Finanzen + Vorsorge IFRS-Umstellung benachteiligt kleine und mittlere Unternehmen

Prof. Dr. Ottmar Schneck, Lehrstuhl für Banking, Finance & Rating, European School of Business (ESB) an der Hochschule Reutlingen, Gründer der Prof. Dr. Schneck Rating GmbH

Prof. Dr. Ottmar Schneck, Lehrstuhl für Banking, Finance & Rating, European School of Business (ESB) an der Hochschule Reutlingen, Gründer der Prof. Dr. Schneck Rating GmbH

Eine aktuelle Studie an der European School of Business, ESB Reutlingen, konnte nachweisen, dass eine Umstellung von HGB-Bilanzierung auf IRFR-Rechnungslegung nicht eindeutig zu vorteilhafteren Ratingergebnissen führt. Die konkret untersuchten Fälle ergaben vielmehr ein differenziertes Bild in Abhängigkeit von der Größe der Gesellschaften.

So können mittlere und große Kapitalgesellschaften die IFRS-Regularien besser für sich und damit eine Verbesserung der Ratingnote nutzen, als dies bei kleinen Gesellschaften der Fall ist. Die Ratingsimulationen wurden auf Basis eines standardisierten und an S&P-Kennzahlen ausgerichteten Modells durchgeführt. Als Basis der Untersuchung dienten Unternehmen im SDAX, MDAX und DAX, bei denen ausreichend quantitative Ergebnisse zur Berechnung von Ratingkennzahlen vorlagen und die in der letzten Zeit auf IFRS umgestellt haben.

Im Oktober 2006 schrieb der Bundesverband deutscher Banken im Magazin Finance, dass eine IFRS-Umstellung wohl vorteilhaft für das Rating sei. Die Bankenvertreter wollten daher ihre Ratingmodelle anpassen. Dies scheint angesichts der klaren Ergebnisse der genannten Studie auch nötig. Inbesondere die Unterschiede zwischen HGB und IFRS bezüglich des Konsolidierungskreises, der Abschreibungsmöglichkeiten, der Bilanzierung von Finanzierungsleasing und der Bewertung von Sachanlagen sowie der immateriellen Vermögensgegenstände führt zu unterschiedlichen Jahresabschlüssen und damit einem unterschiedlichen Rating.

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Wie gezeigt werden konnte, können die Vorzüge der IFRS vor allem große Unternehmen nutzen, die durch eine Ausweitung ihres Konsolidierungskreises auf SPV und Joint Ventures ihre Ertragslage optimieren können, Währungsumrechnungen nutzen aber auch durch Ausnutzung von Bewertungs- und Abschreibungsspielräumen bei erheblich höherem Sachanlagebstand von der Umstellung profitieren. Dass gerade bei der Bewertung immaterieller Güter wie Patene, Markenrechte und dem Goodwill wiederum große Konzerne profitieren, wurde in der einschlägigen Literatur längst beschrieben.

Die Studie wurde nun anhand der Unternehmensdaten der BMW AG und der Volkswagen AG als Unternehmen, die im DAX gelistet sind, der Deutz AG als Unternehmen aus dem MDAX und den Unternehmen Elexis AG, ElringKlinger AG und Grammer AG als Vertreter des SDAX durchgeführt. Die Auswahl der Firmen aus dem SDAX, MDAX und DAX wurde mit dem Hintergrund getroffen, dass durch die Aufnahme der unterschiedlichen Größenklassen in die Untersuchung ein differenziertes Bild ermittelt werden kann.

Bei den untersuchten Ratingkennziffern wurden statische und dynamische Verschuldungsgrade, Zinsdeckungskennzahlen und Rentabilitätskennzahlen analog dem Kriterienkatalog von S&P betrachtet.

Für Unternehmen des SDAX und MDAX bedeutete die Umstellung auf IFRS größtenteils eine Verschlechterung der Kennzahlen, während die DAX Unternehmen sich mehrheitlich bei ihren Kennzahlen verbessern oder die Verschlechterungen in einem geringeren Maße stattfinden. Damit waren auch die Ratingergebnisse und letztlich die Fianzierungsmöglichkeiten durch eine Umstellung der Rechnungslegung abhängig von der Größe unterschiedlich.

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