Eigenschaften von Millionären So ticken die Superreichen

Wie ein Ei dem anderen – so sehr gleichen sich die Superreichen sicher nicht. Und doch gibt es ein paar Eigenschaften, die viele gemeinsam haben, wie eine wissenschaftliche Arbeit jetzt erstmals belegt.

Wie ein Ei dem anderen – so sehr gleichen sich die Superreichen sicher nicht. Und doch gibt es ein paar Eigenschaften, die viele gemeinsam haben, wie eine wissenschaftliche Arbeit jetzt erstmals belegt.© suze / photocase.de

Sie häufen Millionen und Milliarden an. Wie machen die Superreichen das nur? Ausgerechnet ein Multimillionär hat nun erforscht, welche Eigenschaften helfen, reich zu werden.

Wie sind die Superreichen zu ihrem Vermögen gekommen? Hat das Schicksal es einfach gut mit ihnen gemeint und ihnen die Millionen und Milliarden quasi in den Schoß fallen lassen? Oder aber haben ihnen ein wohlhabendes Elternhaus und eine exzellente Schullaufbahn den Weg zum Reichtum geebnet?

Rainer Zitelmann, selbst Multimillionär, wollte es genau wissen und hat für seine Dissertation „Psychologie der Superreichen“  erstmals wissenschaftlich erforscht, wie die deutschen Hochvermögenden denken und handeln. Dafür führte er Gespräche mit 45 von ihnen. Hochvermögend heißt in diesem Fall: Sie besitzen ein Nettovermögen zwischen 30 Millionen und 1 Milliarde Euro, das sie sich selbst erarbeitet haben.

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Gibt es Eigenschaften, die helfen, reich zu werden?

Zitelmann fragte sie nach ihrem familiären Hintergrund, nahm ihre Schullaufbahn unter die Lupe und ließ sie selbst gewisse Charaktereigenschaften einschätzen. Sein Fazit: Die Mehrheit kommt weder aus besonders vermögenden Familien, noch war sie in der Schule oder Uni Überflieger. Auffällig war, dass die meisten erfolgreiche Sportler waren beziehungsweise sind.

Gewisse Charakterzüge und Eigenschaften zogen sich wie ein roter Faden durch die Interviews. Zitelmann kommt zu dem Schluss: Die Annahme, alle Hochvermögende würden über gemeinsame Persönlichkeitsmerkmale verfügen, sei ebenso verfehlt wie die Annahme, dass es nur Unterschiede und wenige Gemeinsamkeiten gäbe. Soll heißen: Nicht alle Superreichen ticken gleich, doch gewisse Fähigkeiten und Eigenschaften haben viele gemeinsam. Zu den Top-Eigenschaften gehören diese fünf:

1.    Verkäuferisches Talent
Welche Fähigkeit war besonders wichtig auf dem Weg zum finanziellen Erfolg? In kaum einem Punkt waren sich die Superreichen so einig: Es war ihr Verkaufstalent. Verkaufen verstehen die meisten dabei nicht einfach als den Prozess, Produkte oder Dienstleistungen an den Mann zu bringen, sondern vielmehr als das Talent, Menschen zu überzeugen. Das könne zum Beispiel der Beamte sein, der eine Baugenehmigung erteilen muss, oder der Bankberater, der einen Kredit genehmigen soll. Dafür sei viel Empathie nötig, also die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, vorauszuahnen, was sie beispielsweise abschrecken oder ängstigen könnte.

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2.    Ziele aufschreiben
Glaubt man der populären Reichtumsliteratur, müsste es relativ einfach sein, ein Vermögen anzuhäufen: Man schreibt konkrete Ziele auf, setzt Deadlines und wird reich. So könnte man es überspitzt formulieren. Oder im Umkehrschluss: Wer konkrete Ziele nicht aufschreibt und sich keine Deadline setzt, wird sich schwer tun, reich zu werden. Goal-Setting-Theorie nennt sich das.

Zitelmann konnte diese Theorie ein Stück weit bekräftigen. Erstaunlich viele seiner Gesprächspartner berichteten von einer detaillierten Zielplanung. Sie gaben an, mindestens einmal im Jahr ihre Ziele aufzuschreiben. Manche tun dies sogar täglich. Einige haben ganze Lebenspläne erstellt. Einer dieser Pläne füllt sogar einen ganzen Aktenordner.

3.    Auf den Bauch verlassen
Kopf oder Bauch, Verstand oder Gefühl – worauf verlassen sich die Superreichen, wenn sie Entscheidungen fällen? Die Hälfte der Studienteilnehmer folgt vor allem ihrem Bauchgefühl; nur ein Drittel gab an, Entscheidungen eine sachliche Analyse voranzustellen. Zum Vergleich: Bei Umfragen des Allensbacher Instituts für Demoskopie (IfD) überwog in der Gesamtbevölkerung der Anteil derjenigen, die sagen, sie entschieden eher „nach dem Verstand“. Nur zwischen 27 und 36 Prozent entschieden „eher nach Gefühl“.

Viele der befragten Superreichen verstehen ihr Bauchgefühl als eine Art Schnell-Entscheidungs-Hilfe. Die Fähigkeit sei nicht angeboren, sondern habe sich durch viele Erfahrungen erst entwickelt. Viele erklärten auch, dass sie sich vor allem bei der Einschätzung von Menschen auf ihren Bauch verlassen. Einer der Interviewten sagte auch, warum: Man können ja nicht etwa einen Wirtschaftsprüfer bitten, noch mal den Charakter durchzurechnen.

4.    Krisen als Chance verstehen
Mehr als 5000 Prototypen baute der berühmte Staubsaugerproduzent James Dyson, bevor er seinen ersten Staubsauger auf den Markt brachte und es für ihn steil bergauf ging. Dyson ist nicht der Einzige, der immer wieder scheiterte, bevor der Durchbruch kam. Von John D. Rockefeller bis Warren Buffet – in den Biografien vieler Milliardäre lässt sich nachlesen, wie sie an Krisen und Problemen wuchsen.

Das trifft auch auf die meisten der von Zitelmann Befragten zu. Mehr noch: In seinen Interviews stellte sich heraus, dass Probleme die Superreichen nicht aus der Ruhe bringen. Viele berichteten, dass sie auch in Krisen noch ruhig schlafen und abschalten könnten. Sie alle haben die Gabe, sich auf Lösungen für das Problem zu konzentrieren, statt sich mit Sorgen zu quälen.

Es fiel auch auf, dass sie die Schuld nie anderen geben oder unglückliche Umstände für Probleme verantwortlich machen. Vielmehr suchen sie den Fehler bei sich selbst. „Rückschläge und Läuterungen waren mein größeres Glück“, sagte einer von ihnen. Ein anderer: „Ich finde das wahnsinnig langweilig, immer nur zu gewinnen.“

5.    Optimismus
Alles schwarzsehen und immer vom Schlimmsten ausgehen – das ist nicht die Art der meisten befragten Hochvermögenden. 95 Prozent bezeichneten sich selbst als optimistisch. Zum Vergleich: Das IfD befragte zwischen 1992 und 2017 die deutsche Gesamtbevölkerung dazu. Dabei bezeichneten sich lediglich 57 Prozent als Optimisten.

Bei seinen Interviews stellte Zitelmann fest, dass für die Hochvermögenden Optimismus eine spezielle Bedeutung hat. Sie verstehen darunter das, was Psychologen als Selbstwirksamkeit bezeichnen: „das Selbstvertrauen in die eigene Handlung und die eigene Gestaltungsfähigkeit“. Nach dem Motto: Es läuft etwas schief, dann muss ich eben es etwas ändern. Wir haben ein Problem in der Firma, gut, dann löse ich es eben.

1 Kommentar
  • Köbelin 4. Juni 2017 18:56

    Guten Tag,

    Achtung! kleiner Fehler im Text,

    Rainer Zitelman, selbst Multimillionär, wollte es genau wissen und hat für seine Dissertation „Psychologie der Superreichen“ erstmals wissenschaftlich erforscht, wie die deutschen …….

    Zitelmann, nicht Zitelman 🙂

    Mit freundlichen Grüßen

    Dominik Könelin
    myfliesen

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