Finanzen + Vorsorge Börsenweisheiten, die Sie meiden sollten

Lässt sich das Geschehen an Märkten in flotte Sprüche fassen? Die Finanzkrise zeigt eindrucksvoll, dass das nicht geht. Warum vermeintliche Börsenweisheiten nichts taugen.

Nichts ist seit der Finanzkrise mehr, wie es einmal war. Und das hat durchaus sein Gutes: Denn nun sind auch jene vermeintlichen Gewissheiten gründlich widerlegt, mit denen Banker gern Produkte und Anlagestrategien bewerben. Manch ein Finanzguru, der sich unfehlbar glaubte, musste zusehen, wie ihm sein Geld – oder schlimmer noch: das Geld seiner Kunden – durch die Finger rann. Und das, obwohl doch jahrelang alles glattgelaufen war. Inzwischen ist klar: Unumstößliche Börsenweisheiten gibt es nicht. Die meisten entlarvte die Krise sogar als groben Unfug. So taugen sie heute höchstens noch als Spruch fürs Anlageberater-Poesiealbum.

impulse hat sich zehn besonders beliebte Börsenweisheiten vorgenommen und auf ihren Gehalt hin abgeklopft. Manche fußen auf wissenschaftlichen Theorien, andere stammen von anerkannten Finanzgrößen und verweisen auf deren Erfolg. Einige reimen sich auch einfach nur schön. Sie alle haben jedoch eines gemeinsam: Sie vereinfachen komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge und gaukeln Anlegern vor, das Investieren des Ersparten sei ganz einfach. Solche Faustregeln können Anlegern zwar dabei helfen, richtige Investitionsentscheidungen zu treffen. Viel eher führt ein falscher Tipp aber dazu, sich in trügerischer Sicherheit zu wiegen und früher oder später ein böses Erwachen zu erleben.

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Es ist eben doch alles viel komplizierter. Kein Investment ist garantiert erfolgreich, und schmissige Poesiealbensprüche ersetzen nicht fundierte Anlagekenntnisse. Immerhin das hat die Krise gezeigt.

Sell in may and go away. But always remember: Come back in September

Aus einem unerfindlichen Grund hält sich hartnäckig das Gerücht, Märkte gingen in die Sommerpause. Spätestens seit dem Horrorseptember 2008, in dem die Märkte weltweit crashten, ist der zweite Teil dieser Aussage brutal widerlegt. Und wer ausgerechnet im Mai 2009 den Markt verließ, an dem ging der folgende sommerliche Aufschwung an den Weltmärkten glatt vorbei.

Wie unsinnig saisonale Börsenabstinenz ist, belegt die Geldanlageindustrie übrigens inzwischen selbst: So berechnet die Deutsche Börse seit fünf Jahren den DAXplus-Seasonal-Strategy-Index, ein Kursbarometer, das die Marktentwicklung von August und September ausblendet. Die Begründung der Börse lautet, diese Monate seien in den zurückliegenden 20 Jahren besonders schlecht gelaufen. Nun: Wer der DAX-Sommerpausenstrategie verfiel, hängt dem Gesamtmarkt mittlerweile deutlich hinterher.

Es gibt kein richtiges oder falsches Market-Timing. Wer Angst hat, zum falschen Zeitpunkt einzusteigen, dem empfiehlt Niels Nauhauser, Anlageexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, einen Zweistufenplan: „Man legt je die Hälfte des Geldes sofort und den Rest ein halbes Jahr später an.“ Damit startet man stets durchschnittlich gut. Egal zu welcher Jahreszeit.

The trend is your friend

Erfolgreiche Geldanlage kann so einfach sein: Man braucht nur ein Anlageinstrument, das langfristig garantiert an Wert gewinnt, und schon kann man zusehen, wie der Kontostand steigt. Gold zum Beispiel soll eine solch bombensichere Anlage sein (siehe auch Weisheit zehn). Tatsächlich läuft das Edelmetall „seit circa acht Jahren in einem blitzsauberen Trend“, bestätigt Heinz-Werner Rapp, Chefstratege der Vermögensverwaltung Feri Finance, der Preis ging immer weiter aufwärts. So etwas ist inzwischen allerdings die absolute Ausnahme. Starke Trends sind nämlich selten. Und überdies schwer auszumachen: Fondsgesellschaften etwa haben immer wieder Trends ausgerufen, die schnell wieder versandeten oder gar nie aufkamen. Biotechnologie zum Beispiel sollte ein langfristiger Trend sein, hat aber bislang abgesehen von vielen Pleiten und Fusionen wenig hervorgebracht. Oder der Logistikmarkt: Sollte dank Globalisierung wachsen, wachsen, wachsen – heute ist davon keine Rede mehr. Ganz zu schweigen von der gefeierten New Economy, die vor zehn Jahren zusammenbrach. Stellt sich ein Trend tatsächlich als solcher heraus, ist es meist schon zu spät, um Kurssteigerungen noch voll mitzunehmen. „Man muss Trends spielen, solange sie noch jungfräulich sind“, sagt Rapp. Beim Gold etwa ist diese Phase längst vorbei. Trendgläubige müssen zudem wissen, wann der richtige Zeitpunkt zum Ausstieg kommt – und der ist selbst für Profis kaum vorhersehbar. „Trends können abrupt abbrechen“, warnt Rapp. Wer das scheut, lässt von Trendprodukten die Finger.

Lege nie alle Eier in einen Korb

Das theoretische Gerüst hinter dieser uralten und in fast jedem Bankgespräch bemühten Anlageweisheit stammt vom amerikanischen Ökonomen und Nobelpreisträger Harry Markowitz. Er wies schon in den 50er-Jahren nach, dass das Verlustrisiko sinkt, wenn Anleger ihr Geld auf verschiedene Anlageklassen und Finanzprodukte aufteilen, statt alles auf eine Karte zu setzen. Der Grund: Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Immobilien bewegen sich, wie historische Daten belegen, in der Regel unterschiedlich. Die Korrelation, wie Experten die Ähnlichkeit ihrer Wertentwicklung nennen, ist gering. Und deshalb lassen sich in bunt gemischten Anlagekörben die Verluste der einen Anlageklasse teilweise durch Gewinne der anderen ausgleichen.

So weit die Theorie. In der Krise hat allerdings auch ein breit diversifiziertes Portfolio kaum gegen Verluste geholfen: Fast alle Anlageklassen brachen nämlich gemeinsam ein. „Genau das macht eine richtige Krise ja aus“, sagt Ursula Walther, Professorin für Corporate Finance an der Frankfurt School of Finance & Management. Ist Markowitz damit widerlegt? Keineswegs. Denn seine Portfoliotheorie wird meist verkürzt dargestellt. Die gilt nämlich nur als Wenn-dann-Aussage: Solange die Korrelation zwischen den Anlageklassen gering ist, schützt Diversifikation vor Verlusten. „In den meisten Zeiten tun Anleger also gut daran, ihr Kapital zu streuen“, sagt Walther.

Nur hilft das eben nicht immer. Statt blind auf den Nutzen der Diversifikation zu vertrauen, sollten Anleger deshalb darauf achten, ihre Anlagerisiken grundsätzlich auf ihre persönliche Risikobereitschaft zuzuschneiden. Der Anteil risikoreicher Papiere wie Aktien etwa lässt sich durch gezielte Käufe und Verkäufe je nach Marktlage steuern. Ausgefeiltere Risikomanagement-Strategien, bei denen komplizierte Produkte wie Derivate zum Einsatz kommen, sind dagegen eher etwas für Profis.

Renditen sind wie Stöckelschuhe: je höher, desto besser

Dieser chauvinistische Spruch bezieht sich auf die Geldanlage mit Anleihen – und er enthält einen wahren Kern: Wenn es darum geht, den Ertrag zu bewerten, den einem ein solches festverzinsliches Rentenprodukt einbringt, dann ist ein Blick auf die Rendite der einzig richtige. Der Zinssatz, mit dem Anleihen gewissermaßen beschriftet sind, sagt dagegen wenig über ihre wahre Güte aus. Was unterscheidet Zins und Rendite? „Der Zins sagt nur, wie hoch die regelmäßigen Ausschüttungen ausfallen“, erklärt Verbraucherschützer Niels Nauhauser. „Entscheidend ist allein die Rendite. Denn sie berechnet auch Gewinne oder Verluste aus Kursentwicklungen ein.“ Die Preise von Anleihen können im Lauf der Zeit kräftig schwanken, während es am Ende stets 100 Prozent des Nennwerts zurückgibt. Heißt: Wer eine Anleihe mit vier Prozent Zinsen, die noch ein Jahr lang läuft, zu 102 Prozent des Nennwerts kauft, kommt unterm Strich nur auf zwei Prozent Rendite. Der Rest der Ausschüttung verpufft durch den Kursverlust.

Nun zur Kehrseite des Sprichworts, nämlich der empfohlenen unbedingten Renditegier. Und damit zum Problem, das sich auf Stöckelschuhen ganz genauso stellt: Wer allzu hoch hinauswill, steht auf wackligen Füßen – der Absturz droht. Heißt übertragen auf die Geldanlage: Was sich an Börsen besonders rentiert, rentiert sich nicht sonderlich sicher. Sondern kann auch schnell einmal danebengehen, zum Beispiel weil der Schuldner pleitegeht. Oder weil die Währung, in der die Anleihe notiert, abwertet. Höchstzinsanleihen heißen im Jargon nicht umsonst auch Junk-Bonds. Zu Deutsch: Schrottanleihen.

Zinsen runter, Aktien rauf

Diese Lehrbuchregel ist gewissermaßen Markowitz (Weisheit drei) light: Wer sich von komplexen Anlageklassen wie Immobilien und Rohstoffen fernhält, sollte sein Geld zumindest zwischen Aktien und Anleihen aufteilen. Fallen nämlich die Zinsen, klettern die Aktienkurse – und umgekehrt. Warum das so sein muss, lernen Volkswirte in den ersten Semestern – nur für die Praxis taugen die Modelle nicht. 2008 etwa stürzten Aktien wie Anleihen ab, das Jahr 2009 wurde für beide Gattungen zum Spitzenjahr. Wie kann das passieren? „Die Anlageklassen unterliegen teilweise denselben Risikofaktoren“, sagt Ursula Walther von der Frankfurt School of Finance & Management: „Keine ist von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt.“

Sowohl Aktien als auch Renten im Portfolio zu haben ist trotz dieser ernüchternden Erkenntnis sinnvoll. Nur dürfen Anleger nicht vorschnell in irgendwelche Titel investieren und denken, so automatisch auf Nummer sicher zu gehen. „Unternehmensanleihen zum Beispiel sind in der Krise stark eingebrochen“, sagt Walther. „Mit deutschen Staatsanleihen hat man dagegen keinen Verlust gemacht.“ Es kommt also auf Details an. Auch weil die Anlageklassen selbst in normalen Zeiten nicht per se Gegenpole darstellen: „Aktie und Anleihe desselben Unternehmens werden sich nicht allzu unterschiedlich entwickeln.“

Kaufen Sie Aktien, schlucken Sie Schlaftabletten, und wenn Sie nach ein paar Jahren wieder aufwachen, sind Sie reich

Dieser Ratschlag stammt aus dem Kalenderspruchrepertoire des Börsengurus André Kostolany. Im Fachjargon spricht man von der Buy-and-Hold-Strategie und meint dasselbe: dass nämlich Aktien langfristig immer steigen. Der Weglege-Ratschlag ist durchaus berechtigt, schon allein, weil Anleger, die ihr Portfolio ständig umschichten, mit höheren Kosten rechnen müssen („Hin und her macht Taschen leer!“). Trotzdem spricht einiges dagegen, dass bedingungsloses Buy-and-Hold gut funktioniert.

Wer etwa vor zehn Jahren in den deutschen Aktienmarkt einstieg und nun aus seinem Schlaf erwacht, ist nur um eine Erfahrung reicher: dass sich absolut nichts getan hat. Denn zwischenzeitlich zogen gleich zwei Krisen die Märkte in den Keller. „Buy-and-Hold ist mit Vorsicht zu genießen“, sagt Heinz-Werner Rapp, Chefstratege von Feri Finance. Wer einfach von allem ein bisschen kauft und abwartet, dürfte nicht vorankommen. Und verpasst womöglich zwischenzeitlich günstige Gelegenheiten. Weshalb Anlageexperten heute zu „strategischer Flexibilität“ raten – anders gesagt zur stetigen Wachsamkeit: „Man muss in unsicheren Zeiten viel stärker auf Einzelauswahl setzen“, bestätigt Rapp. Also danach schauen, welche Regionen und Unternehmen gerade gut oder schlecht dastehen, und sein Depot regelmäßig entsprechend umbauen.

Die Rente ist sicher!

Zu den Nebenwirkungen der Finanzkrise zählt das Dauertief der Zinsen. Denn um die Märkte zu stützen, fluten die Zentralbanken sie mit billigem Geld. Das freut zwar jeden, der einen Kredit braucht. Wer Geld risikoarm vermehren will, steht aber zunehmend vor Problemen. Zum Beispiel die Lebens- und Rentenversicherer: Sie müssen Kunden 2,25 Prozent Zinsen auf den Sparanteil garantieren. Sichere Staatsanleihen aus Deutschland rentieren inzwischen aber nur noch mit etwa 2,5 Prozent, wie die Umlaufrendite für Staatsanleihen zeigt. Das reicht kaum, um die Garantie zu erwirtschaften. So droht eine baldige Senkung des Garantiezinses für Neuverträge und bei laufenden Verträgen ein Verfall der Überschussbeteiligungen, die Versicherer aus zusätzlichen Anlageerfolgen weitergeben. In beiden Fällen lohnen die Policen kaum noch – zumal Kunden sich dafür oft lang binden. „Kapitalbildende Lebensversicherungen stehen wegen der Zinsentwicklung zunehmend unter Druck“, warnt Thomas Grützemacher, Privatkundenvorstand der Stadtsparkasse München. Im schlimmsten Fall könnten sogar Anbieter in Konkurs gehen. Eine sichere Rente sieht anders aus.

Immobilien sind Betongold

Wer ein Haus sein Eigen nennt, so will es diese Anlegerweisheit sagen, kann auf eine sichere Kapitalanlage verweisen. Schließlich steigt so ein Eigenheim in der Regel langfristig im Wert und schützt als höchst realer, anfassbarer Wertgegenstand – ähnlich wie Gold – überdies vor Inflation. Wirklich? „Nonsens“, sagt Tom Friess, Geschäftsführer der unabhängigen Finanzberatung VZ Vermögenszentrum in München. Und zwar nicht erst, seit sinkende Immobilienpreise die Finanzkrise mit verursachten. Schon vorher galt nämlich: „Immobilien bergen schwer einschätzbare Risiken“, erklärt Friess. So kann ein Haus zum Beispiel schnell im Wert sinken, wenn nebenan eine Autobahn gebaut wird oder der örtliche Flughafen die Einflugschneisen ändert. Bei Mietshäusern, einer weiteren klassischen Anlageform unter den Immobilien, drohen empfindliche Mietausfälle und teurer Rechtsstreit. Und immer neue Kosten, etwa wegen Renovierungen, schmälern die Rendite. Immobilien binden außerdem viel Kapital, und sie sind, wenn die Zeit drängt und der Markt gerade schwächelt, kaum zu verkaufen.

Nicht zuletzt deshalb bevorzugten in der Vergangenheit viele Anleger offene Fonds, um auf Immobilien zu spekulieren – schließlich haben Anbieter hier oft mit finanzieller Flexibilität geworben. „Das war allerdings ein Trugschluss“, sagt Friess. Viele Fonds stecken derzeit in der Krise, Anleger kommen nicht an ihr Geld oder müssen Anteile mit Verlust verkaufen.

Wer Sicherheit sucht, sollte besser nicht auf Betongold setzen, sondern Bundesschatzbriefe oder Sparbriefe kaufen. Viel ist damit indes nicht zu gewinnen. Denn: „Garantierte Wertbeständigkeit gibt es nicht“, sagt Friess. Anleger sollten mehr Zeit dafür aufwenden, jede einzelne Investition genau zu prüfen. Klingt auch nach einer reichlich simplen Weisheit – stimmt in diesem Fall aber.

Cash is king

Der Geldmarkt gilt als sicherer Parkplatz für freies Kapital. Wer Bares übrig hat, kann es etwa auf dem Tagesgeldkonto zwischenlagern. Das bringt immerhin ein paar Zinsen, birgt kein Risiko. So weit zumindest die Theorie. Mittlerweile liegen die Zinsen jedoch so tief, dass sich ein Tagesgeldkonto oft kaum noch rechnet. Die besten Angebote liegen derzeit bei gerade mal zwei Prozent, während die Inflationsrate im Euro-Raum im November schon auf 1,9 Prozent stieg. Bleiben die Zinsen so niedrig, steigt aber die Inflation weiter an, dann wird ein Tagesgeldkonto bald nicht einmal mehr die Kaufkraft des geparkten Geldes erhalten. Anleger sollten bei der Anbieterwahl daher auch auf den sogenannten Realzins schauen, nicht auf den Nominalzins, mahnt Tom Friess vom VZ Vermögenszentrum. Also auf den Ertrag der Anlage nach Inflation. Und nicht auf den Zins aus der Werbung.

Was aber ist zu tun mit dem Bargeld? Höhere Zinsen versprechen Geldmarktfonds. Sie investieren in Tagesgeld, Termingelder und kurzfristige Anleihen. Auch die Geldmarktfonds galten lange Zeit als sicherer Parkplatz. Das hat sich allerdings in der Krise geändert: Viele Fonds verloren massiv an Wert. Schuld waren riskante Papiere, die einige Fondsmanager beigemischt hatten. Mittlerweile hat sich die Fondsbranche zwar strengere Regeln auferlegt und weist das Risiko von Geldmarktfonds deutlicher aus. Anleger müssen trotzdem genau hinschauen, in welche Papiere die Fonds investieren dürfen, bei denen sie parken wollen. Sind zum Beispiel sogenannte Asset-Backed Securities dabei, ist Vorsicht geboten. Die fielen in der Krise reihenweise aus.

Die Kehrseite: Die wirklich risikoarmen Geldmarktfonds bringen kaum mehr ein als ein Tagesgeldkonto, sind aber deutlich teurer. „Die Gebühren sind zum Teil unangemessen hoch“, kritisiert Vermögensberater Friess. Er rät deshalb, liquide Mittel besser gestaffelt auf Festgeldkonten einzuzahlen: Das bringt höhere Zinsen als Tagesgeld, bindet das Kapital aber für eine bestimmte Zeit. Wer nun eine Rate für einen Monat auf ein Festgeldkonto legt, die zweite für zwei Monate und so weiter, hat trotzdem jeden Monat wieder Geld zur Hand. Und kann sich aussuchen, ob er es weiter parken will. Oder investiert: Erträge bringt Cash nämlich nur, wenn jemand damit arbeitet.

Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles

Eine lupenreine Börsenweisheit ist dieser Satz nicht, vielmehr Zitat deutscher Hochkultur. Sagt ihn doch Gretchen in Fausts Tragödie in leichter Verwirrung – nachdem sie den vom Teufel versteckten Schmuck entdeckt hat. Inzwischen hören verunsicherte Kunden gern wieder von ihren Bankern die Faustregel, sie sollten sich einen Vorrat des edlen Metalls in den Tresor legen. Warum? Vor allem, um der drohenden Geldentwertung zu entgehen.

Wer zurückblickt, weiß allerdings: Das mit der Inflationssicherheit ist schlicht gelogen. „Zwischen 1980 und 2005 konnte der steigende Goldpreis die Geldentwertung zum Beispiel nicht mal kompensieren“, sagt Finanzexperte Niels Nauhauser. Einigermaßen wertstabil sei es zwar gewesen, ein regelrechter Schutz gegen den Werteverfall sieht aber anders aus. Selbst jetzt, wo das Edelmetall immer neue Rekordpreise erzielt, wird sich das nicht zwingend ändern. So wertstabil wie behauptet ist das Edelmetall jedenfalls nicht. Und darüber hinaus ist es, anders als etwa Industriemetalle, zu kaum etwas nütze – außer für Zahnfüllungen und Schmuck gibt es für Gold keine sonderlich sinnvolle Verwendung. Weshalb sich mehr als eine kleine Notreserve an Gold im Depot nicht empfiehlt. Schon Gretchen kommentiert die Gier nach Gold daher trefflich: „Ach wir Armen!“

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