Finanzen + Vorsorge „Firmen ohne Eigenkapital“

Der Entwurf spezieller internationaler Rechnungslegungsregeln für kleine Unternehmen schockiert die Mittelständler. Denn ihnen drohen massive Nachteile.

impulse: Drohen Mittelständler nach dem Entwurf der
neuen Rechnungslegungsvorschriften IFRS SME – den IFRS für
kleine Unternehmen – bald ohne Eigenkapital dazustehen?

Rödl: Ja, für einige Firmen besteht diese Gefahr. Vor
allem die in Deutschland beliebte GmbH & Co KG könnte in der
Tat kein Eigenkapital mehr ausweisen.

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Woran liegt das?

Der Entwurf für Kleinbetriebe sieht vor, dass Eigenkapital nicht
kündbar sein darf. Gesellschafter deutscher
Personengesellschaften haben aber formal immer ein
Kündigungsrecht. Das ignorieren die IFRS SME. Die Folgen sind
fatal. Einlagen würden als Fremdkapital gelten. Selbst die
Gewinnanteile der Kapitalgeber müssten so deklariert werden.
Hier muss ein neue Regel her.

Ist eine IFRS-Fassung extra für kleine Unternehmen
überhaupt notwendig?

Die Full-IFRS für die Kapitalgesellschaften sind ein Moloch. Sie
umfassen 2.400 Seiten mit Einzelfallregeln, die teils
auslegungsbedürftig sind. Eine abgespeckte Version für kleine
Firmen mit nur 240 Seiten ist hilfreich. Trotzdem ist die Version
noch nicht geeignet.

Warum nicht?

Im Zweifelsfall erfolgt ein Rückgriff auf die Full-IFRS, das
konterkariert die Erleichterungen. Zudem ist der Aufwand für
kleine Betriebe noch immer sehr groß. Auch fraglich, ob
Geschäftspartner, die selber die Full-IFRS anwenden, die
reduzierte Version akzeptieren.

Dann wären die IFRS für kleine Unternehmen überflüssig?

Richtig, das kann man so sehen. Der aktuelle Entwurf taugt für
kleine und mittlere deutsche Personengesellschaften nicht. Ich
glaube auch nicht, dass er sich in dieser Form durchsetzen wird.

Was raten Sie also kleineren Mittelständlern?

Die Betriebe sollten sich trotzdem mit dem Thema beschäftigen.
Der internationale Rechnungslegungsstandard IFRS könnte bald
das deutsche HGB ablösen. Mit dem neuen
Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz wird das deutsche HGB jetzt
schon an die IFRS-Standards angeglichen. Auf diese Weise
können sich die kleineren Betriebe an die neue Bilanzwelt
gewöhnen.

Für welche Firmen lohnt jetzt schon ein Umstieg?

Für alle Firmen, die am Kapitalmarkt sind. Außerdem profitieren
Unternehmen mit weltweiten Geschäftsbeziehungen oder
ausländischen Töchtern. Sie können ihre Rechnungslegung
harmonisieren. Dazu lohnt es für Firmen, die Mezzanine-Kapital
einsetzen wollen. Die Vorzüge nutzen Firmen aber nur, wenn
sie direkt die Full-IFRS wählen.

Welche Vorteile haben sie dann?

In der Übergangsphase können sie zwei Handelsbilanzen
erstellen. Über IFRS-Abschluss aktivieren sie Entwicklungs­
kosten und halbfertige Waren zu anteiligen Auftragswerten.
Das stärkt die Position bei Banken, Geschäftspartnern und hilft
beim Rating. Die HGB-Bilanz nehmen sie für alles, was ihnen
weh tut, wie Ausschüttungen und Steuern.

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