Finanzen + Vorsorge Bruttoverdienste ziehen deutlich an

Abbau der Kurzarbeit, Tariferhöhungen, Sonderzahlungen: Deutsche Arbeitnehmer kriegen im zweiten Quartal 2011 wieder mehr Lohn. Besonders hohe Zuwächse verzeichnet die Finanzbranche - die Boni überschreiten das Vorkrisenniveau deutlich.

Im Aufschwung steigen die Bruttomonatsverdienste der deutschen Arbeitnehmer deutlich an: Vollzeitbeschäftigte bekommen im zweiten Quartal 4,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Seit Beginn der Erhebung 2008 ist das der stärkste Anstieg des Bruttolohns.

Mehr als die Hälfte davon wurde allerdings von steigenden Preisen aufgezehrt: Bei einer Inflationsrate von 2,3 Prozent blieb ein reales Lohnplus von durchschnittlich 1,9 Prozent übrig. Trotzdem dürfte das die Arbeitnehmer freuen: „Der Anstieg der Reallöhne ist der dritthöchste seit Beginn der Zeitreihe 2008“, hieß es.

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In fast allen Wirtschaftszweigen wurde deutlich mehr gezahlt. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es mit 7,0 Prozent die stärksten Zuwächse, wozu der Abbau der Kurzarbeit, höhere Sonderzahlungen wie erfolgsabhängige Boni sowie Tariferhöhungen beitrugen. In der Chemischen Industrie einigten sich die Tarifparteien auf ein Lohnplus von 4,1 Prozent, in der Metall- und Elektroindustrie wurden plus 2,7 Prozent vereinbart.

Hohe Boni für Finanzbranche

Um überdurchschnittliche 4,6 Prozent erhöhten sich die Verdienste für die Beschäftigten von Banken und Versicherungen. Der Löwenanteil resultiert aus höheren Sonderzahlungen, die in der Finanzbranche größtenteils erfolgsabhängig gezahlt werden und die das Vorkrisenniveau wieder deutlich überschritten.

Ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer verdiente im zweiten Quartal ohne Sonderzahlungen durchschnittlich 3313 Euro brutto im Monat. Am meisten bekamen die Beschäftigten der Informations- und Kommunikationsbranche (4358 Euro) und der Energieversorgung (4350 Euro) sowie die Mitarbeiter von Banken und Versicherungen (4332 Euro). Am wenigsten wurde mit 1950 Euro im Gastgewerbe gezahlt.

Noch im Vorjahr stagnierte der Anstieg der Reallöhne in der Bundesrepublik. Laut einer Erhebung der EU-Behörde Eurofound belief sich der Zuwachs 2010 lediglich auf 0,6 Prozent. Damit liegt Deutschland im europäischen Mittelfeld. Für 2009 ermittelte das Institut einen Anstieg der Reallöhne um 2,4 Prozent.

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