Finanzen + Vorsorge Geld für alle Fälle

Mezzanine-Kapital von der tange boomt. Neue Angebote ersetzen auch kleinen Firmen das Eigenkapital.

Wann hat man in einer Großstadt wie etwa Köln schon mal die Gelegenheit, 350 neue Wohnungen auf einen Schlag zu bauen? Einen
solchen Großauftrag wollten sich die
Mönchengladbacher Unternehmer Martin und Michael Dornieden nicht entgehen lassen. Der einzige Haken an der Sache: Schon die Grundstückskosten für das Bauträgerprojekt
überstiegen die finanziellen Möglichkeiten
des 30-Mann-Betriebs bei Weitem: „So eine Finanzierung bekommt man ja nicht, ohne Eigenkapital zu hinterlegen“, erklärt Michael
Dornieden. „Das hätten wir mit unseren
vorhandenen Mitteln nie stemmen können.“

Doch die Hausbank half: Im Frühjahr 2006, als die Grundstücksverhandlungen gerade in die entscheidende Phase gingen, legte die
Kreissparkasse Köln dem Familienbetrieb ein nagelneues Angebot auf den Tisch. Geld aus dem Programm S-Mezzanine sollte den Brüdern Dornieden den Einstieg ins millionenschwere Neugeschäft sichern . Der
Name, der auf das italienische Wort für Zwischengeschoss anspielt, steht für Finanzierungsprodukte, die Eigenschaften von Fremd- und Eigenkapital kombinieren.

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Günstiger als Eigenkapital

Der Bauunternehmer kam mit seinem Anliegen genau zur rechten Zeit, denn immer mehr Mezzanine-Kapital-Offerten richten sich auch an kleinere Betriebe. Anders als individuelle Finanzprodukte für Großkonzerne kommen dazu standardisierte eigenkapitalnahe Programme zum Einsatz. Durch feste Vorgaben bei den Laufzeiten und Bonitätsanforderungen lassen sich damit auch Finanzierungen unterhalb der Millionenschwelle stemmen. Weiterer Vorteil
der Offerten von der Stange: Sie sind mit Zinsniveaus von sechs bis sieben Prozent günstiger als reines Eigenkapital. „Der Markt entwickelt sich geradezu boomartig“, bestätigt Andreas Becker, Leiter des Mittelstandskundengeschäfts der West LB. In diesem Jahr gibt es mit über 20 Angeboten so
viele Offerten wie nie zuvor. impulse hat besonders attraktive Produkte für kleinere Mittelständler aus dem aktuellen Sortiment herausgesucht. Becker: „Ein Großteil der Unternehmen, die Kapital über diese neuen Programme aufnehmen, kommt überhaupt erst durch die guten Konditionen zum Zug.“

Angebot ab 100000 Euro

Im Dezember ging zum Beispiel die baden-württembergische L-Bank an den Start. Geld aus dem L-Mezza-Fin-Topf gibt es für Unternehmer aus der Region schon in Tranchen ab 100000 Euro. Neben dieser besonders niedrigen Einstiegshürde lockt der
staatliche Anbieter auch mit sehr niedrigen Zinsen, die abhängig von der Bonität bei rund 5,5 Prozent beginnen. „Wir wollen dazu beitragen, dass sich Mezzanine-Kapital neben
dem reinen Eigenkapital und Fremdkapital zu einer dritten Säule der Finanzierung
entwickelt“, so L-Bank-Vorstand Manfred Schmitz-Kaiser. „Vor allem für wachstumsorientierte Unternehmen und Übernahmefinanzierungen.“

An diese Zielgruppe richtet sich auch die KfW Mittelstandsbank mit dem neuen KfW-Genussrechtsprogramm, das zum Jahresanfang an den Standard-Mezzanine-Markt ging. Das bundesweit operierende Förderinstitut will sich jedoch auch an Unternehmen beteiligen, die bei größeren
Anbietern durch die Rating-Prüfung fallen. Unternehmen mit schlechteren Bonitäten müssen aber mit bis zu 13 Prozent Zinssätze in Kauf nehmen, die über dem Marktdurchschnitt liegen. „Dafür erhalten
die Unternehmen allerdings auch echtes, bilanzielles Eigenkapital“, erläutert
Alexander Thees, KfW-Abteilungsdirektor für Förderpolitik.

In der Kapitalqualität unterscheiden sich die Mezzanine-Produkte im Detail deutlich: Zwar bewerten die Anbieter das eigene Mezzanine-Geld im Rating regelmäßig als Eigenkapital,
mit erfreulichen Folgen für die Bonität. Konkurrenzprodukte rechnen manche Institute dagegen zu den Schulden. Wer böse Überraschungen vermeiden will, sollte vor dem Einstieg bei der Hausbank genau nachfragen. Für die steuerrelevante HGBBilanz
gelten sogar noch strengere Regeln, damit das Mezzanine-Kapital zum Vermögen zählt. Diese erfüllt nur ein kleiner Teil der Anbieter, darunter KfW, Deutsche Bank, IKB, LBBW und Commerzbank.

Weitgehende Einigkeit herrscht dagegen bei zwei weiteren Standards: Zum einen verzichten alle Mezzanine-Kapitalgeber auf Mitspracherechte, solange es nicht zu einer Krise kommt. Und sie stellen das Kapital in der Regel sieben Jahre lang zur Verfügung. In der Zwischenzeit fallen allerdings Zinsen und zum Teil Gewinnbeteiligungen an.

Wer sein Geld derweil ordentlich investiert, sollte am Ende aber einen guten Schnitt machen. Denn dank der hohen Standardisierung kommen Unternehmer weitaus günstiger weg als mit individuell konstruierten gemischten Kapitalformen wie dem Nachrangdarlehen, den Genussrechten
oder der Stillen Beteiligung. Das bestätigt auch Bauinvestor Michael Dornieden. Er zahlt für das investierte Kapital etwa 7,5 Prozent jährliche Zinsen und findet: „Für Eigenkapital
ist das erstaunlich günstig.“

www.impulse.de/mezzanine
Hier finden Sie eine Übersicht über alle 35 aktuellen Mezzanine-Kapital-Angebote.

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