Finanzen + Vorsorge Auf Nummer sicher

Fest vereinbarte Zinssätze sind risikoarm und garantieren Firmen, die erst später investieren wollen, günstige Konditionen. Der Nachteil: Sinken die Zinsen, hat der Kreditnehmer nichts davon.

Billiger wird das Geld wohl nicht mehr. Im Gegenteil: „Die Talsohle für Langfristzinsen könnte bereits durchschritten sein“, sagt Roland Weiß, Head of Corporate Sales bei der DZ Bank. Doch noch bewegen sich die Zinssätze auf historisch niedrigem Niveau. Darüber dürfen sich alle Unternehmer freuen, die gerade jetzt Geld für eine Investition benötigen. Umgekehrt könnten sich diejenigen ärgern, die erst in einem Jahr oder später eine größere Investition in Angriff nehmen. Könnten, müssen aber nicht. Denn durch den Einsatz einfacher Zinssicherungsinstrumente lässt sich das niedrige Niveau festschreiben.

Zum Beispiel mit einem Zins-Swap („to swap“ heißt tauschen). Dabei wird ein variabler Referenzzinssatz (etwa der Drei-Monats-Euribor) gegen einen vereinbarten Festzinssatz getauscht. Generell sind Zins-Swaps als Sicherungsinstrumente für alle Unternehmen geeignet, die die Vorteile variabler Finanzierung nutzen und sich dennoch gegen das Risiko steigender Zinsen absichern wollen.

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Der Nachteil: Sinken die Zinsen, profitiert das Unternehmen davon nicht.

Die Grenze nach oben

Wer für die Zukunft mit gleichbleibenden oder gar sinkenden Zinsen rechnet und sich dennoch gegen das Risiko steigender Zinsen absichern will, kann das mit einem Cap tun. Hier verpflichtet sich die Bank gegen Zahlung einer einmaligen Prämie zu Ausgleichszahlungen, sollte der Zinssatz über einen festgelegten Wert steigen. Bei den meisten Banken liegt das Mindestvolumen für Zinssicherungsinstrumente bei 500.000 Euro, die genossenschaftlichen Institute bieten Sicherungsinstrumente bereits ab rund 300.000 Euro an.

Wie das funktioniert, zeigt das Beispiel eines Hamburger Teeimporteurs. Der Unternehmer plant für den kommenden Herbst den Bau einer neuen Verpackungsstraße und die Erweiterung seines Lagers und rechnet mit einem Investitionsbedarf von 600.000 Euro. Den will er über einen Kredit bei seiner Hausbank finanzieren. Er hat sich für den Abschluss eines Forward-Payer-Swaps (Terminzahler-Swaps) mit einer Laufzeit von zehn Jahren und einem festen Zinssatz von 3,95 Prozent entschieden. Das ist zwar etwas teurer als die 3,8 Prozent, die ihn der Kredit aktuell kosten würde, doch dafür erhält er Planungssicherheit und muss erst zahlen, wenn die Kreditlaufzeit Ende 2011 auch tatsächlich beginnt.

Seine geplante Investition kann er bis dahin noch einmal überdenken. Sollte sich der Markt schlechter als erwartet entwickeln oder ein wichtiger Kunde abspringen, kann sich der Teehändler immer noch gegen den Bau der neuen Anlage entscheiden und seinen Swap zum Marktwert wieder auflösen. Einen Verlust macht er nur, wenn die Zinsen bis dahin gefallen sind und damit der Marktwert des Swaps negativ wird. Sinnvoll ist der Abschluss eines Forward-Swaps auch für Firmen, bei denen im Lauf des nächsten Jahres größere Kredite zur Verlängerung anstehen. Zusätzliche Prämien oder Abschlusskosten entstehen dadurch nicht.

„Es ist möglich und unter Umständen auch steuerlich sinnvoll, Swap und Kredit bei verschiedenen Kreditinstituten abzuschließen“, sagt Stefan Degener, Zinsexperte beim Bankhaus Lampe. Auch ein Preisvergleich kann sich lohnen. Vor allem aber sollten Mittelständler Wert auf qualifizierte Beratung legen.

Einfache Instrumente wie Swaps oder Caps werden im Risikomanagement von Konzernen längst standardmäßig eingesetzt. „Bei innovativen Finanzinstrumenten gilt der Grundsatz: Nichts abschließen, was man nicht versteht“, sagt Roland Weiß von der DZ Bank. Auch Frank Hoppe, zuständiger Direktor bei Hauck & Aufhäuser Finance Management, warnt: „Je komplexer die Produkte strukturiert sind, desto schwerer können Kunden nachvollziehen, welche Kosten und Risiken am Ende drinstecken.“

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 12/2010.

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