Finanzen + Vorsorge Bilanz verhagelt

Reichen die Rücklagen nicht aus, wird die Betriebsrente für Chef und Firma zum Problem.

Bis zum Ende des vergangenen Jahres glaubte sich Stefan Wolf
mit der betrieblichen Altersvorsorge seiner Firma auf der
sicheren Seite. Das böse Erwachen kam jedoch, als sein
Versicherungsmakler die Pensionszusage des
geschäftsführenden Gesellschafters der Ziegler Metallbau GmbH
in Nebelschütz bei Dresden durchrechnen ließ. „Meine beiden
Mitgeschäftsführer und ich hätten im Alter gewaltige Abstriche
bei der Rente machen müssen“, erläutert der heute 56-Jährige.
„Bei mir wäre es über ein Viertel weniger gewesen als
ursprünglich ausgerechnet.“

Damit nicht genug. „Das bei den Pensionszusagen fehlende
Geld hat sich auch negativ auf die Bilanz ausgewirkt“, sagt
Firmenchef Wolf. Das hätte nicht nur die Kredite verteuert.
Wegen der fehlenden Rückstellungen waren auch die
Betriebsrenten der Geschäftsführer in Gefahr.

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Wie Metallbauer Wolf haben in Deutschland etwa 220.000
GmbHs Pensionszusagen für Firmenchef und Mitarbeiter
abgeschlosssen. „Doch die meisten Unternehmer haben die
damit verbundene Problematik noch nicht erkannt“, sagt Hans
Kagerer von der Beratungsfirma Pension Capital. Diese hatte im
Rahmen des Excellence Barometers (ExBa), der Benchmark-
Studie zur Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, eine
Untersuchung zu Pensionszusagen in Auftrag gegeben. Daraus
geht hervor, dass über die Hälfte aller GmbHs ihre Renten noch
nicht einmal zu 50 Prozent finanziert hat.

Dabei ist es meist nicht der Fehler der Firmenchefs, der zu
mangelnden Rückstellungen für die Firmenrente führt. So wie
bei der Ziegler GmbH. Als das Unternehmen im Jahr 1996 den
Geschäftsführern eine Firmenrente über eine Pensionszusage
versprach, schloss die Firma als sogenannte Rückdeckung eine
Lebensversicherung ab, die später die Rente finanzieren sollte.
In der Bilanz wurde die Police entsprechend den steuerlichen
Vorschriften mit sechs Prozent verzinst. Alles den gesetzlichen
Bestimmungen gemäß, doch bei Weitem nicht ausreichend fürs
Alter. Ursache für die unzureichende Finanzierung: Die
Unternehmer haben sich auf die – unverbindlichen –
Gewinnschätzungen der Versicherer verlassen. Doch deren
Voraussagen waren zu optimistisch. Die schlechte Konjunktur
der vergangenen Jahre machte die ursprünglichen
Berechnungen hinfällig. So kalkulierten damals die
Lebensversicherungen noch mit jährlichen Renditen von sieben
Prozent oder mehr.

Heute sind dieselben Versicherungsgesellschaften froh, wenn
bei den Gewinnen eine Vier vor dem Komma steht. Darüber
hinaus sorgt die kontinuierlich steigende Lebenserwartung bei
den Assekuranzen zu weiter geschmälerten Überschüssen.
„Erschwerend kommt hinzu“, sagt Experte Kagerer, „dass viele
der Rentenzusagen von Anfang an zu niedrig über
Lebensversicherungspolicen, Wertpapiere oder Immobilien
abgedeckt waren.“

Alles in allem hätte sich Firmenchef Wolf im Alter mit noch
nicht einmal 75 Prozent der 1996 berechneten Rente zufrieden
geben müssen. Um die finanzielle Lücke zu schließen, entschied
sich der Metallbauer zusätzlich zur bereits bestehenden
Rückdeckungsversicherung für eine englische Fondspolice. „Die
bietet mir mehr Sicherheit als eine Finanzierung allein über
Wertpapiere oder Immobilien und mehr Rendite als eine
deutsche Lebensversicherung.“

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Gleichgültig ob Firmenrente, das Ausscheiden des
Gesellschafters oder ein geplanter Firmenverkauf: GmbH-Chefs,
die Pensionszusagen abgeschlossen haben, können jetzt prüfen
lassen, ob ihre betriebliche Altersvorsorge auf dem aktuellen
Stand ist.

Für impulse-Leser durchleuchten die Experten des Bundes-
Versorgungs-Werks (BVW) in Hamburg die Rentenzusagen. Und
das zum Vorzugspreis. Denn statt der sonst üblichen Kosten
von 700 Euro berechnen die Hamburger Experten lediglich 300
Euro plus Umsatzsteuer. „Dafür erhalten die Teilnehmer ein
Gutachten, das Alternativen zur Pensionsaussage ausweist und
die dadurch entstehenden Kosten aufzeigt“, erläutert Hans-
Dieter Stubben, Gesellschafter-Geschäftsführer der auf
Beratung zur betrieblichen Altersvorsorge spezialisierten BVW-
GmbH.

Firmenrente wechseln

Doch nicht immer reicht die Nachfinanzierung einer nicht
ausreichend gedeckten Pensionszusage. „Häufig ist es für
Unternehmen und Gesellschafter günstiger, die Art der
betrieblichen Altersvorsorge zu wechseln“, sagt Stubben. So
beispielsweise wenn geplant ist, das Unternehmen über kurz
oder lang zu verkaufen, oder wenn die GmbH liquidiert werden
soll. „Denn solange aktive oder ehemalige Mitarbeiter
Rentenansprüche an die GmbH haben“, so der BVW-Experte,
„kann die Bilanz nicht geschlossen werden.“ Wird die Firma
weitergeführt, dann hat der neue Chef die Wahl zwischen Pen­
sionsfonds und Unterstützungskasse. Sollen später hohe
Renten, zum Beispiel für den in der Firma als Mitarbeiter tätigen
Ehegatten erreicht werden, bietet sich die Unterstützungskasse
an.

Will der Chef dagegen für Mitarbeiter mit niedrigerem Verdienst
eine Betriebsrente einrichten, reicht ein Pensionsfonds. Soll die
Firma nicht weitergeführt werden, ist eine
Liquidationsversicherung die beste Lösung (siehe href=“http://www.impulse.de/
pensionszusage“>www.impulse.de/pensionszusage.).

Gleichgültig, wie sich die Ziegler GmbH zukünftig entwickelt, für
Firmenchef Wolf steht fest: „Damit wir nicht wieder fünfstellige
Summen nachschießen müssen, werde ich in spätestens zwei
Jahren unsere Pensionszusagen wieder prüfen lassen.“

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