Finanzen + Vorsorge Geld sparen trotz Lohnerhöhung

Ab 2009 werden für Betriebsrenten erstmals Sozialabgaben fällig. Wie Chefs und Angestellte trotzdem weiter begünstigt vorsorgen.

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Kadir Akin verfolgt die politischen Unwetter rund um die
betriebliche Altersvorsorge mit gemischten Gefühlen. Bei der
großen Rentenreform vor sechs Jahren hatte der Chef der
Kölner IT-Beratung Collogia AG zügig reagiert und eine
Unterstützungskasse als Versorgungswerk eingerichtet. Seine
Mitarbeiter und er zahlen jeden Monat einen Teil ihres
Bruttogehalts in diese Betriebsrente ein – bisher ohne Abzug
von Sozialabgaben.

Wenn der Staat die Befreiung 2009 aber aufhebt, ist Akin
selber zwar fein raus, weil er als Gutverdiener für den oberen
Teil seines Gehalts keine Sozialabgaben zahlt. Doch so mancher
seiner Mitarbeiter wird dann deutlich weniger in die
Unterstützungskasse einzahlen können.

Das Ende der Sozialabgabenbefreiung bei der betrieblichen
Altersvorsorge wird Tausende Unternehmer und Millionen ihrer
Mitarbeiter treffen. Ab 2009 werden von jedem Euro, der in die
Betriebsrente fließt, Beiträge für die Renten-, Kranken- und
Pflegekassen abgezogen. Für die Mitarbeiter bedeutet dies
Rentenkürzungen, für die Arbeitgeber höhere
Betriebsausgaben.

Firmen, die sich jedoch rechtzeitig neue Wege für die
Betriebsrente suchen, können weiterhin Sozialabgaben sparen.
„Als Alternativen bieten sich Versorgungslohn und Zeitkonten
an“, sagt Helmut Hofmeier, Vorstandschef der Gothaer
Lebensversicherung. Die Zeit zum Umstellen ist günstig: Neu
angeworbene Mitarbeiter können direkt in die neue Vorsorge
eintreten. Und: Aktuelle Lohnerhöhungen dürfen ebenso
dorthin umgeleitet werden.

In der Tat wird die Abschaffung der Sozialabgabenfreiheit die
betriebliche Altersvorsorge in Deutschland arg treffen. Bisher
kann jeder bis zu 2.520 Euro im Jahr vom Bruttolohn
abgabenfrei sparen. Ab 2009 kämen von 100 eingezahlten
Euro nur noch rund 80 in der Betriebsrentenkasse an – den
Rest kassieren die Sozialkassen. Zusätzlich zahlen die
Arbeitgeber drauf: Sie müssen noch einmal rund 20 Euro
Abgaben auf den Lohn abführen, den die Mitarbeiter
umwandeln. Die Mehrbelastung trifft alle Formen der
Altersvorsorge, bei denen Beiträge fließen.

Noch kämpfen Arbeitgeber wie Arbeitnehmervertreter darum,
dieses wichtige Instrument der Altersvorsorge zumindest in
Teilen zu erhalten. Klaus Stiefermann, Geschäftsführer der
Arbeitsgemeinschaft betrieblicher Altersvorsorge: „Hier werden
die Sozialkassen auf Kosten der Arbeitnehmer und Arbeitgeber
saniert.“

Ausweg Versorgungslohn

Der bislang einzig sichere Weg aus der Abgabenpflicht: Die
Chefs übernehmen künftig die Rentenbeiträge der Mitarbeiter.
Anders als die Entgeltumwandlung bleiben diese Leistungen
nämlich weiter vor dem Zugriff von Arbeitslosen-, Kranken-,
Pflege- und Rentenkasse geschützt. In fast zwei Dritteln der
Betriebe zahlen Unternehmer heute schon mindestens
Zuschüsse.

Ludwig Wolf, Betriebsrentenspezialist bei der Versicherung
Swiss Life, weist allerdings darauf hin, dass die Umwandlung
nicht zulasten anderer Zusatzleistungen gehen darf, etwa,
indem der Arbeitgeber im Gegenzug freiwillige Zuschüsse für
das Essen oder Fahrtkosten streicht: „Man muss zusätzliches
Geld etwa aus Lohnerhöhungen in die Hand nehmen“, warnt
Wolf: „Sonst riechen die Sozialversicherungen schnell
Missbrauch.“

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Gleichwohl ist Wolf überzeugt, dass die Investition sich rechnet:
„Erstens sind solche Leistungen abzugsfähige
Betriebsausgaben. Und zweitens können sie helfen, qualifizierte
Mitarbeiter zu finden.“ Stiefermann bestätigt: „Ein
Rentenzuschuss vom Chef ist hervorragend geeignet, um gute
Leute ans Unternehmen zu binden.

Eine Erfahrung, die Elke Kotke von der Landeszeitung für die
Lüneburger Heide gemacht hat. Das Verlagshaus beschäftigt
132 feste Mitarbeiter, von denen 40 Prozent einen
Betriebsrentenvertrag abgeschlossen haben. „Die Nachfrage ist
bei Neueinstellungen in den vergangenen Jahren deutlich
gestiegen“, hat die Geschäftsführerin festgestellt. Für leitende
Angestellte übernimmt der Verlag die Betriebsrentenbeiträge
schon heute vollständig. Bei den übrigen Beschäftigten plant
man nun zumindest den Einstieg in die
Arbeitgeberfinanzierung: „Wir sprechen mit dem Betriebsrat
und unserer Versicherung darüber, Gehaltserhöhungen nicht
bar auszuzahlen, sondern als Versorgungslohn in die Rente zu
stecken“, berichtet Kotke.

Zudem denkt man in Lüneburg darüber nach, Langzeitkonten
einzurichten. In die können Angestellte Überstunden,
Urlaubstage, Weihnachtsgeld oder auch Teile ihres laufenden
Gehalts einzahlen – und das ebenfalls auch nach 2008
sozialabgabenfrei. Naht der Ruhestand, lassen sich die
Zeitkonten nach und nach wieder auflösen. Mitarbeiter können
dann auf Teilzeitarbeit wechseln oder sogar früher aussteigen.
Bis zum Rentenstart fließt dann das normale Gehalt aus dem
Zeitkonto weiter. Gerade für jüngere Angestellte, die erst mit
67 Jahren Altersgeld vom Staat kassieren, eine interessante
Perspektive.

Zeitkonten bleiben steuerfrei

„Geht es Arbeitnehmern darum, weiter eine steuer- und
sozialversicherungsfreie Ansparmöglichkeit zu nutzen, sind
Zeitkonten sicherlich die richtige Alternative“, bestätigt
Hofmeier. „Zumal der Dotierungsrahmen nicht beschränkt ist.“

Heißt im Klartext: Angestellte können nahezu beliebig hohe
Teile des Gehalts auf das Zeitkonto umbuchen. Der Haken: Als
vollwertiger Ersatz für die Rente taugt das Modell nicht. Zwar
lässt sich die angesparte Arbeitszeit später theoretisch in eine
regelmäßige Rente umwandeln. Der Gesetzgeber sieht darin
aber ausdrücklich eine Ausnahmeregel. Und bei Missbrauch
halten Finanzverwaltung und Sozialkassen nachträglich die
Hand auf. Hinzu kommt: Beim Wechsel des Arbeitgebers lässt
sich das Zeitkonto womöglich nicht mitnehmen. Und dann
bleibt nur die vorzeitige Auszahlung, die ebenfalls Steuern und
Sozialbeiträge kostet.

Risiken, vor denen Versicherer warnen: „Zeitkonten mit dem
einzigen Ziel, das Kapital später in eine Betriebsrente
umzuwandeln, sehen wir kritisch“, sagt Hofmeier. „Als
gleitender, finanziell abgesicherter Übergang in den Ruhestand
aber sind sie perfekt.“

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