Finanzen + Vorsorge Der wahre Zins

Mezzanine-Anbieter buhlen mit niedrigen Zinsen um neue Kunden. Doch am Ende wird es teurer.

Die Lücke zwischen Lehrbuch und Werbung überrascht selbst
eingefleischte Profis: Während einschlägige Bücher bei
Genussrechten, Nachrangdarlehen oder stillen Beteiligungen
auf Kapitalkosten von zwölf bis 15 Prozent verweisen, machen
Banken Angebote ähnlicher Art mit Zinsen von teils unter sechs
Prozent.

Mezzanine-Kapital, so heißt die Botschaft, vereint nicht nur die
Vorteile von Kreditfinanzierungen und Eigenkapital es kann
auch noch mit dem Preis klassischer Darlehen mithalten.
Doch wer bei Mezzanine-Produkten nur auf die laufenden
Zinskosten schielt, lässt wichtige Ausgaben außer Acht: So
können Prüfgebühren, erfolgsabhängige Zuschläge und
Honorare für Anwälte die verlockenden Offerten gleich um
mehrere Prozentpunkte verteuern.

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Weil die Verträge meist sieben Jahre lang Bestand haben,
entstehen daraus schnell fünfstellige Zusatzkosten. Wer die
Gesamtbelastung kalkulieren will, muss sich durch ein wahres
Kosten­dickicht schlagen. Zudem bleiben immer einige
Variablen offen: zum Beispiel Zinsaufschläge, die sich an das
Unternehmensrating anpassen, oder Bonuszahlungen bei
besonders hohen Gewinnen.

Umso wichtiger ist es, sämtliche Kostenfaktoren unter die Lupe
zu nehmen, die offenkundigen wie die versteckten: „Der reine
Nominalzins, mit dem viele Anbieter werben, ist für einen
Preisvergleich ungeeignet“, warnt Michael Föcking von der EQT
Beteiligungsberatung. Er verwaltet selbst einen 200 Millionen
Euro schweren Mezzanine-Fonds für Unternehmen und rät
Firmenchefs: „Sie sollten alle Kosten während der gesamten
Laufzeit addieren, damit Sie wissen, welche Belastung auf Sie
zukommt.“ So ergibt sich dann der volle Ausgabenblock.

Wer sich auf Zinseszinsberechnungen versteht, kann daraus
noch einen jährlichen Effektivzins abschätzen. Erst damit lässt
sich sagen, wie sich die Mezzanine-Finanzierung tatsächlich
gegenüber dem klassischen Kredit schlägt .

Nach der Methode „Aufaddieren und auf das Jahr
umrechnen“ hat auch Walter Müller die Finanzierung seiner
jüngsten Akquisition kalkuliert. Der Chef der Schokoladenfabrik
Wawi aus dem pfälzischen Münchweiler übernahm zu
Jahresanfang die Marken- und Vertriebsrechte von Nappo und
Moritz Eiskonfekt. Für die Expansion nutzte er unter anderem
drei Millionen Euro aus dem Mezzanine-Programm »Preps« der
Hypovereinsbank (HVB). Die Bank gilt als Vorreiterin auf dem
Markt für standardisierte Mezzanine-Programme, mit denen
kleinere Unternehmen günstig an eigenkapitalnahe Mittel
kommen sollen.

Ganz so preiswert wie im Prospekt sind die Gelder aber nicht:
Zum fixen Zins, den die HVB derzeit ab 6,8 Prozent pro Jahr
bewirbt, muss Wawi-Chef Müller vor allem jährliche Rating-
Kosten addieren – immerhin ein fünfstelliger Betrag. Freilich
nutzt ihm das Rating auch bei anderer Gelegenheit, etwa bei
Kreditverhandlungen. Ganz ohne Gegenleistung kassierte die
Bank, wie viele andere Anbieter auch, zudem noch eine
Provision. So gehen vier Prozent der Kapitalsumme verloren:
„Allein dieses Disagio verteuert den jährlich zu zahlenden Zins
kalkulatorisch um rund 0,5 Prozentpunkte“, weiß Müller.

Per Saldo kostet ihn das Mezzanine-Produkt jetzt rund acht
Prozent Zins – das ist immer noch günstig, aber fast ein Fünftel
mehr als die HVB anpreist. Den Erfolgsaufschlag noch nicht
mitgerechnet.

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