Anzeige EZB lockert Zinsschraube nicht weiter: Leitzins bleibt auf Rekordtief

EZB-Präsident Mario Draghi, hier bei seiner ersten Pressekonferenz Ende 2011.

EZB-Präsident Mario Draghi, hier bei seiner ersten Pressekonferenz Ende 2011.© EZB

Der Euroraum schleppt sich durch die Rezession, die Hoffnung auf ein Anspringen der Konjunktur hat sich wiederholt als voreilig erwiesen. Trotzdem lockert die EZB die Zinsschraube nicht weiter: Das billige Geld kommt in der Wirtschaft der Krisenländer ohnehin kaum an.

Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent. Das beschloss der EZB-Rat nach Angaben der Notenbank am Donnerstag in Frankfurt. Nach der Zinssenkung im Mai und angesichts zuletzt überraschend guter Stimmungsdaten aus vielen Unternehmen der Eurozone hatten die meisten Volkswirte weder eine weitere Senkung des Leitzinses noch zusätzliche Stützungsmaßnahmen erwartet.

Die Konjunktur im Euroraum schwächelt zwar weiter. Die 17 Euroländer stecken inzwischen aber nicht mehr ganz so tief in der Krise, nachdem sich die Rezession im ersten Quartal etwas abschwächte. „Die Wirtschaftslage im Euroraum ist nach wie vor schwierig, aber Anzeichen einer möglichen Stabilisierung sind zu erkennen“, hatte Notenbank-Präsident Mario Draghi Anfang der Woche gesagt. Die EZB gehe nach wie vor davon aus, dass sich die Konjunktur im Verlauf der zweiten Jahreshälfte 2013 allmählich erholen werde.

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Noch billigeres Geld dürfte nach Einschätzung vieler Ökonomen im Kampf gegen die Rezession wenig helfen. Denn der extrem niedrige Zins kommt in der Wirtschaft der Krisenländer nicht in dem Maße an, wie die Währungshüter es sich erhofft haben: Vor allem in Spanien und Italien leiden kleinere Firmen unter hohen Zinsen für Bankkredite.

Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen durch ABS-Papiere

Daher erwarten Ökonomen vorerst keine weitere Lockerung der Geldpolitik. „Wir gehen davon aus, dass die EZB den Leitzins noch für eine Zeit auf dem aktuellen Niveau belassen wird“, prognostizierte etwa die Postbank. Und Christian Schulz von der Berenberg Bank erklärte: „Die EZB kann derzeit nicht viel ausrichten.“

Stattdessen hatte EZB-Präsident Draghi bei der letzten Zinssitzung im Mai die Möglichkeit angesprochen, den Markt für verbriefte Unternehmenskredite (ABS-Papiere) zu beleben. Damit soll die Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen verbessert werden. Jüngste Aussagen ranghoher Notenbanker bremsten aber die Erwartungen. Commerzbank-Experte Michael Schubert rechnet daher nicht so schnell mit einer „spruchreifen Lösung“.

Ökonomen halten es zudem für unwahrscheinlich, dass die EZB von der Möglichkeit Gebrauch machen wird, eine Art Strafgebühr von Banken zu verlangen, die Geld über Nacht bei der EZB parken: indem sie den Einlagenzins unter die Null-Marke senkt. Über diese Möglichkeit, das Kreditgeschäft unter den Banken zu beleben, war zwar zuletzt intensiv diskutiert worden. Der Schritt könnte aber auch unerwünschte Folgen haben, warnt Berenberg-Volkswirt Schulz: „Banken könnten die Last negativer Zinsen an ihre Kunden weiterreichen und die Kreditkosten für Unternehmen und Privatmenschen in die Höhe treiben.“

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