Finanzen + Vorsorge Erst vergleichen, dann anlegen

Die Wirtschaft erholt sich, viele Mittelständler haben wieder Geld übrig. Bevor sie es zur Bank tragen, sollten sie die Angebote prüfen - und hart verhandeln.

Es gibt wieder was zu verteilen. Viele deutsche Mittelständler haben nicht nur volle Auftragsbücher, gut die Hälfte hat auch Cash übrig. Durchschnittlich 100.000 Euro können Firmeninhaber pro Jahr anlegen, wie eine Umfrage der Bielefelder Fachhochschule des Mittelstands (FHM) unter 4000 Unternehmern ergeben hat. Die erwarten von einer Anlage an erster Stelle Sicherheit. Mit deutlichem Abstand folgen hohe Verzinsung und stabile Erträge.

Am beliebtesten sind nach wie vor die Anlageformen Tages- und Festgeldkonten, einfach zu handhaben und fast risikolos. Allerdings stammen die Renditevorstellungen oft noch aus den Zeiten vor der Krise, als die Zinsen Rekordmarken erreichten. Im Schnitt erwarteten die von der FHM befragten Mittelständler 5,24 Prozent. Das ist weit entfernt von dem, was Banken tatsächlich bieten.

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Wer wissen will, was heute drin ist, sollte auf keinen Fall nur mit seiner Hausbank sprechen. Die Höhe der Zinsen für Tages- und Festgeld unterscheidet sich von Bank zu Bank deutlich. „Unternehmer sollten nie das erstbeste Angebot wahrnehmen“, sagt Volker Wittberg, FHM-Professor für Mittelstandsmanagement. Zumal die Zinserträge durch Steuern noch geschmälert werden. Im schlechtesten Fall gleicht die Rendite nicht einmal die Inflationsrate aus.

Die Zinsen für Tagesgeld variieren aktuell zwischen 0,25 und 1,25 Prozent, hat Max Herbst, Inhaber der unabhängigen Finanzberatung FMH, recherchiert. Die schlechtesten Konditionen bietet nach seinen Analysen derzeit die Direktbank Cronbank. Am meisten zu holen ist bei der Umweltbank (siehe Tabelle), die ausschließlich in ökologische Projekte wie Windkraft- oder Solaranlagen investiert. Allerdings gehört diese Bank nicht dem Einlagensicherungsfonds an. Der übernimmt das Risiko für Anlagen wie Termingelder, wenn Banken pleitegehen. Banken, die dem Fonds nicht angehören, müssen sich bei Instituten absichern. Diese stehen allerdings nur bis zu einer festgelegten Höhe für Verluste ein. Bis Ende dieses Jahres sind das 50.000 Euro, ab Januar 2011 erhöht sich die Summe auf 100.000 Euro.

Wer langfristig planen kann, überweist sein Geld besser auf ein Festgeldkonto. Dabei bemisst sich der Zinssatz nach Höhe der Anlagesumme und der vereinbarten Laufzeit. Aktuell bringt das nicht unbedingt mehr als Tagesgeld. Dafür bleibt der Zinssatz auch dann bestehen, wenn die Tageszinsen wieder fallen. Einige Banken schließen allerdings nur Einlagengeschäfte mit Klienten, die bereits ein Geschäftskonto bei ihnen unterhalten. Und die Zinssätze, mit denen Banken für ihre Festgeldanlagen werben, sind oft Lockangebote. Viele Verträge sehen vor, dass die Zinsen nach sechs Monaten gesenkt werden. Teilweise legen die Institute auch einen Höchstbetrag für die Zinserträge fest. Für Beträge, die die Summe überschreiten, wird der Zinssatz gesenkt.

Von Jetzt auf Gleich – Tagesgeldzinsen
Viel ist nicht drin – aber immer noch besser als gar nichts
Anbieter Produktname Zinssatz p.A. Konditionen
Umweltbank Umweltplus-
konto
1,25 % im Insolvenzfall nur gesetzliche Einlagensicherung (maximal 50.000 Euro, ab Januar 2011: 100.000 Euro)
Audi Bank direct Plus Konto Business 1 % volle Einlagensicherung
Degussa Bank Firmen-Parkkonto 1 % volle Einlagensicherung; Höchstbetrag: 2 Mio. Euro; darüber hinausgehende Einlagen werden mit 0,55 % verzinst
Volkswagen Bank direct Plus Konto Business 1 % wie Audi Bank
MBS direkt Extrazins-Firmenkonto 0,8 % volle Einlagensicherung; Anlage mind. 5000 Euro; Einlagen über 5 Mio. Euro werden mit 0,5 % verzinst

Quelle: FMH-Finanzberatung, Stand: 15.11.2010

Auch beim Festgeld lohnt es sich zu vergleichen. So bekommen Unternehmer, die 10.000 Euro über ein Jahr auf einem Postbank-Festgeldkonto parken, derzeit 0,85 Prozent Zinsen, bei der Unicredit-Tochter HypoVereinsbank gibt es 1,3 Prozent. Alle Angebote für Firmenkunden gegenüberzustellen ist nicht möglich, da viele Banken keine pauschalen Zinssätze nennen. Die Commerzbank berichtet lieber von ihrer „Philosophie, dass die Verzinsung von Anlagegeldern unter Würdigung des Gesamtengagements des Kunden individuell ausgehandelt wird“. Im Klartext: alles Verhandlungssache.

Ein guter Richtwert in solchen Verhandlungen ist die Höhe des Zwölf-Monats-Euribor, sagt Finanzberater Herbst. Das ist der Zinssatz, zu dem Banken sich untereinander für ein Jahr Geld verleihen. Derzeit liegt der Euribor bei 1,54 Prozent. „Mindestens ebenso hohe Zinsen sollten Unternehmen verlangen“, sagt Herbst. Noch besser sei es, ein Angebot der Konkurrenz dabeizuhaben: „Bietet die bessere Konditionen, ziehen viele Banken nach.“

Kunden, die viel Geld festlegen, starten aus einer besseren Verhandlungsposition als Anleger niedriger Summen. Doch dieser Vorteil wird oft vertan, weil viele Mittelständler ihre liquiden Mittel streuen. „Sie vertun damit die Chance, als Großkunde aufzutreten“, sagt Peter Bartels, Vorstandsmitglied der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers. Vielleicht sei die Finanzkrise schuld, dass Unternehmer nicht ihr gesamtes Bargeld einer Bank anvertrauen wollten, vermutet Finanzberater Herbst: „Aber wer sein Geld verteilt, macht sich nirgendwo einen Namen. Das schwächt die Verhandlungsposition.“

Höhere Renditen als Fest- und Tagesgeldkonten versprechen Geldmarktfonds. Diese investieren in kurz laufende Wertpapiere mit festem Zinssatz. Wollen Unternehmer unbedingt bei ihrer Hausbank bleiben, sind Geldmarktfonds manchmal die einzige Möglichkeit, Geld kurzfristig anzulegen.

Nicht alle Banken bieten eigene Tagesgeldkonten für Geschäftskunden an. Geldmarktfonds gelten als ähnlich risikolos wie Termingeld. Deren Manager sollten nur in vertrauenswürdige Papiere sicherer Emittenten wie Pfandbriefe oder Bundesschatzbriefe investieren. Eine Garantie, dass die Fondsmanager sich an die Vorgabe halten, gibt es aber nicht.

Wer in Geldmarktfonds anlegt, sollte darum den Vertrag genau darauf überprüfen, wie viel Spielraum der Fondsmanager bei der Wahl der Investments hat. Werner Hedrich, Analyst der Fondsratingagentur Morningstar, rät: „Wenn der Fonds in Anleihen investieren darf, die mit Krediten besichert sind, sollten Anleger diese nicht kaufen.“

Auf die lange Bank – Festgeldzinsen
Referenzgröße des Zinssatzes ist der Euribor – alles, was darunter liegt, ist zu wenig

Anbieter Produktname Zinssatz p.A. Konditionen
Deutsche Bank DB Festzins-
sparen
2,0 %* Mindestanlage 2500 Euro; Anlagedauer sechs Monate bis acht Jahre
Deutsche Skatbank Termingeld 1,4 % Mindestanlage 5000 Euro; Anlagedauer drei bis zwölf Monate
Hypo-
Vereinsbank
HVB Festgeld 1,35 % Mindestanlage 5000 Euro; Anlagedauer 30 Tage bis sieben Jahre; Girokonto bei der HVB notwendig
Postbank Business Festgeld 0,85 % Mindestanlage 5000 Euro; Anlagedauer 90 Tage bis drei Jahre
Volkswagen Bank Festgeld Business 1,4 % Mindestanlage 5000 Euro; Anlagedauer 30 bis 1080 Tage; Tagesgeldkonto bei der Volkswagen Bank notwendig

* zeitlich begrenzte Sonderaktion

Quelle: eigene Recherche, Stand: 15.11.2010

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 12/2010.

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