Finanzen + Vorsorge Firmen müssen steigende Zinsen stemmen

Die Unternehmen müssen sich auf steigende Refinanzierungskosten einstellen. In der Folge klettern Renditen von Unternehmensanleihen mit guter Bonität.

„Die Irland-Krise hat die Akteure am Kapitalmarkt zunehmend verunsichert, das schlägt über die Zinskosten auch bei der Refinanzierung von Unternehmen zu Buche“, sagt Martin Wagenknecht, der bei der Société Générale für die Platzierung von Unternehmensanleihen im deutschsprachigen Raum zuständig ist.

Dabei spüren die Firmen das gestiegene Zinsniveau am Kapitalmarkt schon heute: Seit Ende August sind die Renditen für sichere Staatspapiere wie deutsche Bundesanleihen merklich gestiegen. Hintergrund sind unter anderem auch die Sorgen, Deutschland könnte weit höhere Lasten aus der Euro-Schuldenkrise tragen als zunächst angenommen.

Anzeige

Mit den Bundesrenditen ist auch der sogenannte Swap-Satz drastisch gestiegen – in kürzester Zeit kletterte der Wert von 2,68 auf zuletzt 3,3 Prozent. Dieser Interbankensatz ist Grundlage für die Preisbildung von Schuldtiteln wie Banken- und Unternehmensanleihen.

Nach Daten der Unicredit mussten die besser bewerteten europäischen Unternehmen Ende August für Anleihen bis zur Endfälligkeit im Durchschnitt 2,74 Prozent Zinsen bieten, so wenig wie nie in diesem Jahr. Seither ist der Wert auf 3,34 Prozent geklettert. „Der Anstieg ist zum größten Teil auf das gestiegene Zinsniveau der Staatspapiere zurückzuführen“, sagt Sven Kreitmair, Analyst der Unicredit in München. „Auch wenn nunmehr klar wird, dass die Refinanzierungskosten für die Unternehmen anziehen, so sind wir doch immer noch auf einem historisch gesehen niedrigem Niveau“, sagt Jochen Korb, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg.

Aber nicht nur für die Unternehmen trübt sich die Lage am Kapitalmarkt ein: Da steigende Zinsen die Kurse drücken, werden Anleger aus Anleihen kaum noch so viel Profit schlagen können wie in den vergangenen zwei Jahren. Während im Ausnahmejahr 2009 mit Anleihen besserer Bonität 16,2 Prozent zu holen waren, so sind es in diesem Jahr bislang nur noch 4,5 Prozent, zeigen iBoxx-Daten. „Im kommenden Jahr wird es noch deutlich weniger sein“, sagt Unicredit-Analyst Sven Kreitmair. Unter Kursverlusten leiden besonders Investoren, die die Papiere nicht von vornherein bis zur Endfälligkeit halten wollen. Zu den Profiteuren zählen höchstens Anleger, die frisches Geld investieren: Ihnen kommen die etwas höheren Zinskupons zugute.

„Wir rechnen für 2011 mit gut sieben Prozent“

Kurspotenzial wittern Beobachter vor allem noch bei riskanteren Papieren mit einem schlechteren Rating als „BBB“. Am US-Markt hat sich diese Entwicklung bereits in den vergangenen Wochen abgezeichnet. Seit Anfang Dezember konnten Anleger mit den sogenannten Ramschanleihen noch 0,8 Prozent hinzugewinnen. Mit US-Staatsanleihen hätten sie im gleichen Zeitraum dagegen 1,9 Prozent verloren, und Papiere besser bewerteter Unternehmen gaben gemessen an Indizes der Bank of America Merrill Lynch 1,5 Prozent nach. Der Renditeabstand zwischen Ramschpapieren und besser bewerteten Anleihen ist inzwischen auf 3,88 Prozentpunkte geschrumpft – und damit so gering wie seit drei Jahren nicht mehr.

Auch die weiterhin sinkenden Ausfallraten von Unternehmen sprechen tendenziell für Papiere aus der Ramschklasse. Zumal die Erträge attraktiv erscheinen. „Wir rechnen für 2011 mit gut sieben Prozent“, so Michael Schinke, Stratege der WestLB. Er bevorzugt vor allem die besten unter den schlechteren Emittenten, also solche Firmen, die zumindest noch mit einem „BB“ bewertet sind.

Zu den wenigen Gewinnern am Anleihemarkt könnten auch Großkonzerne aus den krisengebeutelten Staaten der Euro-Peripherie gehören. Solide aufgestellte Unternehmen konnten zuletzt nämlich immer wieder von der Verunsicherung um die Staatsanleihen ihrer Heimatländer profitieren. Jüngstes Beispiel ist die Emission des italienischen Versorgers Eni, dessen Anleihe im November zu einem geringeren Risikoaufschlag an den Markt kam als die vergleichbare Staatsanleihe. Während das neue Papier 90 Basispunkte Aufschlag über dem relevanten Interbankensatz hatte, notierte das italienische Staatspapier 102 Basispunkte darüber. „Das Beispiel zeigt, dass Investoren solide Unternehmenspapiere mittlerweile als sichere Anlagealternative zu den jeweiligen Staatsanleihen aus diesen Ländern sehen“, sagt Wagenknecht.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...