Finanzen + Vorsorge Geldkreislauf

Eine Anleihe zu begeben ist kompliziert und teuer. Honorare für Berater, Rating, Anwalt und Marketing fallen zudem immer an - egal, wie viel Geld der Emittent einsammelt. Welche Dienstleister nötig sind. Und was sie kosten.

Berater

Berater Die meisten Unternehmen schaffen die Emission nicht ohne Hilfe eines Corporate-Finance-Beraters. Der analysiert den Kapitalbedarf, ermittelt das mögliche Zinsniveau, hilft, Unterlagen für Rating und Prospekt zusammenzustellen sowie Banken, Anwälte und PR-Agentur auszuwählen und mit ihnen zu verhandeln. Oft übernimmt eine Bank das auch, dann steigt ihr Honorar entsprechend.

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100.000-200.000 Euro

Ratingagentur

Ohne Rating lässt keine Mittelstandsbörse Firmen aufs Parkett; Düsseldorf verlangt sogar die Mindestnote „BB“. Dienstleister wie Euler Hermes prüfen Lage und Finanzen des Unternehmens. Ein Rating von „BBB“ für eine Drei-Jahres-Anleihe bedeutet, dass sie mit einem Prozent Wahrscheinlichkeit ausfällt. Je schlechter das Rating, desto höher der Zins. Während der Laufzeit des Listings verlangen Börsen einmal jährlich ein Folgerating.

30.000-40.000 Euro

Anwälte

Juristen erstellen die Anleihebedingungen und arbeiten Verträge mit Bank und Zahlstelle aus. „Der größte Posten ist der Emissionsprospekt“, sagt Michael Schlitt, Partner bei der Kanzlei Hogan Lovells. „Das ist wie bei einem Minibörsengang.“ Wirtschaftsprüfer liefern die Kennzahlen, was extra kostet. Steht die Bank mit im Prospekt, nimmt sie sich ebenfalls einen Anwalt und erhöht das Honorar.

60.000-100.000 Euro

Investor-Relations-Dienstleister

Unternehmen brauchen zur Vermarktung Präsentationen, häufig eine Roadshow, eine kapitalmarkttaugliche Internetseite und womöglich Werbung. „Bei einem Markennamen wie Underberg wird die Anleihe leicht bekannt“, sagt Alexander Muires vom Network Corporate Finance. „Meist brauchen Firmen aber Hilfe von einer Agentur.“ Und zwar auch nach der Emission, für Ad-hoc-Meldungen, Pressemitteilungen und Geschäftsberichte.

75.000-225.000 Euro

Bank

Oft fungiert ein Geldhaus als der von den Börsen vorgeschriebene Coach oder Partner des Emittenten, hilft, den richtigen Zins zu finden. Die Bank spricht institutionelle Käufer an, die meist den Löwenanteil erwerben. „Da fehlt einem als Mittelständler der Zugang“, sagt Stephan Milde, Finanzchef des Süßwarenanbieters Katjes International, der 2011 eine Anleihe ausgegeben hat. Das kostet in der Regel zwei bis 3,5 Prozent des platzierten Volumens.

circa 577.000 Euro*

* Annahme: 30 Prozent der Anleihen werden an der Börse verkauft, 70 Prozent von der Bank vermittelt.

Börse

Mittelstandsbörsen in Stuttgart, Düsseldorf, Hamburg, München oder Frankfurt verlangen unterschiedliche Gebühren. Manchmal gibt es eine Mindestgebühr; für die Abwicklung richten sich die Kosten nach dem Wert der Anleihen, die Anleger über die Börse zeichnen. Faustregel: je größer der Anteil der über die Börse platzierten Anleihen, desto geringer die Kosten der Emission. Denn die Handelsplätze sind deutlich günstiger als Banken.

67.000-75.000 Euro

Zahlstelle

Während der Laufzeit der Anleihe muss sich jemand darum kümmern, dass Anleger regelmäßig die versprochenen Zinszahlungen (Kupons) erhalten. Die Zahlstelle organisiert das über die Clearingsysteme der Kreditinstitute. Sie ist auch dafür zuständig, die Anleihen am Ende der Laufzeit zurückzunehmen und den Nennwert an die Besitzer zurückzuzahlen. Immer wieder übernimmt die Emissionsbank das – ansonsten ein anderes Institut.

90.000 Euro

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Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus impulse-Ausgabe 06/2012.

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