Finanzen + Vorsorge Fluchtpunkt Ausland

Bankrotte Unternehmer nutzen liberales EU-Insolvenzrecht. Die Gläubiger gehen leer aus.

Es sah nach einem lukrativen ­Ge­schäft aus. In Videotheken in ganz Deutschland sollten DVD­Automaten aufgestellt werden. Die ­Gancza & Koch Zerspanungstechnik in Menden bekam den Auftrag und lieferte pünktlich. Zunächst wurden die Rechnungen prompt bezahlt. Doch dann ließ sich der Auftraggeber immer mehr Zeit, bis er gar nicht mehr zahlte. Firmenchef Andreas Koch: „Wir sitzen noch heute auf offenen Rechnungen von rund 70000 Euro plus Verzugszinsen und An­waltskos­ten.“ Laut Handelsregister hat der Automatenaufsteller seine ­Geschäftstätigkeit inzwischen eingestellt. Der Inhaber ist über alle Berge.

Beliebtes Rückzugsgebiet bankrotter deutscher Unternehmer ist das französische Elsass. Dort vermuten Koch und Bernd Gancza auch ihren ehe­maligen Auftraggeber. Denn hier gilt ein liberales Insolvenzrecht. Nach zwölf statt nach 72 Monaten werden Schulden erlassen. Alternativ flüchten ­Pleitiers nach England, in die Niederlande oder nach Skandinavien. Hier gelten ähnliche Insolvenzregeln. Die Gefahr besteht, dass sich noch mehr insolvente Firmenchefs in diese Länder absetzen, wenn Justizministerin Brigitte Zypries das Insolvenzrecht Mitte des Jahres in Teilen verschärft. Unternehmer können sich nur schützen, wenn sie stets über die Bonität ihrer Geschäftspartner informiert sind. „Jeden potenziellen Auftraggeber sollten sie von Auskunfteien prüfen lassen und bei Zahlungsverzug schleunigst Insolvenzanträge stellen“, rät Martina Neumayr, Risk Manager der Auskunftei D&B.

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Was viele Geschädigte nicht glauben: Die Entschuldung à la française ist völlig legal. In Europa herrscht freie Wohnsitzwahl. Jeder Unternehmer kann dort Insolvenz anmelden, wo er möchte. Wie schnell ihm dann seine Schulden erlassen werden, ist deutschen Gerichten egal. Das ausländische Insolvenzrecht muss lediglich den deutschen Gesetzen genügen, wie der Bundesgerichtshof kürzlich urteilte (Aktenzeichen IX ZB 52/00). Das trifft inzwischen aber fast auf alle europäischen Pleiteregeln zu.

Den vollständigen Artikel können Sie in der impulse-Ausgabe 02/2007, Seite 118, nachlesen.

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