Finanzen + Vorsorge Investivlohn statt Prozentgefeilsche

Prof. Dr. Ottmar Schneck, Lehrstuhl für Banking, Finance & Rating, European School of Business (ESB) an der Hochschule Reutlingen, Gründer der Prof. Dr. Schneck Rating GmbH

Prof. Dr. Ottmar Schneck, Lehrstuhl für Banking, Finance & Rating, European School of Business (ESB) an der Hochschule Reutlingen, Gründer der Prof. Dr. Schneck Rating GmbH

Lebhaft brodeln derzeit Lohn- und Gehaltsverhandlungen in allen Branchen. Kein Wunder: Die florierende Konjunktur ermutigt die Gewerkschaften, ihre Lohnforderungen in Schwindel erregende Höhe zu schrauben. Gleichzeitig entfacht die Politik eine neue Debatte um den Investivlohn, also der Arbeitnehmerbeteiligung an Unternehmen. Lukrativ kann das aber nur sein, wenn sich die Bedingungen dafür grundlegend ändern.

Dass die Arbeitnehmer nun auch ein größeres Stück vom Kuchen haben wollen, stößt nicht überall auf Gegenliebe. Doch statt dem ausschließlichen Prozentgefeilsche sollten Einfallsreichtum und Flexibilität die Verhandlungen bestimmen. Denn massive Lohnsteigerungen gefährden den Aufschwung, noch bevor sich dieser verstetigt.

Damit vor allem Mittelständler nicht wieder im Konjunktursumpf versinken, müssen sie innovative Modelle einbringen. Eins davon: Investivlöhne. Wer seine hoch qualifizierten Kräfte an sich bindet, hat viel gewonnen. Und nicht nur Führungskräfte spornt die Aussicht auf außertariflichen Gewinn mit emotionaler Komponente mehr an, als schnöde Gehaltserhöhungen. In der nächsten Delle werfen am Unternehmen beteiligte Mitarbeiter erfahrungsgemäß nicht so schnell das Handtuch. Sie engagieren sich aus eigenem Interesse und tiefer Überzeugung daran, Unternehmen wieder in satte Gewinnzonen zu manövrieren.

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Dazu kommt: Basel II mit den neuen Eigenkapitalregeln für Banken drängt viele Mittelständler dazu, sich um alternative Finanzierungsformen zum Bankkredit zu bemühen. Teile der Arbeitnehmergehälter zur Finanzierung der Unternehmen zu nutzen, öffnet verlockende Chancen. Damit ließe sich die Eigenkapitalquote erhöhen, ein besseres Rating erzielen und die Wettbewerbsfähigkeit steigern.

Die InvestivlohnModelle reichen von einer vollen bis zur stillen Beteiligung, von einem Genussrecht mit Rückzahlungsmodalitäten bis zur Aktienbeteiligung. Damit sich aber auch Leistungsträger um den Investivlohn reißen, muss mehr passieren. Zwar erklärt das Vermögensbildungsgesetz durch Gehaltsumwandlung erworbene Firmenanteile für Arbeitnehmer steuerfrei. Doch bei einer steuerfreien Beteiligungshöhe von maximal 135 € im Jahr haut das keinen vom Hocker. Hier müsste die Freigrenze erst einmal auf ein attraktives Niveau steigen.

Außerdem: Was fängt ein Arbeitnehmer mit Papieren an, um die sich niemand an der Börse reißt? Die Gründung eines Marktes zum Handel von KMU-Anteilen wäre eine feine Sache, nicht nur für Unternehmer, die sich über Finanzierung und Nachfolgeregelung den Kopf zerbrechen. Auch Tarifverhandlungen könnten dann in Zukunft sicher anders aussehen.

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