Finanzen + Vorsorge Energiesparern läuft die Zeit davon

Die besten Zeiten, sich preiswert gut gedämmte Fenster anzuschaffen oder die stromfressende Nachtspeicherheizung loszuwerden, neigen sich dem Ende zu. Die staatliche Förderbank KfW verschärft zum 1. Juli ihre Förderstandards für das klimafreundliche Sanieren und Bauen.

Außerdem hat die Bundesregierung angekündigt, im kommenden Jahr bei den Subventionen für ökologisches Wohnen den Rotstift anzusetzen: Die Zuschüsse für das bei Bauherren und Wohnungseigentümern beliebte Programm sollen 2011 halbiert werden.

Bauherren müssen künftig auf die weniger klimafreundlichen Förderstufen KfW-130 für Sanierungen und KfW-85 für neue Häuser verzichten. „Wer die Förderung in Anspruch nehmen will, muss noch mehr Energie einsparen“, sagt ein Sprecher der Förderbank.

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Die KfW passt mit den Änderungen ihre Programme an die Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009 an. Neubauten müssen künftig 30 Prozent weniger Energie verbrauchen als bislang zulässig. Ein Standardeinfamilienhaus darf statt 100 dann lediglich 70 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr verbrauchen. „Das entspricht einem Bedarf von ungefähr sieben Litern Heizöl pro Quadratmeter und Jahr“, sagt Mike Verhoeven, Energieexperte der Prüfgesellschaft Dekra Real Estate. Auch für Sanierungen wie gut isolierende Fenster gilt das Energiesparziel von 30 Prozent.

Wegen der Rezession hatte die KfW mit den schärferen Förderstandards gewartet – obwohl das neue Gesetz bereits seit Oktober 2009 gilt. Allein im ersten Quartal dieses Jahres unterstützte die Bank daraufhin knapp 370.000 Bauherren. Im gesamten Vorjahr waren es nicht mal doppelt so viele gewesen.

Die KfW rechnet trotz der Verschärfung mit großer Nachfrage. „Das, was bei der Energieeffizienz vor drei Jahren noch neu war, ist heute Standard“, sagt der KfW-Sprecher. Fenster, Heizungsanlagen und Baumaterialien seien bereits klimaschonend. „Die technischen Standards zum Bau eines Passivhauses werden zukünftig ein Maß erreichen, das für viele erschwinglich wird“, sagt Dekra-Experte Verhoeven.

Interessierte beantragen die Kredite über ihre Hausbank. Um die Förderung zu bekommen, müssen Neubauten zumindest den Standard eines KfW-Effizienzhauses 70 oder 55 erfüllen, das heißt, dass der Verbrauch nur bei 70 oder 55 Prozent der gesetzlichen Grenzwerte liegt. Je besser die Energiebilanz ist, desto günstiger sind die Kredite. Die neue Variante KfW-40 lohnt sich am meisten, die Eingangsförderung KfW-85 fällt weg. Ab 1. Juli können Bauherren zusätzlich auch Tilgungszuschüsse beantragen, die bis zu zehn Prozent der Darlehenssumme ausmachen.

Wer ein bestehendes Gebäude saniert, kann Förderstandards von Stufe 115 bis zu den neu eingeführten Niveaus 70 und 55 wählen. Dafür fällt der Standard KfW-130 weg: Senken neue Fenster den Energieverbrauch nur von beispielsweise 200 auf 130 Prozent der gültigen Norm für Neubauten, wird das nicht mehr subventioniert. Außerdem steigen die Zinsen ab Juli: Je nach Darlehenskondition zahlen Bauherren 1,8 bis 3,1 Prozent, vorher waren es 1,1 bis 2,8 Prozent.

Für Sanierungen vergibt die KfW Kredite bis zu 75.000 Euro und Tilgungszuschüsse bis 12,5 Prozent. Privatpersonen können auch direkte Investitionszuschüsse fordern. Wer sich auf dem Bau von einem Energieberater helfen lässt, kann sich die Hälfte der Kosten, höchstens aber 2000 Euro, von der KfW zurückholen. Ab Stufe 55 verlangt die Bank ab Juli sogar den Einsatz eines sachkundigen Beraters.

Kritik an den verschärften KfW-Standards gibt es kaum. Die geplante Kürzung der Bundeszuschüsse ruft jedoch Unternehmer und Energieexperten auf den Plan. Sie befürchten weniger CO2-Einsparungen und den Verlust von Arbeitsplätzen. 2011 will der Bund statt 900 Millionen Euro nur etwa 450 Millionen Euro zuschießen. Für Bauminister Peter Ramsauer ist das nur konsequent, schließlich war das Geld Teil des Konjunkturprogramms, das nun langsam auslaufe. Wer künftig seine Nachtspeicherheizung ersetzt, tut das also, um die Umwelt zu retten – und nicht die Konjunktur.

CO2-Sparbüchsen

Dichtere Häuser
75 Prozent der deutschen Wohneinheiten wurden vor 1978 erbaut. Sie verbrauchen im Schnitt 225 Kilowattstunden Energie pro Quadratmeter und Jahr – ein neues Einfamilienhaus muss mit 70 Kilowattstunden auskommen. Die KfW gewährte 2009 Kredite und Zuschüsse in Höhe von 8,9 Milliarden Euro für 620.000 Sanierungen und Neubauten.

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