Finanzen + Vorsorge EU will Übergangsfrist für Sepa-Umstellung verlängern

© Deutsche Bundesbank / Gabriele Guha

Sepa ist ein Riesenprojekt. Überweisungen und Lastschriften sollen europaweit angeglichen werden. Doch ein Großteil der Unternehmen hat noch immer nicht auf das neue System umgestellt. Brüssel zieht deshalb jetzt die Reißleine.

Die EU-Kommission will die Übergangszeit für die Einführung des einheitlichen Überweisungs- und Lastschriftverfahrens SEPA verlängern. Geldtransfers im bisherigen Format wären dann noch bis zum 1. August möglich, teilte die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel mit.

Mit dem Schritt will die EU-Behörde verhindern, dass vom 1. Februar an Zahlungen blockiert werden könnten, die nicht das neue Sepa-Format mit den internationalen IBAN-Kontonummern haben. An diesem bisherigen offiziellen Starttermin will die Kommission aber formal festhalten. Die EU-Finanzminister und das Europaparlament müssen dem Vorschlag noch zustimmen. Termine dafür sind bisher offen.

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„Ich bedaure sehr, dass dies nötig ist“, sagte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier. „Aber dies ist der einzige Weg, wie wir die konkrete Gefahr von Zahlungsunterbrechungen und nachteiligen Folgen für einzelne Verbraucher und insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen bannen können.“ Die Umstellung sei in einigen Ländern noch nicht weit genug fortgeschritten, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Eine weitere Verlängerung über den 1. August hinaus werde es aber nicht geben, betonte Barnier.

Bundesbank warnt seit längerem vor Verzögerungen bei der Sepa-Umstellung

Sepa steht für „Single Euro Payments Area“ – einen einheitlichen Zahlungsraum in Euro. Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen werden künftig standardisiert und gleich abgewickelt – egal ob sie ins Inland oder Ausland gehen. Auslandsüberweisungen sollen schneller ankommen. Der Sepa-Raum besteht aus den 28 EU-Staaten und weiteren europäischen Ländern wie der Schweiz.

Ohne eine verlängerte Übergangsfrist dürfen Banken ab dem 1. Februar 2014 keine Zahlungen mehr bearbeiten, die nicht im SEPA-Format erfolgen. Unternehmen, die noch nicht so weit sind, könnten damit in erhebliche Schwierigkeiten geraten. Eingehende und ausgehende Zahlungen könnten gesperrt werden.

Die Bundesbank hatte bereits mehrfach vor Verzögerungen bei der Sepa-Umstellung gewarnt. Im November 2013 waren nach Angaben der Notenbank in Deutschland erst 32 Prozent aller Überweisungen im Sepa-Format erfolgt.

Einzelhandel begrüßt Verlängerungs-Vorschlag

Der deutsche Einzelhandel begrüßte den Vorschlag der EU-Kommission. „Es war absehbar, dass die Sepa-Einführung bis zum 1. Februar 2014 nicht zu schaffen ist“, erklärte der Handelsverband HDE. Die Unternehmen könnten beim Umstieg auf Sepa nicht auf erprobte Zahlungsprozesse und verlässliche Software zurückgreifen.

Durch eine etwaige Verlängerung der Frist dürften die Anstrengungen zur schnellen Umstellung jetzt aber nicht nachlassen, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums der „Wirtschaftswoche“. Das fordert auch Kommissar Barnier: „Ich habe mehrfach gewarnt, dass die Umstellung zu langsam läuft, und ich rufe die Mitgliedstaaten erneut auf, ihre Verantwortung zu übernehmen und Anstrengungen zu verstärken, auf Sepa umzustellen(…)“.

Mit dpa

Checkliste für Unternehmen: Die wichtigsten Punkte für die Sepa-Umstellung:

Zuständigkeiten klären
Unternehmen sollten einen Sepa-Verantwortlichen ernennen, der einen Überblick über den Stand in den einzelnen Abteilungen hat. Das kann beispielsweise ein kaufmännischer Geschäftsführer sein, der die operative Umsetzung dann an die Buchhaltung delegiert. „Wenig Sinn macht es hingegen, allein einen ITler mit der Umstellung zu beauftragen“, sagt Dirk Braun, Direktor für Cash Management und International Business bei der Commerzbank. „Das ist mehr als eine technische Umstellung, es ändern sich auch Regeln und Zahlungsprozesse.“
Lastschriftverfahren
Unternehmen, die Lastschriften einziehen, müssen bei der Bundesbank eine Gläubiger-ID beantragen. Außerdem müssen sie vor der ersten Abbuchung per Sepa die Kunden über die Umstellung informieren. Zum anderen sind sie nach der Sepa-Umstellung dazu verpflichtet, Änderungen am Lastschrift-Betrag mit 14 Tagen Vorlauf anzukündigen. „Diese Vorlauffrist kann aber über die AGBs geändert werden“, sagt Braun.
Überweisung
Bei Überweisungen müssen oft Kleinigkeiten geändert werden: Beispielsweise lässt das Sepa-Verfahren weniger Platz für Verwendungszwecke, deshalb sollten Firmen die Zeichenzahlen von Textbausteinen prüfen.
Technische Umsetzung
Die Buchhaltungssoftware und die Bankenschnittstelle, also die Software über die das Unternehmen seine Informationen an die Bank übermittelt, müssen Sepa-fähig sein. Die meisten Softwarehersteller bieten Updates für die vorhandenen Programme an. Braun rät, die Anbieter früh danach zu fragen. „Und das Personalsystem darf man nicht vergessen, sonst bekommen die Mitarbeiter kein Geld“, so Braun.Die Daten aller verwendeten Bankverbindungen, von Kunden und Lieferanten beispielsweise, müssen in das neue Format gebracht werden. Sie müssen dafür exportiert werden, danach können die neuen IBAN- und BIC-Nummern ergänzt und die Daten re-importiert werden.„Wir bieten unseren Kunden an, dass sie uns eine Excel-Datei mit den Kontonummern und Bankleitzahlen geben, die wir in IBAN und BIC konvertieren“, sagt Braun. Es lohnt sich also, die Hausbank anzusprechen. Auch wenn das Kreditinstitut hilft, ist der Schritt mit dem Import der ergänzten Daten jedoch noch nicht abgeschlossen: „Zu rund 97 Prozent funktioniert das Verfahren“, sagt Braun. Eine kleine Fehlerquote bleibe jedoch – auch wegen der oft mangelhaften Qualität der Urprungsdaten. Die müsse von Hand korrigiert werden. „Je nach Menge der Kontodaten, können drei Prozent immer noch viel sein.“
Liquiditätsmanagement
Unternehmen, die viel mit Lastschriften arbeiten, müssen ihr Liquiditätsmanagement anpassen. Denn mit Sepa fällt die sogenannte Sichtlastschrift weg. In Deutschland werden Lastschriften sofort von den Banken bearbeitet und meistens am nächsten Tag abgebucht. Nach der Sepa-Umstellung wird die Lastschrift erst mit zwei bis fünf Tagen Verspätung abgebucht. Unternehmen, die immer gleiche Beträge per Lastschrift einziehen – Abo-Modelle beispielsweise – sollten deshalb die Lastschriften zwei bis fünf Tage früher einreichen. Wenn die per Lastschrift abgebuchten Beträge variieren, müssen Unternehmen sich darauf einstellen, dass die Lastschrift nicht mehr so schnell nach Abschluss der Rechnung eingezogen werden kann.
Hilfreiche Links
Die Deutsche Bundesbank hat zum Thema Sepa-Umstellung eine eigene Seite eingerichtet. Darauf finden Unternehmer unter anderem nützliche Informationen zu IBAN und BIC und zur Beantragung der Gläubiger-ID.

 

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