Finanzen + Vorsorge Eike Batista – Der Mann, der 29 Milliarden Dollar verbrannte

Eike Batista auf einer Konferenz in Beverly Hills, Kalifornien.

Eike Batista auf einer Konferenz in Beverly Hills, Kalifornien.© Getty Images

Kein anderer deutscher Unternehmer hat auf globaler Bühne so für Furore gesorgt: Eike Batista sah sich auf dem Weg zum reichsten Mann der Welt, doch dann folgt ein beispielloser Absturz. In Rekordzeit verliert sein Wirtschaftsimperium an Wert. Jetzt streicht "Forbes" den Deutschbrasilianer sogar von der Milliardärs-Liste.

So weit nach oben wie er hatte es noch nie ein Selfmade-Unternehmer mit deutschen Wurzeln geschafft. Mit 30 Milliarden Dollar Vermögen stand Eike Batista noch vor 18 Monaten auf Platz 7 der berühmten Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt, nicht weit weg von Bill Gates oder Warren Buffett. Nur zum Vergleich: SAP-Gründer Hasso Plattner liegt aktuell auf Platz 122, Schraubenpatriarch Reinhold Würth auf Rang 198. Und Batista wollte noch viel höher hinaus. Der Sohn einer Deutschen und eines Brasilianers beherrschte ein südamerikanisches Imperium aus Energie-, Bergbau-, Logistik- und Rohstoffkonzernen, das ihn stündlich reicher zu machen schien.

Batista hatte es sich genau ausgerechnet und war sich sicher: Er kann reichster Mann der Welt werden und die Nummer 1, den Mexikaner Carlos Slim, vom Thron stoßen. „Ich weiß noch nicht, ob ich ihn rechts oder links überholen werde, aber ich werde ihn bis 2015 überholen, das steht fest“, sagte Batista damals. Es gab nicht wenige Beobachter, die das durchaus für plausibel hielten. Der Energiekonzern Eon etwa beteiligte sich mit 350 Millionen Euro an Batistas Firma MPX und erhielt dafür zehn Prozent der Anteile. Gemeinsam schmiedete man Investitionspläne in Höhe von acht Milliarden Euro. Mit steigenden Rohstoffpreisen und einer boomenden brasilianischen Wirtschaft konnte es schließlich nur weiter nach oben gehen für Batista und seine Konzerne. Doch es kam anders.

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Anfang des Jahres fiel Batista erst aus den Top 100 der reichsten Menschen der Welt, gestern Abend dann teilte Forbes mit: Der Milliardär ist keiner mehr. Batistas Vermögen sei innerhalb von 18 Monaten von 30 Milliarden Dollar auf 900 Millionen Dollar geschrumpft. Am Freitag waren die Börsenkurse seiner vier wichtigsten Unternehmen abermals gefallen und hatten Batistas Vermögen damit unter die 1-Milliarde-Dollar-Grenze gedrückt. Der Öl- und Gaskonzern OGX rauschte allein letzte Woche um 63 Prozent nach unten.

Der „Absturz des Supermilliardärs“ („Deutsche Welle“) hat mehrere Gründe: Der Erfolg seiner Unternehmen war eng mit dem Boom Brasiliens und den hohen Rohstoffpreisen verknüpft. So wie Batista mit Brasilien im Wachstumsfahrstuhl nach oben fuhr, leidet er jetzt unter der Schwächephase des Landes, das gerade eine soziale und wirtschaftliche Zerreißprobe bewältigen muss. Zudem sind seine Unternehmen überschuldet, zu lange haben sie hohe Anlaufkosten verschlungen. MPX wird inzwischen von Eon gesteuert; auch den Chefposten beim Logistikarm seines Reiches hat Batista aufgegeben. Ausschlaggebend für den Niedergang war auch, dass Batistas Ölfirma OGX seine Produktionsvorgaben nicht erreichte und so auch der Geldfluss versiegte.

Die vielen Börsengänge seiner Unternehmen bereute der Unternehmer bereits vor Monaten. „Wie kein anderer frage ich mich, was ich falsch gemacht habe“, schrieb der Unternehmer in einem Gastbeitrag für eine brasilianische Zeitung. „Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich mich nicht noch einmal für die Börse entscheiden.“

Seinen Aufstieg begann Batista als Studienabbrecher der RWTH Aachen: „Ich habe zwei Jahre Ingenieurwissenschaften studiert, hatte die Nase voll, wollte ein bisschen Geld machen und bin nach Brasilien“, erzählte der Seriengründer der Financial Times Deutschland. Er begann mit einer Goldmine, die ihn zum Millionär machte, es folgte eine groß angelegte Jagd auf solche Ressourcen, die teils besonders schwer abzubauen waren – so dass sich andere Investoren gar nicht erst daran wagten. Mit steigenden Rohstoffpreisen schien sich das Risiko auszuzahlen. Batista kaufte eine Kohlemine in Kolumbien, baute Häfen, und schmiedete immer weiter Pläne für immer größer werdende Bauvorhaben.

Batista hat viel riskiert, viel gewonnen und viel verloren. Jetzt steht er – zunächst – vor einem Scherbenhaufen. Eike Batista macht sich ans Aufräumen. Er könnte, wie das Forbes-Magazin anmerkt, sich auf einen Bankrott einlassen, damit Zeit kaufen und Verhandlungsspielraum für einen Schuldenerlass durch die Gläubiger gewinnen. Doch Batista kündigt an, zu all seinen Schulden zu stehen. „Ich werden keinen Penny meiner Schulden unbezahlt lassen.“

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