Finanzen + Vorsorge Assekuranz rechnet mit Milliardenlast

Von den Auswirkungen des Erdbebens in Japan sind die Rückversicherer stärker betroffen als sie es bei dem Beben waren, das 1995 die japanische Stadt Kobe weitgehend zerstörte.

Versicherer müssen sich auf Schadenzahlungen zwischen 15 Mrd. Dollar (10,8 Mrd. Euro) und 35 Mrd. Euro allein aus den Sachschäden des Erdbebens in Japan einstellen. Das umfasst Schäden an Gebäuden und aus Betriebsunterbrechungen. Nicht eingerechnet sind dabei Zerstörungen, die von dem Tsunami verursacht wurden, sowie Belastungen der Versicherer aus der Lebensversicherung nach Todesfällen und wegen zerstörter Autos.

Diese erste Schadensschätzung lieferte das renommierte US-Analyseunternehmen Applied Insurance Research (AIR), das Katastrophenmodelle für Versicherer und Rückversicherer berechnet. Das Beben vom Freitag sei das schwerste überhaupt in der Erdbebengeschichte Japans gewesen, sagte AIR-Expertin Jayanta Guin.

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Damit wäre die Belastung für die Assekuranz beim aktuellen Beben fünf- bis zwölfmal höher als bei dem bislang größten Erdbebenschaden in dem Land. Das Kobe-Beben aus dem Jahr 1995 kostete Versicherer und Rückversicherer zusammen 3 Mrd. Dollar. Der volkswirtschaftliche Schaden wurde damals auf 100 Mrd. Dollar geschätzt. Zum Vergleich: Das Erdbeben in Chile im Februar 2010 kostete die Assekuranz 8 Mrd. Dollar.

Die Versicherungsdichte in Japan ist vergleichsweise gering. Nur 14 bis 17 Prozent der Gebäude seien versichert, so AIR. Dazu kommen verhältnismäßig niedrige versicherte Werte. Rund 70 Prozent aller Wohnhäuser bestehen aus Holz, nur 25 Prozent aus Beton. Industrie- und Gewerbegebäude sind zu mehr als der Hälfte aus Beton gebaut, zu einem Drittel aus Leichtmetall oder Stahl, und zu zehn Prozent aus Holz.

Betroffen von dem Schaden sind vor allem japanische Versicherer. Aber auch global agierende Rückversicherer und Spezialisten für die Industrie- und Transportversicherung müssen mit Belastungen rechnen.

Rückversicherer nervös

Besonders die großen Rückversicherer haben Probleme, jetzt schon Zahlen zu veröffentlichen. Dafür ist es zu früh. Dabei sind sie unter erheblichem Druck von Anlegern, die aus Furcht vor einem Megaschaden aus Versicherungstiteln fliehen. Am Freitag verloren die Aktien von Munich Re, Swiss Re, Hannover Rück und Scor jeweils um die fünf Prozent.

Munich-Re-Chef Nikolaus Von Bomhard weigerte sich am Freitag, bei der jährlichen Analystenkonferenz in London Angaben zu dem Erdbeben zu machen, das wenige Stunden vorher stattgefunden hatte. „Es ist unmöglich, Ihnen irgendetwas zu den Auswirkungen zu sagen“, teilte er den Analysten mit. Auch zur Frage, ob der Schaden die Gewinnerwartung des Weltmarktführers von 2,4 Mrd. Euro für 2011 infrage stelle, äußerte sich von Bomhard nicht.

Munich Re hat nach Schätzungen aus der Branche einen Marktanteil von rund zwölf Prozent am japanischen Rückversicherungsmarkt – was aber nicht bedeutet, dass der Konzern zwölf Prozent aller versicherten Schäden zahlen muss. Denn zunächst zahlen japanische Versicherer. Erst ab einer bestimmten Schadenhöhe springen die Rückversicherer ein. Nach Angaben von Bomhards geht Munich Re für Erdbeben in Japan bei einem Ereignis mit 0,5 Prozent Wahrscheinlichkeit – dem 200-Jahre-Event – von einer Belastung bis zu 2 Mrd. Euro aus. Ob das Beben vom Wochenende ein solches Ereignis ist, steht noch nicht fest.

Neben Rückversicherern könnten auch Anleger in Katastrophenbonds betroffen sein. Sie erhalten für ihre Anlage einen besonders hohen Zins und verlieren Geld, wenn bestimmte Kriterien wie Windstärke bei Stürmen oder Magnitude bei Erdbeben erfüllt sind. Ob das für Katastrophenanleihen, die japanische Erdbeben einschließen, der Fall ist, wird sich erst in einigen Wochen zeigen, wenn alle Messungen ausgewertet sind.

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