Finanzen + Vorsorge Das Risiko im Griff

Das Risiko im Griff

Das Risiko im Griff

In Zukunft wollen die Banken bei der Kreditvergabe erheblich mehr von Ihnen wissen. Vor allem, wie sich Ihr Unternehmen in der Zukunft behaupten kann. Und welche Risiken dabei auftreten können. Mit einem Risiko-Management-System verbessert sich das Rating.

In Großunternehmen sind sie gang und gäbe – Risikomanagementabteilungen. Ihre einzige Aufgabe: Herauszufinden, ob und wann dem Unternehmen Schaden, beispielsweise durch neue Wettbewerber, neue Produkte, Zahlungsausfälle oder Marktveränderungen drohen. Aber auch potentielle Gesetzesänderungen, die das Unternehmen tangieren oder Anfälligkeit gegen Betrug sind mögliche Risiken, die das Management frühzeitig erkennen sollte. „Im Mittelstand gibt es solche Systeme bis jetzt allerdings kaum“, sagt Jan Offerhaus aus dem Münchener Büro der Unternehmensberatung HHMC.

Das sollte sich ändern. Denn im Zuge von Basel II legen die Banken bei der Kreditvergabe nicht nur auf reine Zahlen wie Umsatz oder Gewinnprognose wert. Sie wollen auch wissen, wie gut sich das Unternehmen in der Zukunft behaupten kann. Dazu gehört auf jeden Fall ein Risiko-Management-System. Zum einen dokumentiert ein solches System die Zukunftsorientierung des Managements. Zum anderen zeigt es, dass die Geschäftsführung aktiv die Risiken der Unternehmensentwicklung steuert. „Da die Banken ihr eigenes, mit der Kreditvergabe verbundenes Risiko minimieren wollen, werden Unternehmen, die ihre Risiken im Griff haben, bei der Bonitätsbeurteilung besser abschneiden“, weiss Jan Offerhaus. „Im Geschäftsleben ist eine ganz neue Dimension vorausschauender Identifizierung und Analyse von Risikopotentialen gefragt“, bestätigt Katharina Bonnenberg von der Kommunikationsagentur Fleishman-Hillard.

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Die Gesamtverantwortung für das Risikomanagement liegt bei der Geschäftsführung. Umgesetzt werden sollte es jedoch in den einzelnen Unternehmensbereichen. Dort sitzen einzelne Risikomanager, die dafür verantwortlich sind, eventuelle Schäden für das Unternehmen zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen. „Die Einbindung der Fachleute der verschiedenen Arbeitsbereiche in den gesamten Planungsprozess ist Voraussetzung. Bruchstückhaftes Risikomanagement reicht nicht aus“, so Katharina Bonnenberg.

Der eigentliche Risiko-Management-Prozess besteht aus vier Elementen:

  • Risikoidentifikation:
  • In diesem Schritt werden alle eventuellen Risiken, die dem Unternehmen schaden könnten, identifiziert. Dazu trägt jeder Risikomanager die seinen Bereich betreffenden, möglichen Schadensquellen zusammen. Idealerweise geschieht dies jedes Jahr. So fließen auch wechselnde Rahmenbedingungen wie eine geänderte Gesetzgebung oder der Markteintritt eines neuen Konkurrenten in die Risikobetrachtung ein.
  • Risikoanalyse:
  • Ziel dieser Analyse ist es, herauszufinden, wie hoch der Schaden für das Unternehmen sein kann. Zum Beispiel muss hier die Vertriebsabteilung analysieren, wie stark der Umsatz sinken könnte, falls ein Konkurrenzprodukt auf den Markt kommt. Hinzu kommt eine Berechnung, wie wahrscheinlich solch ein neues Konkurrenzprodukt ist.
  • Risikobewältigung:
  • In dieser Phase muss das Unternehmen entscheiden, wie es mit den erkannten Risiken umgehen will. Was tun, wenn ein Mitbewerber ein Konkurrenzprodukt auf den Markt bringt? Vielleicht den eigenen Marktanteil ausbauen? Oder darauf hoffen, dass das neuen Produkt nicht am Markt besteht?
  • Risikokontrolle
  • Hier werden die identifizierten Risiken im Berichtswesen dokumentiert, damit die Geschäftsführung jederzeit informiert ist.

„Die Erfahrung zeigt, dass ein solches Risikomanagement-Projekt laufend fortentwickelt werden muss“, sagt Jan Offerhaus. „Nur die permanente Weiterentwicklung des Risikomanagements gewährleistet, dass die Unternehmensrisiken effektiv gesteuert werden und die Unternehmenszukunft sicherer gestaltet werden können.“

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