Finanzen + Vorsorge Die Ruhe nach dem Sturm nutzen

Die Finanzkrise steckt den Anlegern noch in den Knochen. Dabei gibt es gerade jetzt eine Reihe interessanter Möglichkeiten für lohnende Investments.

Es ist gerade einmal sechs Monate her, da schien der Euro am Ende. Viele Experten befürchteten das Auseinanderbrechen der Währungsunion und dramatische Folgen für das Weltfinanzsystem. Investoren stürzten sich auf Gold als letzte Zuflucht und trieben den Preis dieses Angstbarometers auf den historischen Höchststand von mehr als 1900 Dollar je Feinunze. Zugleich brach der deutsche Aktienindex DAX um 35 Prozent ein und fiel unter 5000 Punkte.

Mittlerweile haben die Gemüter sich wieder deutlich beruhigt: Der Deutsche Aktienindex hat zwischendurch mal die 7000-Punkte-Hürde genommen, viele Unternehmen verbuchten für das vergangene Jahr Rekordgewinne. Der Goldpreis gab etwas nach und notierte Ende April 2012 bei 1632 Dollar. Die Angst, so scheint es, schwindet.

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Gefahr der Blasenbildung

Eine wesentliche Ursache dafür ist die Liquidität, mit der die Europäische Zentralbank den Markt versorgt hat. Vor allem die beiden Dreijahrestender, die diese im Dezember 2011 und im Februar 2012 auflegte, haben die Märkte beruhigt. Banken konnten sich für drei Jahre Geld leihen zum Zinssatz von einem Prozent. Aber nicht nur das. „Wir haben gerade im ersten Quartal dieses Jahres auch Konjunkturdaten gesehen, die mehrheitlich positiv überrascht haben“, sagt Carsten Klude, Chef-Volkswirt der Hamburger Privatbank M.M. Warburg.

Solche Daten tragen dazu bei, ein gutes Umfeld für Aktien zu schaffen. Dabei hilft auch eine klassische Börsenregel: „Die Märkte reagieren auf eine Veränderung des Weltwirtschaftswachstums in der Regel mit einem Vorlauf von neun bis zwölf Monaten,“ sagt Gottfried Urban von der Neuen Vermögen in Traunstein. Sinkt das Wachstum, fallen die Aktienkurse. Floriert die Wirtschaft, gibt es auch an der Börse eine Hausse. Der derzeitige Rückgang des globalen Wachstums – der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für 2012 nur eine Zuwachsrate von 3,3 Prozent nach 3,8 Prozent 2011 – dürfte also von den Märkten bereits verarbeitet sein.

Was jetzt zählt, ist demnach die Entwicklung im kommenden Jahr. Doch da sind die Experten des IWF optimistisch. Sie gehen von einer Beschleunigung des Wachstums auf 3,9 Prozent aus. „Das ist gut für die Firmen, die insgesamt besser verdienen werden“, erklärt Urban. Dazu kommt, dass von der Zinsseite aktuell keine Gefahr für die Kurse von Dividendentiteln ausgeht. Denn steigen die Zinsen, werden die enormen Staatsschulden, die viele Industriestaaten angehäuft haben, kaum zu finanzieren sein. „Genau aus diesem Grund kommt derzeit das Mittel der finanziellen Repression zum Einsatz“, sagt Urban. Dazu zählen einerseits die historisch niedrigen Leitzinsen, die die kurzfristigen Zinssätze niedrig halten. Andererseits kaufen die Zentralbanken massiv Staatsanleihen. So werden die Kurse der Bonds gestützt und die Renditen gedrückt. Dass sich diese Politik auf kurze Sicht ändert, erscheint unwahrscheinlich. So hat die amerikanische Notenbank bereits angekündigt hat, ihren Kurs der lockeren Geldpolitik zumindest bis 2014 beizubehalten.

Das bedeutet zwar, dass als sicher geltende Bonds wie Bundespapiere und Anlagen wie Tagesgeld in nächster Zeit kaum attraktiv sein dürften. Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren brachten Ende April gerade mal 1,7 Prozent Rendite. Laut dem Frühjahrsgutachten der deutschen Forschungsinstitute dürfte die Teuerungsrate in diesem Jahr aber bei 2,3 Prozent liegen. Nach Abzug der Inflation verlieren Investoren mit dieser Anlage also Geld.

Doch sind niedrige Zinsen auch positiv für die Aktienmärkte, die zudem noch nicht zu hoch bewertet sind. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des DAX liegt derzeit gerade bei rund zehn – im historischen Durchschnitt beträgt es 14 bis 15. Außerdem sind viele Unternehmen in den vergangenen Jahren finanziell solider geworden und haben ihre Bilanzen zum Teil deutlich verbessert. „Wer am Aktienmarkt genau hinsieht, findet dort viele finanziell gut aufgestellte Qualitätsunternehmen, die von der zunehmenden Dynamik der Weltwirtschaft profitieren dürften“, sagt Urban.

Gibt es also grünes Licht für Aktien? „Auch wenn das grundsätzliche Umfeld positiv ist, sollten Anleger doch mit weiterhin heftigen Kursausschlägen, auch nach unten, rechnen“, warnt Klude. Kein Wunder, schließlich sind die Probleme, die die Märkte in den vergangenen Monaten in Atem gehalten haben, noch nicht beseitigt. Das gilt vor allem für die Staatsschuldenkrise im Euro-Raum. „Die Ungleichgewichte in der volkswirtschaftlichen Entwicklung, die ein Auslöser dieser Krise sind, haben in den vergangenen Jahren zugenommen, und die Schere geht derzeit auch eher noch weiter auseinander“, sagt der Ökonom.

Dazu kommen der hohe Ölpreis, der die Erholung der globalen Konjunktur gefährden könnte, und die Sorge um die sehr expansive Geldpolitik der Notenbanken. Letztere könnte zu einer Gefahr für die Preisstabilität werden. „Die Probleme werden allein durch Zuführung von Liquidität ja nicht gelöst“, erklärt Klude. Es könne aber zu Fehlallokationen von Kapital, also zu einer Blasenbildung bei Vermögenswerten, kommen. Genau das scheint in Ansätzen schon sichtbar zu sein. So spiegele der Kursanstieg beim DAX laut Klude nicht allein die fundamentale Entwicklung wider – er sei zumindest teilweise auch durch Liquidität getrieben.

Aber auch im Immobiliensektor, wo gerade in einigen deutschen Ballungszentren die Preise rapide gestiegen sind, oder am Rohstoffmarkt sind ähnliche Entwicklungen zu beobachten. Eine solche Asset-Price-Inflation kann ebenso schmerzhafte Folgen haben wie eine Inflation bei Konsumgütern. Es ist daher kein Zufall, dass Sachwerte eines der Schwerpunktthemen der Anlegermesse Invest waren, die vom 27. bis zum 29. April in Stuttgart stattfand. „Wir haben damit auf das gesteigerte Anlegerinteresse an Sachwerten reagiert“, sagt Gerd Fleischer, Sprecher der Messe Stuttgart. „Besucher konnten sich im Rahmen von Vorträgen, Veranstaltungen und an den Messeständen von insgesamt 180 Ausstellern über Sachwerte wie Immobilien, Gold oder Unternehmensbeteiligungen, aber auch über andere Anlageklassen informieren.“

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