Finanzen + Vorsorge Gericht verurteilt Ex-Goldman-Banker „Fabulous Fab“

Dieses Urteil wurde mit Spannung erwartet: Ein einzelner US-Banker sollte für sein Tun zu Zeiten der Finanzkrise geradestehen. Bislang verliefen solche Verfahren zumeist im Sande. Anders bei einem ehemaligen Mitarbeiter von Goldman Sachs. Zu den Geschädigten gehörte auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB.

Fünf Jahre nach dem Hochkochen der Finanzkrise hat ein US-Gericht einen Banker für seine Verfehlungen zur Rechenschaft gezogen. Eine Jury in Manhattan sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass der damalige Goldman-Sachs-Mitarbeiter Fabrice Tourre beim Verkauf von Hypothekenpapieren seinen Kunden wichtige Informationen verschwiegen hatte. In den Turbulenzen verloren die Papiere rasant an Wert. Von einem 1 Milliarde Dollar schweren Betrug war die Rede.

Tourre drohen nun eine Geldstrafe und ein Berufsverbot. Darüber wird später entschieden. Der Banker mit dem Spitznamen „Fabulous Fab“ („Fabelhafter Fab“) wurde kurz nach der Finanzkrise zur Symbolfigur für die Überheblichkeit der Wall Street. In einer später veröffentlichten E-Mail an seine Freundin scherzte er, dass er Schrottpapiere auch an „Witwen und Waisen“ verkauft habe. Im Verfahren bedauerte er diese Aussage.

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Sieg für US-Börsenaufsicht SEC

Zu den Geschädigten gehörte auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB, die ein großes Rad am US-Hypothekenmarkt gedreht hatte, sich verspekulierte und vom deutschen Steuerzahler mit Milliarden gerettet werden musste. Sie war eines der ersten Opfer der Finanzkrise, in deren Verlauf später die US-Investmentbank Lehman Brothers umkippte.

Die Entscheidung des Gerichts stellt einen der größten Siege für die US-Börsenaufsicht SEC dar, die das Zivilverfahren angestoßen hatte. Zwar mussten sich bereits zahlreiche Banken für ihr Verhalten zu Zeiten der Finanzkrise verantworten, doch kaum einzelne Banker. Goldman Sachs selbst hatte den Fall im Rahmen eines Vergleichs schon vor drei Jahren mit der Zahlung von 550 Millionen Dollar (rund 417 Millionen Euro) beigelegt.

„Abacus 2007-AC1“

Der ganze Fall drehte sich um ein Wertpapier namens „Abacus 2007-AC1“. Darin waren zahlreiche US-Hypothekenkredite verpackt. Anleger konnten darauf wetten, dass die Häuserpreise in den USA weiter steigen und das ganze Paket damit an Wert gewinnt. Tatsächlich platzte die Blase jedoch kurz darauf und „Abacus“ ging den Bach herunter. Die Anleger hatten den Schaden.

Die Börsenaufsicht warf Goldman Sachs und dem verantwortlichen Banker Tourre vor, die Kunden beim Verkauf des Wertpapiers in die Irre geführt zu haben. Die Bank habe ihren Kunden verschwiegen, dass der mächtige Hedgefonds Paulson & Co. bei der Auswahl der enthaltenen Hypotheken mitgewirkt und dann auf ein Scheitern von „Abacus“ gewettet habe.

Der Fall hatte im Jahr 2010 zu einer breiten Diskussion über die Verfehlungen der Wall Street geführt. Geschädigte Anleger und Finanzaufseher warfen anderen Investmentbanken ähnliche Geschäftspraktiken vor. Teils zahlten die Banken Entschädigungen. Aus dem Goldman-Vergleich flossen 150 Millionen Dollar nach Deutschland an die staatliche Förderbank KfW, die die IKB aufgefangen hatte.

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