Finanzen + Vorsorge Hilfe für Argentinienanleihen

Hilfe für Argentinienanleihen

Hilfe für Argentinienanleihen

Deutsche Anlegerschützer und europäische Banken starten Initiative, um Käufer von notleidenden Argentinienanleihen zu helfen.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW) und führende europäische Banken starten gemeinsam eine Initiative für die Eigentümer von notleidendenen Argentinien-Anleihen. Die Interessen der geschädigten Anleger werden dabei in einer Gesellschaft zusammengeführt, die sich aktiv an den Umschuldungsverhandlungen mit Argentinien beteiligen wird. „Wir wollen europäischen Anlegern in diesem Prozess eine kraftvolle Stimme geben. Wir schaffen so Chancengleichheit für die privaten Erwerber von Argentinien-Bonds“, erklärt Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der DSW.

Derzeit befinden sich säumige Argentinien-Anleihen im Wert von rund acht Milliarden Euro im Besitz von Privatinvestoren in Mitteleuropa.
Konkret ist vorgesehen, dass eine irische Zweckgesellschaft, die „Argentine Bond Restructuring Agency PLC“ (ABRA), die Argentinien-Anleihen der Privatanleger einsammelt und dafür Zertifikate ausgibt. Die ABRA beauftragt ein Verhandlungsteam unter Leitung von Dr. Adam Lerrick, Investment Banker und Berater für Internationale Wirtschaftspolitik für das Joint Economic Committee des Kongresses der Vereinigten Staaten, mit der Führung der Gespräche mit Argentinien. Ein weiteres Mitglied des Verhandlungsteams ist Angel Gurria, ehemaliger Finanzminister Mexikos. Nach Abschluss der Umschuldungsverhandlungen wird die ABRA die eingesammelten Anleihen mit Argentinien gegen neue Anleihen eintauschen, die dann gegen Vorlage der Zertifikate an den Originalanleger zurückübertragen werden.

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Überwacht wird der Prozess von einem internationalen Advisory Board unter Leitung von Prof. Dr. Hans Tietmeyer, dem ehemaligen Präsidenten der Deutschen Bundesbank. Weitere Mitglieder in dem Gremium sind Dieter Burgmer, Vorstand der Bayerischen Landesbank, Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der DSW, Ferdinand Lacina, ehemaliger österreichischer Finanzminister, und Kurt F. Viermetz, stellv. Aufsichtsratsvorsitzender der HVB Group. Adam Lerrick, Leiter des Verhandlungsteams, ist optimistisch: „Die Interessen der Privatanleger werden eine signifikante Rolle in den Gesprächen mit Argentinien spielen, wenn sie sich jetzt zusammenschließen und ihre Kräfte bündeln. Nur so lässt sich sicherstellen, dass ihre Interessen am Verhandlungstisch repräsentiert werden.“

Die notwendige Strukturierung der Transaktion wurde von der HVB Group geleistet. „Wir schaffen mit dieser Konstruktion ein effektives Vehikel, um die Interessen der Privatanleger wirkungsvoll zu vertreten. Wir sind zuversichtlich, dass wir ein substantielles Volumen von Argentinien-Anleihen bündeln können und damit eine starke Stimme haben werden“, beschreibt Ronald Siebel, Managing Director HVB Corporates & Markets, die Situation.

Neben den europäischen Banken wird sich die Shinsei Bank ebenfalls an der Initiative beteiligen und zusammen mit anderen japanischen Institutionen die Einsammlung von argentinischen Anleihen in Japan koordinieren. Mit der Interessenvereinigung privater Anleger in Italien wurde eine informelle Kooperation verabredet.

Der argentinische Staat hat in Folge einer schweren Finanzkrise am 23. Dezember 2001 alle Zins- und Tilgungszahlungen auf öffentliche Anleihen oder staatlich garantierte Papiere eingestellt.
Insgesamt hat das Land eine Verschuldung in Fremdwährungen in Höhe von rund 110 Milliarden Dollar, wovon etwa 28 Milliarden in Euro-Anleihen begeben worden sind und etwa 15 Mrd in Dollar-Anleihen. Kennzeichnend für die Situation ist dabei, dass die Dollar-Anleihen überwiegend bei institutionellen Investoren platziert sind, während die Euro-Titel bei Privatinvestoren hauptsächlich in Deutschland, den Niederlanden, Italien, Luxemburg, Österreich und der Schweiz verkauft wurden. Argentinien plant, nach der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen am 18. Mai und der folgenden Neubildung der Regierung, im August Verhandlungen über seine Umschuldung aufzunehmen.

Die Einlieferungsfrist für die Anleger läuft vom 12. Mai bis zum 17. Juni. Die Einlieferung kann bei allen Banken erfolgen.

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