Finanzen + Vorsorge Bernanke hält die Märkte in Atem

Die Märkte sind nervös, denn Fed-Chef Bernanke wird zum Thema Geldpolitik sprechen. Er muss seine Worte sorgfältig wählen, denn Analysten und Händler suchen in jeder Formulierung die Antwort auf ihre wichtigste Frage: Wird die US-Notenbank die Politik des billigen Geldes in den kommenden Monaten beenden?

Mit Hochspannung schauen die internationalen Märkte an diesem Mittwoch nach Washington. Bei der US-Zentralbank steht wieder eine Entscheidung zur Zinspolitik an. Die Aufmerksamkeit gilt aber vor allem Notenbankchef Ben Bernanke, der sich am Abend zu den Themen Konjunktur und Geldpolitik äußern will. Zwar gilt es als sicher, dass er an der Politik des billigen Geldes zunächst nichts ändern wird. Aber schon vage Andeutungen über eine mögliches Anziehen der Geldschraube in den kommenden Monaten lassen die Börsen zittern. Neigt sich die Zeit des Liquiditätsrauschs dem Ende zu?

Die US-Notenbank kauft bereits seit längerem zur Stützung der Konjunktur monatlich Anleihen in großem Stil auf – der Wert beträgt 85 Milliarden Dollar (64,5 Mrd Euro). Seit der schweren Finanzkrise 2008 liegen die Zinsen auf einem historischen Tief von null bis 0,25 Prozent.

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Spekulationen und Interpretationen
Die Spekulationen über eine Wende in der Politik des lockeren Geldes blühen. Die Nervosität, die derzeit umgeht, beruht vor allem auf der Frage, ob ein Ende der Liquidität das zarte Pflänzchen der Konjunktur ersticken könnte. Experten rechnen mit einer leichten Kehrtwende bei den Anleihenkäufen frühestens im Laufe des Sommers. „Die Fed dürfte ihre Anleihenkäufe gegen Jahresende zurückfahren“, meint Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank vor der Entscheidung. Falls sich Bernanke in dieser Richtung äußern sollte, erwartet Krämer zwar Unruhe an den Märkten. Doch er fügt ausdrücklich hinzu: „Wir halten die Ängste vor einem frühen Ende der Anleihenkäufe für übertrieben und erwarten, dass sich Aktien wieder erholen.“

Erst Ende Mai hatte Bernanke die Märkte aufgescheucht. Zwar signalisierte er bei einer Kongressanhörung, die Geldschleusen sollten noch geraume Zeit weit geöffnet bleiben. Doch nach hartnäckigen Nachfragen wollte er eine Drosselung der Anleihenkäufe nicht ausschließen. Als dann wenig später bekannt wurde, dass einige der Währungshüter an der Fed-Spitze lieber früher als später einen Gang herunter schalten wollen, kippte die Stimmung an den Märkten.

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