Finanzen + Vorsorge Benzinpreisstelle macht Sprit nicht billig – aber Autofahrer froh

Ein Auto an der Zapfsäule.

Ein Auto an der Zapfsäule.© ADAC

Seit gut sechs Wochen ist die Preismeldestelle für Benzin online. Die Probephase dauert noch bis Dezember. Autofahrer sind zufrieden mit den neuen Vergleichsmöglichkeiten. Billiger ist der Sprit aber bisher wohl nicht geworden.

Immer mehr Autofahrer vergleichen die Preise an den Tankstellen, seitdem sie staatlich erhobene Preisdaten auf ihren Smartphones abrufen können. „Wir haben täglich um die 300.000 Abrufe allein über die mobile App“, sagt zum Beispiel Steffen Bock, der die Webseite „clever-tanken.de“ betreibt. Das seien rund die Hälfte mehr als vor der Einführung der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe, so der offizielle Name. „Die Aktualität der Daten ist stark gestiegen, die Qualität hat sich verbessert“, meint Bock.

Auch das Bundeskartellamt zieht eine positive erste Bilanz. „Der Testbetrieb läuft sehr gut“, sagt Präsident Andreas Mundt. „Die gemeldeten Preise kommen binnen Minuten bei den App-Betreibern an.“ Die Angebote würden aus Sicht des Kartellamtes gut angenommen. Das zeige sich auch an den hohen Downloadzahlen für die Apps und den Besucherzahlen auf den verschiedenen Internetseiten. „Die Nachfrage ist groß“, stellt der Kartellamts-Präsident zufrieden fest. Für seine Behörde war die Einrichtung der Transparenzstelle eine Premiere.

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Bislang ermöglichen sechs Informationsdienste ihren Kunden einen Preisvergleich auf der Basis der offiziellen Daten. Weitere 150 Anträge auf Zulassung als Informationsdienst liegen beim Kartellamt vor. Beim Startschuss am 12. September waren die Preise zunächst nur auf den Webseiten der Info-Dienste abrufbar, die unter dem Ansturm der Autofahrer zusammenbrachen. Inzwischen sind die Daten zumindest im Probebetrieb auch mobil verfügbar, auf Smartphones, Tablets und Navigationssystemen. Sehr zur Freude der Autofahrer, wie sich aus Internet-Foren und -Kommentaren ablesen lässt.

ADAC: Preissprünge im Laufe eines Tages immer noch enorm

„Wenn ich an- oder abreise, suche ich mir mit einer App die günstigste Tankstelle entlang der Route Heilbronn-Nürnberg-Passau“, berichtet zum Beispiel der User „baurmaic“ in einem Forum. „Ich tanke ca. 60 Liter; Ersparnisse mehr als zehn Euro.“ Hier und da finden sich aber auch kritische Stimmen im Netz. Dabei geht es meist darum, welche der verfügbaren Apps die beste Funktionalität bietet – und welche Tankstelle noch nicht dabei ist. Bislang sind nach Auskunft des Bundeskartellamtes knapp 14.000 Stationen dem System angeschlossen; es fehlen noch ein paar hundert.

Der ADAC hofft darauf, dass noch mehr Autofahrer die Preise genau vergleichen und danach ihr Tankverhalten ausrichten. „Dann wird sich das auch positiv auswirken“, sagt Vereinssprecher Andreas Hölzel. Mehr als 600.000 Autofahrer haben sich die ADAC-Benzinpreis-App schon installiert. Bislang achtet nach verschiedenen Erhebungen nur ein gutes Drittel der Autofahrer bei ihrer Tankentscheidung vor allem auf den Preis. Ähnlich wie der Autoclub sieht es auch Mundt: „Je mehr Autofahrer die Informationsdienste nutzen, um gezielt die preiswerteste Tankstelle in der Umgebung anzufahren, umso höher wird der Druck auf die Anbieter, wettbewerbskonforme Preise zu setzen.“

Der ADAC hat beobachtet, dass die Preissprünge im Laufe eines Tages nach wie vor enorm sind, manchmal mehr als zehn Cent je Liter an der gleichen Tankstelle. Es lasse sich auch nicht erkennen, dass die gegenwärtig relativ moderaten Benzinpreise von durchschnittlich 1,52 Euro für einen Liter E10 und 1,42 Euro für Diesel etwas mit der neuen Preismeldestelle zu tun haben. Die aktuellen Preise dürften, da sind sich Mineralölwirtschaft und Automobilclub einig, auf den stabilen Rohölpreis und den stärkeren Euro zurückzuführen sein.

1 Kommentar
  • B.Augustin 30. Oktober 2013 10:16

    Die Preismeldestelle ist eine Luftnummer und dürfte nicht viel bringen.
    Erheblich besser wäre es den Tankstellen feste Tage zur Preisanpassung zuordnen.
    Und die Preise müssen dann für 10 Tage bindend sein.

    Z.B. Aral am 1. 10. und 20.des Monats. Schell am 4. 14. und 24. des Monats.
    Jet am 8. 18. 28. des Monats jeweils um 0:00 Uhr. usw.

    Wenn dann die Preise 10 Tage bindend sind und bei der Meldestelle für jeden abrufbar veröffentlich werden, kann man sich zuverlässig die günstigste Tankstelle aussuchen
    ohne dass die Preise während der Anfahrtszeit hochgesetzt werden.

    Da kann ein günstiger Anbieter mal 10 Tage die Kunden zu sich ziehen während die Tankstellen der zu hoch gepokerten Anbieter 10 Tage weniger umsetzen bis sie nach 10
    Tagen erneut ihr Angebot anpassen dürfen.

    Leider fehlt unseren Politikern als Marionetten der Lobbyisten dazu das Rückgrat.
    Was Marionetten für ein Rückgrat haben ist ja hinlänglich bekannt.

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