Finanzen + Vorsorge Hersteller werben um Abwrackprämien für Heizkessel

Bundesweit laufen Pilotprojekte für Heizungen auf Brennstoffzellen-Basis. Doch vielen Deutschen ist der Austausch ihrer alten Kessel zu teuer. Die Anbieter hoffen jetzt auf staatliche Subvention. Ihr Vorbild: Japan.

Die Brennstoffzelle bekommt eine weitere Chance. Nach den Autobauern rühren auch Heizungshersteller die Werbetrommel für Geräte auf Basis der Wasserstofftechnologie. Erste Pilotprojekte laufen in Deutschland und der EU. Jetzt bemühen sich die Firmen in Berlin um eine breite Lobby für Subventionen. Ihr Vorbild: Japan, wo Brennstoffzellen-Heizungen staatlich gefördert werden.

„Ich hoffe, dass die Idee eines Technologieeinführungsprogramms Einzug nimmt in die Wahlkampfprogramme bei den Parteien“, sagt Joachim Berg, Leiter der Brennstoffzellenentwicklung beim Heizungsbauer Vaillant. „Es gibt noch keine Massenfertigung, daher sind die Kosten sehr hoch.“

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Hohe Kosten schrecken ab

Genau das sei das Problem, sagt der zuständige Bereichsvorstand bei Bosch Thermotechnik, Uwe Glock. Eine Brennstoffzellen-Heizung für ein Einfamilienhaus liege derzeit bei rund 20.000 Euro. Herkömmliche Heizungen sind etwa 8000 Euro billiger.

Doch die Brennstoffzelle birgt Vorteile: Sie hat einen höheren elektrischen Wirkungsgrad als herkömmliche Heizungen, außerdem ist der CO2-Ausstoß den Herstellern zufolge um rund die Hälfte geringer.

Praxistests stehen noch aus

Erste Firmen halten ihre Geräte bereits für marktreif. Der Brennstoffzellen-Vorreiter Ceramic Fuel Cells will CE-zertifizierte Heizungen mit Brennstoffzellen schon 2014 verkaufen, andere Hersteller wie Viessmann und Bosch planen die flächendeckende Markteinführung erst 2016.

Nach Meinung von Vaillant-Entwicklungschef Berg müssen sich die Geräte noch in der Praxis beweisen, „vor allem, was Langlebigkeit und Zuverlässigkeit angeht“. Der Meinung ist auch Matthias Wagnitz von Zentralverband Sanitär Heizung Klima: „Herkömmliche Heizungen halten mindestens 15 Jahre. Davon sind die bislang entwickelten Brennstoffzellen-Heizungen noch weit entfernt.“

Deutschlandweit rund hundert Brennstoffzellen-Heizungen im Einsatz

In Deutschland sind bereits einige hundert Brennstoffzellen-Heizungen im Einsatz. Um die neue Technik zu testen, haben Hersteller und Energieversorger wie EnBW oder EWE Pilotprojekte wie die Initiative Callux aufgelegt, die seit 2008 vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gefördert wird. Beim Ministerium will man das bis 2016 angelegte Projekt abwarten, bevor über weitere Programme nachgedacht wird.
Nur in Nordrhein-Westfalen gibt es bereits eine erste Initiative, um Kleinkraftwerke zur Stromerzeugung auch auf Basis von Brennstoffzellen-Technologien zu fördern.

Vor den Herstellern liegt noch ein gutes Stück Überzeugungsarbeit. Bei den Deutschen ist die Bereitschaft, alte Heizkessel auszubauen, derzeit nicht sehr hoch. Die Zahl der neu eingebauten Heizungen ist seit 2002 von 750.000 auf 670.000 im vergangenen Jahr 2012.

Nach Meinung der Hersteller bräuchte es deshalb eine Art Abwrackprämie. „Es müsste noch einen viel stärkeren Anreiz geben, alte Heizkessel auszutauschen“, sagt Berg. „Stellen Sie sich mal vor, jeder würde mit 20 Jahre alten Autos herumfahren.“ Doch bis sich die Technologie flächendeckend durchsetzt, wird es auch nach Einschätzung von Bosch-Manager Glock noch dauern – erst 2020, glaubt er, werde sich die Brennstoffzelle in Ein- und Zweifamilienhäusern etabliert haben.

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