Finanzen + Vorsorge Inflationsrate sinkt auf niedrigstes Niveau seit 2010

In München soll wie in Berlin, Kiel und Bonn ein verpackungsfreier Supermarkt eröffnen.

In München soll wie in Berlin, Kiel und Bonn ein verpackungsfreier Supermarkt eröffnen.© Eisenhans - Fotolia.com

An den Tankstellen und beim Arzt haben es die Verbraucher besonders stark gespürt: Dank sinkender Energiepreise und des Wegfalls der Praxisgebühr hat die Inflation in Deutschland 2013 merklich nachgelassen. Nahrungsmittel wurden aber deutlich teurer.

Fallende Preise für Kraftstoffe und Heizöl haben die Inflationsrate in Deutschland im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit 2010 gedrückt. Die Verbraucherpreise stiegen 2013 um 1,5 Prozent nach 2,0 Prozent im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Montag nach ersten Berechnungen in Wiesbaden mitteilte. Die Jahresteuerung liegt damit deutlich unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank, die Preisstabilität bei einer Rate knapp unter zwei Prozent gewahrt sieht.

Im Dezember zog die Inflation allerdings leicht an.  Im Vergleich zum Vormonat November legte sie um 0,4 Prozent zu, im Jahresvergleich um 1,4 Prozent. Vor allem Nahrungsmittel waren mit plus 3,8 Prozent erneut deutlich teurer als im Vorjahr. Erstmals seit Monaten stiegen auch die Energiepreise wieder geringfügig um 1,1 Prozent – im Gesamtjahr 2013 dürften sie aber bundesweit gepurzelt sein.

Anzeige

Das Statistische Bundesamt gibt die Details erst am 16. Januar bekannt. Das nordrhein-westfälische Landesamt in Düsseldorf meldete am Montag jedoch etwa ein Minus bei den Kraftstoffpreisen von 3,3 Prozent – damit wurde Sprit im Jahresdurchschnitt erstmals seit 2009 wieder günstiger. Der ADAC trat bereits auf die Euphoriebremse: „Trotz der für die Autofahrer erfreulichen Entwicklung war 2013 das zweitteuerste Tankjahr aller Zeiten“, schränkte der Automobilclub ein.

Heizöl billiger – Strom um 11,2 Prozent teurer

Heizöl verbilligte sich nach den Angaben aus Düsseldorf im Jahresdurchschnitt sogar um 5,9 Prozent. Dagegen zogen die Strompreise aufgrund der im Zuge der Energiewende erhöhten Umlagen überdurchschnittlich um 11,2 Prozent an.

„Wir gehen davon aus, dass sich der moderate Aufwärtstrend bei den Preisen fortsetzt“, sagte der Deutschlandexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Simon Junker. Auch Commerzbank-Volkswirt Johannes Werner prophezeite: „Die gute Konjunktur sowie stärker steigende Löhne sprechen dafür, dass der Preisauftrieb in den kommenden Quartalen langsam anzieht.“ Außerdem werde die Energiewende zu weiterhin steigenden Strompreisen führen.

Allerdings werde die Jahresrate frühestens Ende 2014 wieder die Zwei-Prozent-Marke erreichen, schätzte Junker – auch weil die deutschen Unternehmen im internationalen Wettbewerb derzeit nur schwerlich Preiserhöhungen durchsetzen könnten.

Starke Preissteigerungen bei Lebensmitteln

Während die Energiepreise 2013 sanken und die Verbraucher vom Ende der Praxisgebühr profitierten, mussten sie bei Lebensmitteln teils herbe Preissteigerungen hinnehmen. Zunächst behinderte der lange und kalte Winter die Ernten, dann die Flut in Süd- und Ostdeutschland.

Zwar müssen die Verbraucher in Deutschland nach Einschätzung des Bauernverbands auch 2014 mit steigenden Lebensmittelpreisen rechnen. Gravierende Sprünge seien aber nicht zu befürchten, sagte Generalsekretär Bernhard Krüsken den „Ruhr Nachrichten“: „Die Lebensmittelpreise werden moderat steigen, jedoch nicht über der allgemeinen Inflationsrate.“

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...