Finanzen + Vorsorge Betriebsrente serienmäßig

Senioren in einer Fußgängerzone.

Senioren in einer Fußgängerzone. © KfW-Bildarchiv / Thomas Klewar

Angesichts der niedrigen Zinsen werben die Versicherer für eine Umgestaltung der betrieblichen Altersversorgung: Mit einem Arbeitsvertrag soll, so der Plan, automatisch eine Betriebsrente abgeschlossen werden. Das stellt Unternehmen jedoch vor neue Probleme.

Die historisch tiefen Zinsen sind ein Dilemma für künftige Rentner, denn nicht nur Lebensversicherungen, sondern auch vielen Betriebsrenten drohen Finanzierungsschwierigkeiten. Gleichzeitig glauben nur 18 Prozent der Beschäftigten einer DGB-Umfrage zufolge, dass ihre staatliche Rente gut oder sogar sehr gut für den Lebensabend ausreicht.

Fast zwei Drittel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland hat eine Anwartschaft auf eine betriebliche Altersvorsorge. Zuletzt hat sich der Zuwachs allerdings verlangsamt. Die Versicherer machen sich daher für das sogenannte Opting-out stark: Mitarbeiter schließen mit dem Arbeitsvertrag eine betriebliche Altersvorsorge ab. Wenn sie keine Betriebsrente wollen, müssen sie widersprechen.

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Gesetzesänderungen wären notwendig

Arbeitgeber sollten freiwillige Opting-out-Lösungen für ihre gesamte Belegschaft – also auch für bereits bestehende Arbeitsverhältnisse, einführen können, heißt es beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Dafür müssten die gesetzlichen Rahmenbedingungen geändert werden. Derzeit könnten Opting-out-Modelle nur für neu begründete Arbeitsverhältnisse problemlos umgesetzt werden.

Der GDV verweist auf das Beispiel USA. Die Beteiligungsraten bei der betrieblichen Altersvorsorge liegen dort mit Opting-out bei 77 Prozent, ohne bei 67 Prozent. Das Beratungsunternehmen Mercer hält ein freiwilliges Opting-out durchaus für sinnvoll. „Viele Beschäftigte behalten die betriebliche Altersvorsorge, die sie mit dem Arbeitsvertrag abgeschlossen haben, auch aus Trägheit – aber diese kommt ihnen am Ende zugute“, sagt Norman Dreger von Mercer.

Informationspflichten würden Arbeitgeber belasten

Die Arbeitgeber warnen davor, alle Branchen und Unternehmen über einen Kamm zu scheren. Eine gesetzliche Pflicht, mit dem Arbeitsvertrag eine Betriebsrente zu verbinden, lehnen sie ab. „Wenn, sollten die Tarifpartner einzelner Branchen oder die Unternehmen über eine Einführung des Opting-out entscheiden, aber nicht der Gesetzgeber“, sagt Florian Swyter von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Gerade in der Niedrigzinsphase würde eine staatliche Pflicht der Arbeitgeber zur Einführung des Modells mit weitreichenden Informations- und Hinweispflichten viele Unternehmen zusätzlich belasten.

Wie groß die Unterschiede zwischen den Branchen sind, zeigt der „Alterssicherungsbericht 2012“ der Bundesregierung. Danach haben mehr als 80 Prozent der Beschäftigten in Kredit- und Versicherungsunternehmen eine betriebliche Altersvorsorge. Im Gastgewerbe sind es hingegen nur 26 Prozent.

Betriebsrente ist nicht gleich Betriebsrente

Was Beschäftigte am Ende ihres Arbeitsleben herausbekommen, lässt sich kaum vorhersagen. Zugesagt werden muss, dass die eingezahlten Beiträge ausgezahlt werden. Entscheidend ist aber, was darüber hinaus auf dem Konto landet. „Dafür gibt es keinen Königsweg“, sagt Thomas Hagemann von Mercer.

Pensionskassen und die Direktversicherung – eine Lebensversicherung, die der Arbeitgeber für die Beschäftigten abschließt – sind abhängig von den Kapitalmarktzinsen. Der Garantiezins für neue Direktversicherungsverträge liegt bei 1,75 Prozent. Für Pensionskassen, die oft noch eine garantierte Verzinsung von 3,5 bis 4 Prozent der Beiträge zugesagt haben, kann es in Zeiten anhaltend niedriger Zinsen schwierig werden, diese zu erwirtschaften, berichten die Experten von Mercer. Unabhängig von der Kapitalmarktentwicklung ist die Direktzusage des Arbeitgebers. Sie hängt von der Entwicklung des Unternehmens ab.

Aus Sicht von Verbraucherschützern kann eine flächendeckenden kapitalgedeckte Altersvorsorge durchaus Sinn machen, vorausgesetzt: „Sie ist so effizient wie beispielsweise in Schweden“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Dazu müsste allerdings das bisherige System umgekrempelt werden. Am sinnvollsten aus Sicht des Verbraucherschützers wäre die Einführung eines Vorsorgefonds, der sich an dem Modell staatlicher Pensionsfonds in Skandinavien orientiert. „Dieser legt das Geld sehr solide an und ist ausschließlich den Interessen seiner Beitragszahler verpflichtet, eigene Gewinnziele verfolgt er – im Gegensatz zu privaten Finanzinstituten – nicht.“

 

  Betriebsrenten im Überblick
 
Direktzusage
Die Höhe der Leistung, die der Arbeitgeber zahlt, richtet sich in der Regel nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit und der Höhe des früheren Einkommens. Das Unternehmen bildet dafür Pensionsrückstellungen in der Bilanz. Anwartschaften oder Ansprüche sind bei einer Insolvenz der Firma durch den Pensions-Sicherungs-Verein geschützt.
 
Direktversicherung
Der Arbeitgeber schließt eine Lebensversicherung für seine Arbeitnehmer ab. Direktversicherungen unterliegen der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.
 
Pensionskasse
Werden von einem oder mehreren Unternehmen getragen. Sie unterliegen die Aufsicht durch die Bafin und müssen ihr Vermögen eher konservativ anlegen.
 
Pensionsfonds
Müssen ihr Vermögen – anders als herkömmliche Lebensversicherungen – stärker am Aktienmarkt anlegen. Daraus können sich höhere Renditen, aber auch höhere Risiken ergeben, da die Aktienkurse zum Teil stark schwanken. Ansprüche und Anwartschaften sind durch den Pensions-Sicherungs-Verein geschützt.
 
Unterstützungskasse
Eine Versorgungseinrichtung eines oder mehrerer Unternehmen. Sie ist in der Anlage des Vermögens frei und kann einen Teil im Unternehmen belassen – sozusagen als Darlehen.
Arbeitnehmer sind bei Insolvenz über den Pensions-Sicherungs-Verein geschützt.

1 Kommentar
  • Connie 10. März 2015 19:58

    Betriebsrente ist oft ein Verlustgeschäft Die betriebliche Altersvorsorge ist von vorhandenen Altersvorsorgemöglichkeiten sicherlich die Schlechteste:

    In der Rente muß der gesetzlich Krankenversicherte ca. 40 % der Betriebsrente für Steuern und Sozialabgaben (Krankenversicherung, Pflegeversicherung) abführen.

    Wenn man bedenkt, daß Versicherung, Vertrieb mit mindestens 10 % auch was verdienen wollen, gehen locker ca. 50 % der Betriebsrente einfach weg.

    Zwar hat man in der Ansparphase im Rahmen der sogenannten Bruttoentgeltwandlung Ersparnisse an Steuern und Sozialabgaben, doch ist es fraglich, ob das kompensiert werden kann.

    Obendrein ist die betriebliche Altersvorsorge auch an ein Beschäftigungsverhältnis gebunden. Ohne Arbeit kein Entgelt und damit gibt es nichts umzuwandeln. Wer kann heute von sich noch sagen, daß sein Arbeitsplatz sicher ist?

    Schließlich hat man mit der Bruttoentgeltumwandlung, indem man einen Teil seines Bruttolohns bzw. Bruttoentgehalts in die Betriebsrente steckt, auch seine Altersrente gekürzt und damit auch sein Arbeitslosengeld, Krankengeld etc.

    Der Arbeitgeber wird sich fragen, warum soll er eine Altersvorsorgemöglichkeit wählen, von der ca. 40 % im Endeffekt der Staat und die Krankenkasse des Arbeitnehmers einsteckt. Ich möchte für meine Arbeitnehmer sorgen und nicht den Staat und die Krankenkasse mästen. Ferner gehe ich mit der betrieblichen Altersvorsorge hohe Haftungsrisiken ein und Prozesse zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind für beide Parteien nicht erstrebenswert.

    Eine Rente oder ein Produkt, von dem ich etwa die Hälfte wieder abgeben muß, ist im Grunde schon ein Mißgriff oder Fehlkonstruktion, das man nicht erwerben oder kaufen soll.

    Als Alternativen sehe ich die private Vorsorge bzw. Riestern (keine Sozialabgaben in der Rente) oder falls möglich den Kauf von Sachwerten (Immobilie).

    Dessen ungeachtet, muß man bei allen Vorsorgeprodukten darauf schauen, daß die kalkulierten Selbstkosten der Anbieter nicht überhöht sind, so daß man nicht von vornherein schlechte Karten hat.

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