bunten und zum Teil aufwendig gestalteten Scheine irgendwann einmal wertvoll werden.

Quelle: Historisches Lexikon Bayerns, www.historisches-lexikon-bayerns.de

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