Finanzen + Vorsorge Gefährliche Policen

Mit der speziellen Haftpflicht glauben sich Firmeninhaber und Manager sicher. Doch der Schutz ist häufig löchrig.

Gleich zwei D&O-Policen nacheinander hatte die Kroll AG* für ihren Vorstand Egon Freimuth* abgeschlossen. Ein Auft rag, den er ohne die erforderliche Zustimmung des
Aufsichtsrats vergab, führte zu einem Verlust von 2,5 Millionen Euro. Die sollte Freimuth der AG ersetzen. Doch keiner der Versicherungsgesellschaften kam dafür auf.

Dabei wurden D&O-Policen – die Abkürzung steht für „Directors and Officers“ -, auch Managerhaft pflicht genannt, gerade für solche und ähnliche Fälle entwickelt. Die Versicherung übernimmt Rechtskosten und den Ersatz eines Schadens, wenn ein Vorstand oder Geschäft sführer seine Pflichten verletzt und die Firma deshalb zahlen muss. So etwa, wenn eine Forderung verjährt, weil der Termin verschwitzt wurde. Oder wenn Waren auf Kredit verkauft werden, ohne dass
vorher die wirtschaftlichen Verhältnisse des Käufers geprüft wurden. Von den Policen profitieren sowohl Unternehmen als auch Manager: die Firmen, weil sie sich bei Pflichtverletzungen von Vorstand oder Geschäftsführern bis zur Höhe der versicherten
Summe schadlos halten können. Die Manager, weil sie bei solchen Verstößen Rechtsschutz genießen und die Versicherung sogar die Kosten für verschuldete Schäden übernimmt.

Anzeige

Hohe Ablehnungsquote

Doch die Praxis sieht meist anders aus. „Von 200 gemeldeten D&O-Schäden wurden nur zehn Prozent von den Versicherern bezahlt“, sagt Michael Hendricks, Chef der Hendricks
& Co GmbH, und verweist dabei auf eine Untersuchung seines Hauses. Die Begründung liefert der Chef von über 20 Juristen, die sich nur mit D&O-Versicherungen befassen, gleich mit: „Die Assekuranzen versuchen, ihre Kunden hinzuhalten. Sie setzen auf schlechte Nerven der Betroffenen und hoffen so, Geld zu sparen.“ Doch für Firmenchefs ist es schwer, die Haken und Ösen in den D&O-Verträgen zu erkennen. „Denn die Fallen verbergen sich im Kleingedruckten. Und damit tun sich selbst
Juristen schwer“, sagt Anwalt Hendricks.
Für impulse hat er deshalb die wichtigsten Punkte zusammengestellt, die Firmenchefs beim Abschluss von Managerhaftpflicht-Policen beachten sollten. So lassen sich bei einem Schaden teure Überraschungen – wie im Fall Freimuth – vermeiden.

Im Streit zwischen der Kroll AG und ihrem Vorstand berief sich der erste Versicherer , die amerikanische Chubb, darauf, dass der Vertrag zwar nicht zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe, jedoch bei Eintritt des Schadens abgelaufen gewesen sei. Eine Nachmeldung wäre nur erlaubt, wenn die
Police vom Versicherer gekündigt werde. Das aber hatte die Kroll AG getan und gleichzeitig bei der Kölner Gerling Versicherung einen neuen Vertrag abgeschlossen. So sollte der
D&O-Schutz nahtlos von einem auf den anderen Versicherer übergehen. Doch auch das Kölner Assekuranzunternehmen
verweigerte die Zahlung. Begründung: Gerling kommt nur für Pflichtverletzungen während der
Laufzeit der Managerhaftpflicht auf. Schäden, die nach Inkrafttreten des Vertrags bekannt werden, deren Ursachen aber vor der Unterschrift der Police liegen, übernimmt sie nicht.

Für Experte Hendricks sind die Einschränkungen in den Chubb- und
Gerling-Policen unzumutbar. „Denn
Haftpflichtschäden werden häufig erst spät erkannt.“ Allerdings haben die versicherten Vorstände und Geschäftsführer oft mals übertriebene Vorstellungen von den Leistungen der Versicherung. „Die D&O-Police
entbindet den Manager nicht von der
Verantwortung“, sagt Dieter Schimmer,
Managerhaftpflicht-Experte des deutschen Branchenführers Allianz.

Der Beitrag für eine solche Police richtet sich in der Regel nach der Branche der Firma, dem Umsatz und der versicherten Summe. So zahlt etwa ein Bauunternehmen mit fünf
Millionen Umsatz bei einer Deckungssumme von zwei Millionen Euro für die Absicherung seiner Führungsmannschaft zwischen 2500 Euro und 4000 Euro. Ein Dienstleister, der eine
Million Euro umsetzt, kommt bei einer Versicherungssumme von 500000 Euro auf einen Jahresbeitrag zwischen 500 Euro und 1500 Euro.

Gefragter Schutz

Die Bedeutung der D&O-Policen nimmt zu. „Heute bestehen immer mehr Manager vor Abschluss eines Arbeitsvertrags auf einer solchen Police“, weiß Experte Schimmer. Doch
nur wenn die Bedingungen stimmen, bieten sie wirklich Schutz. Siehe den Fall Freimuth. Der Ex-Vorstand steht heute vor dem Nichts und das Unternehmen ist insolvent.

Neugierig geworden, aber noch kein Heft-Abonnent? Dann Geschenk auswählen und online abonnieren

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...