Fuhrpark erneuern Was ist günstiger: Kaufen oder leasen?

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Viele Unternehmer sind unsicher: Auto kaufen oder mieten?

Viele Unternehmer sind unsicher: Auto kaufen oder mieten?© Sergey Nivens - Fotolia.com

Wer neue Wagen für den Fuhrpark anschaffen will, hat die Wahl: Kauf oder Leasing. Aus finanzieller Sicht sprach bisher fast alles fürs Leasing. Doch nun locken die Autobauer mit teils sehr hohen Rabatten. Und wenn etwas für den Erwerb von Fahrzeugen spricht, dann der Preis.

Kleintransporter sind derzeit billig zu haben. Der Ducato von Fiat etwa, ein typisches Auto für Handwerker und Gewerbetreibende, gibt es als Sondermodell „Easy“ gerade zum Kampfreis ab 14.990 Euro netto bei den Händlern. Gewerbliche Kunden genießen damit bis zu 6000 Euro Preisvorteil gegenüber dem Prospektpreis, das sind fast 30 Prozent Rabatt – Nachverhandlungen beim Händler vor Ort noch nicht mal eingerechnet.

Auch die rumänische Renault-Tochter Dacia hat die Preise für den Kleinlieferwagen Dokker Express gesenkt: Statt bisher 7790 Euro kostet der günstigste Wagen seiner Klasse jetzt mit dem kleinsten Motor und ohne Extras seit Juni 2013 nur noch 6990 Euro. Preisvorteil hier: 800 Euro, immerhin gut zehn Prozent. Und selbst Premium-Anbieter versuchen, Gewerbekunden mit Sonderkonditionen ins Autohaus zu locken: So stellt Volkswagen für seinen schicken Transporter Profi-Crafter Mitgliedern verschiedener Handwerksinnungen besonders hohe Preisnachlässe in Aussicht.

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Die Beispiele sind Hinweise auf eine der größten Rabattschlachten, die die Auto-Branche je erlebt hat – und die nach Limousinen und Kombis inzwischen auch typische Gewerbefahrzeuge erfasst hat. „Viele Autobauer kurbeln die Verkäufe derzeit sogar noch mit zusätzlichen Händlerprämien an“, berichtet Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Center Automotive Research, eines Forschungsinstituts an der Universität Essen-Duisburg. Dudenhöffers Institut vergleicht regelmäßig die Preisentwicklungen im Neuwagensektor – und misst dabei die typischen Rabatte, die Kunden erzielen können.

Durch breit angelegte Sonderaktionen konnten Kunden zuletzt um die 13 Prozent beim Autokauf sparen, zeigen Analysen des CAR, manche Sondermodelle gingen sogar 35 Prozent unter Listenpreis weg. Im Höchstfall und wenn es darum geht, noch ein paar Zusatzausstattungen zusätzlich zu bekommen, sind sogar noch höhere Nachlässe drin. „Die Rabatte befinden sich nahe den historischen Höchstständen“, sagt Dudenhöffer. Das beste Verhandlungsargument bringen Barzahler mit. Für sie sind schnell noch ein paar Prozentpunkte extra drin, berichten Experten.

Vieles spricht fürs Leasing

Für Unternehmer, die ihren Fuhrpark erneuern oder erweitern wollen, ist das eine äußerst erfreuliche Nachricht – und der entscheidende Grund, über einen Fahrzeugkauf nachzudenken. Würden keine Rabatte locken, wäre ein Autokauf in jedem Fall bloß zweite Wahl. „Eigentlich stellt sich die Frage Kauf oder Leasing für gewerbliche Kunden gar nicht“, sagt Udo Dewein, Finanzierungsexperte von der Frankfurter Leasecontrol AG. Zu klar überwiegen die Vorteile der Leasingofferten: Planbare und monatlich fixe Kosten. Regelmäßiger Zugriff auf neue Autos. Kein Stress mit dem Verkauf alter Fahrzeuge.

Und dann auch noch die Finanzierung außerhalb der Bilanz: Leasingraten lassen sich als laufende Betriebskosten absetzen, ohne dass die Autos in den Büchern auftauchen. Das schont die Eigenkapitalquote: So kommt ein Unternehmer bei einer Bilanzsumme von 250.000 Euro mit 50.000 Euro bereits auf 20 Prozent Eigenkapital. Schafft er nun aber Autos im Wert von 100.000 Euro auf Kredit an, steigt seine Bilanzsumme auf 350.000 Euro – und die Eigenkapital-Quote schrumpft auf unter 15 Prozent. Das alles bleibt Leasingkunden erspart. Und es macht den Autokauf vergleichsweise unattraktiv.

Wäre da nicht die Sache mit dem Rabatt. Und wer allein darauf schielt, der sollte sich hinsetzen und genau nachrechnen. Ein Beispiel: Ein Mittelklassekombi kostet laut Katalog 30.000 Euro (alles netto). Der Händler macht zwei Angebote: Entweder er gewährt 20 Prozent Rabatt bei Barzahlung sofort. Die Bank verlangt für den dazu nötigen Vier-Jahres-Kredit 4,5 Prozent Zinsen (effektiv).

Alternativ bietet der Händler auch eine 48-Monats-Finanzierung bei seiner Autobank an, für besonders günstige 1,99 Prozent. In diesem Fall gibt es einen Rabatt von 10 Prozent. Die dritte Möglichkeit heißt Leasing. Hier ergibt eine kleine Ausschreibung als günstigsten Preis 349 Euro pro Monat – die Leasinggesellschaft beschafft den Wagen dazu auf eigene Faust. Der Vertrag läuft ebenfalls über vier Jahre und beinhaltet 120.000 Fahrkilometer.

Kredit kann sich trotzdem rechnen

Wer nun bloß auf die Kosten schaut, steht nur vor dieser Entscheidung: Im Fall der Barzahlung verlangt die Bank für den Kredit 546,31 Euro pro Monat oder 26.222,96 Euro insgesamt. Das Händlerangebot mit dem günstigeren Zins ist wegen des geringeren Rabatts für den Kunden fast 1900 Euro teurer: Hier sind 585,41 Euro im Monat fällig, insgesamt 28.099,91 Euro. Erst mit rund 17 Prozent Rabatt auf den Listenpreis würde sich der niedrige Zins der händlereigenen Bank rechnen. Daher ist es meist besser, mit der Hausbank zu finanzieren – und dafür höherer Rabatte auszuhandeln.

Beim Leasing wiederum sind über vier Jahre insgesamt nur 16.752 Euro fällig – das sind fast 9500 Euro weniger als bei der preiswertesten Finanzierung. Dafür gehört einem der Gebrauchtwagen danach aber auch nicht. Heißt: Wer den Kombi nach vier Jahren ohne Mühe für rund 9500 Euro verkauft bekommt, fährt mit der Kreditfinanzierung besser – jedenfalls ohne Beachtung der unterschiedlichen Steuern und Bilanzeffekte, und ohne die Kosten des Verkaufs. Oder – und auch das zieht sicher mancher in Betracht – man fährt den Wagen einfach noch ein bisschen länger. Das wiederum geht nur mit dem Gekauften.

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