Finanzen + Vorsorge Euro-Einführung stimmt Letten skeptisch

EZB-Chef Mario Draghi und Ilmars Rimsevics, Direktor der lettischen Zentralbank.

EZB-Chef Mario Draghi und Ilmars Rimsevics, Direktor der lettischen Zentralbank. © EZB

Zum Jahreswechsel verabschiedet sich Lettland von seiner Währung. Der Lats ist dann Geschichte - und das Euro-Zeitalter beginnt. In der Bevölkerung ist kaum Begeisterung zu spüren.

Etwas mehr als 100 Tage vor der offiziellen Einführung des Euro in Lettland hat sich EZB-Präsident Mario Draghi auf den Weg nach Riga gemacht. Dort überreichte er am vergangenen Donnerstag den Eurostern als Symbol für den bevorstehenden Beitritt des baltischen Landes zur Eurozone. „Ich freue mich, dass Lettland durch die Euro-Einführung im kommenden Jahr seine Position im Herzen Europas stärkt“, hieß Draghi das 18. Mitglied der Währungsunion willkommen. Doch die Menschen in dem baltischen Land bleiben skeptisch – sie befürchten vor allem steigende Preise nach dem Währungswechsel.

Die Baltenrepublik wird am 1. Januar 2014 seinen Lats gegen den Euro eintauschen. Die EU-Finanzminister hatten dafür im Juli grünes Licht gegeben. Ursprünglich wollte Lettland bereits 2008 den Euro einführen, scheiterte damals aber an der zu hohen Inflation und der angespannten Wirtschaftslage.

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Vom Bankrott-Staat zum Euro-Mitglied
Dass Lettland nun in einer Zeit, in der die Gemeinschaftswährung häufig in einem Atemzug mit der Krise im Euroraum genannt wird, den Euro übernimmt, gilt als politisch willkommenes Zeichen. Die Euro-Mitgliedschaft sei „eine wichtige Errungenschaft für Lettland und die Eurozone“, sagt EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn. Sie zeige, dass stabilitätsorientierte Politik und wirtschaftliche Reformen erfolgreich sein können.

Lettland stand im Sog der weltweiten Finanzkrise Ende 2008 vor dem Staatsbankrott. Mit einem eisernen Spar- und Reformkurs hat Regierungschef Valdis Dombrovskis sein Land fit für den Euro gemacht.
Nur vier Jahre nach dem Beinahe-Kollaps erfüllt Lettland alle Konvergenzkriterien. „Wir sind heute eine der wachstumsstärksten Volkswirtschaften in der EU“, betont Dombrovskis. Trotz eines Wirtschaftswachstums von 5,6 Prozent 2012 gehört Lettland aber neben Bulgarien und Rumänien zu den ärmsten EU-Staaten.

Im Alltag ist wenig Begeisterung über die neue Währung zu spüren. In Umfragen spricht sich mehr als die Hälfte der Bevölkerung gegen den Euro-Beitritt aus – nur etwas mehr ein Drittel der gut zwei Millionen Letten befürworten den Währungswechsel. Neben der Angst vor einem zusätzlichen Anstieg der Preise gilt auch die sentimentale Bindung an den Lats als Grund für die anhaltende Euro-Skepsis.

Die Vorbereitungen laufen dennoch auf Hochtouren. Landesweit zeichnen viele Geschäfte schon jetzt die Preise doppelt aus – ab Oktober müssen alle Preise in Lats und in Euro angegeben werden. Um die Verbrauchersorgen vor dem „Teuro“ zu zerstreuen, überwacht das Wirtschaftsministerium die Preise der 120 gängigsten Produkte und hat eine Kampagne zur fairen Umrechnung von Preisen ins Leben gerufen.

Münzmotive werben für die Währung
Mit einer Informationskampagne wirbt die Regierung für die europäische Gemeinschaftswährung. Und auch das Design der lettischen Ein- und Zwei-Euro-Münzen, die in Baden-Württemberg geprägt werden, dient der Überzeugungsarbeit und Identifikation mit der neuen Währung: Sie sind dem Lats aus der Vorkriegszeit nachempfunden und zeigen eine Lettin in Landestracht.

Mit dem Motiv bekennt sich die kleine Nation, die nach dem Zweiten Weltkrieg mehr als 40 Jahre gezwungen war, der Sowjetunion anzugehören, zu ihren Traditionen und ihrem Verlangen nach Freiheit. Für Dombrovskis ist die Euro-Einführung rund zehn Jahre nach dem EU-Beitritt die volle wirtschaftliche und politische Verankerung Lettlands in Europa.

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