Finanzen + Vorsorge Anlage-Notstand für Versicherer – Wohin mit dem Geld?

Geld, Münzen, Taschenrechner

Euro-Geldscheine und Münzen© Gina Sanders / Fotolia

Versicherer im Zinsdilemma: An den Kapitalmärkten werfen ihre Anlagen nur noch wenig ab, deshalb müssen sie umsteuern. Und auch die Freude über den guten Jahresauftakt fällt verhalten aus.

 

Anzeige

Die Kleinsparer in Deutschland sitzen derzeit mit den Finanzkonzernen im selben Boot: Magerste Zinsen lassen die Erträge von Sparkonten und Kapitalanlagen zusammenschrumpfen, das stellt vor allem die Versicherungswirtschaft vor wachsende Probleme.

Wohin mit dem Geld, fragen sich die Konzerne, die in der Lebensversicherung die Zinsversprechen an die Kunden erfüllen oder als Rückversicherer für Schäden der Erstversicherer gerade stehen müssen. Ein Ende der Flaute ist nämlich nicht in Sicht, sind sich die Experten einig – im Gegenteil: Erst vergangene Woche legte die Europäische Zentralbank mit einer weiteren Leitzinssenkung nach, das sorgt in den Chefetagen der Konzerne für Kopfzerbrechen.

„Wir leiden unter diesen extremen Niedrigzinsen“

„Für uns ist das natürlich sehr problematisch, wir repräsentieren sozusagen die Sparer und leiden unter diesen extremen Niedrigzinsen2, klagt etwa Finanzvorstand Jörg Schneider vom weltgrößten Rückversicherer Munich Re. Mit fast einer Milliarde Euro Gewinn verdiente der Konzern in den ersten drei Monaten des Jahres zwar ähnlich wie der Schweizer Konkurrent Swiss Re prächtig, aber das Zinstief trübt die Rendite-Aussichten. In Jubel wollen die Unternehmen nach dem guten Auftaktquartal deshalb nicht ausbrechen.

So rechnet die Munich Re vorsichtshalber weiter mit einem Gewinnrückgang, obwohl schon ein Drittel des angepeilten Jahresgewinns von annähernd drei Milliarden Euro geschafft ist. Und auch die Hannover Rück würde mit dem erwarteten Überschuss von 800 Millionen Euro leicht unter Vorjahresniveau liegen.

Richtige Anlagestrategie gesucht

Auch die Allianz schwimmt im Geld und sucht nach den richtigen Anlagestrategien. Im ersten Quartal verdiente der größte europäische Versicherungskonzern 1,7 Milliarden Euro und damit fast ein Viertel mehr als im Vorjahr. Die Geldanlage in Zeiten der Mini-Zinsen stellt aber auch die Anlagestrategen der Allianz vor Probleme, weil sich die früher eingegangenen Gewinnerwartungen in der Lebensversicherung kaum noch erzielen lassen. „Wie können Sie überhaupt noch profitabel neu investieren?“, fragt Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bei der Allianz-Hauptversammlung besorgt.

In ihrer Not tüftelt die Allianz bereits an neuen Modellen für die Lebensversicherung, um sich von den Fesseln der lebenslangen Garantieversprechen zu befreien. Festgeschrieben wird der Zins darin nur noch für die ersten Jahre, in der die Versicherung angespart wird, danach wird je nach Marktlage neu gerechnet. „Dies bringt deutlich niedrigere Garantiekosten mit sich und für uns als Versicherer sinken damit die Kapitalkosten“, sagte Konzernchef Michael Diekmann. Die Sparer büßen damit allerdings einen Großteil ihrer Sicherheit ein, bemängeln Verbraucherschützer. Auch die Munich-Re-Tochter Ergo arbeitet an neuen Modellen in der Lebensversicherung, Details sollen in wenigen Wochen vorgestellt werden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...