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Wer investiert und flüssig bleiben will, finanziert am besten per Kredit oder Leasing. Was besser geeignet ist, zeigt die genaue Analyse.

Martin Umbach regelt Finanzierungsfragen
recht pragmatisch. „Ich rechne zuerst mal mehrere Angebote per Dreisatz durch“, sagt
der Chef des gleichnamigen Verpackungsbetriebs
aus Eschweiler bei Aachen. „Dann spreche ich mit
meinem Steuerberater. Und schließlich
mit meiner Frau.“

Derart informiert fühlt sich Umbach
gerüstet für Investitionsentscheidungen
jeglicher Größe und
Couleur: Ob ein neues Auto her soll,
eine Stanztiegel-Maschine nötig wird
oder ein größerer Verwaltungsbau
mit angrenzendem Lager – am Ende
fällt die Entscheidung meist zwischen
Bankdarlehen oder Leasing-Angebot:
„Beide Finanzierungsformen haben
Vor- und Nachteile“, weiß der Unternehmer.
„Was gerade besser passt,
entscheidet sich jedes Mal neu.“

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Seit der Aufschwung für volle
Auft ragsbücher sorgt, steht nicht nur
Firmenchef Umbach häufiger vor
großen Anschaff ungen. Regelmäßig
stellt sich dann die Frage: Kredit oder
Leasing? Statt eines Dreisatzes à la
Umbach verwenden Unternehmer
besser eine Checkliste, denn sie müssen
auch Aspekte wie Finanzierungsmix,
Timing, Nutzungsdauer oder
Bilanzfragen bedenken. „Wer das aus
dem Bauch entscheiden will, verliert
schnell aus den Augen, was besser
in die Finanzierungsstrategie passt“,
warnt Henning Jacob, Experte für
Investitionsfinanzierungen im Geschäftskundenbereich der Deutschen
Bank: „Klarheit schafft nur eine detaillierte
Analyse.“

Finanzierungsweg prüfen

Gemeinsam mit impulse hat Jacob
eine Checkliste entwickelt, mit der
Unternehmer prüfen können, welche
der Geldquellen besser zu ihnen passt.
Wer es exakter wissen will, kann sein
genaues Finanzierungsvorhaben auch
schriftlich einreichen. Experten der Deutschen Bank erstellen zusammen
mit impulse eine kostenfreie
Analyse, die Leasing- gegen Kreditfinanzierung rechnet.

Die Entscheidungen sind komplex,
da jedes Finanzierungsinstrument
seine spezifischen Eigenarten
hat. Beim Leasing etwa fallen Betriebsausgaben
für die monatlichen
Raten an, weil Unternehmer hier ähnlich
wie Mieter nur für die Nutzung
zahlen, aber keinen Kauf tätigen.
Steuerlich können sie die Raten während
der mehrjährigen Laufzeit eines
Leasing-Vertrags absetzen. Das gilt
zwar auch für die Zinszahlungen bei
Krediten. Doch Käufe mit Fremdkapital
belasten die Bilanz, da mit ihnen
der Verschuldungsgrad der Firma
steigt. Andererseits entsteht Eigentum
als belastbare Substanz für
andere Finanzierungen. Zudem gibt
es öffentliche Fördermittel oft nur zusammen
mit Darlehen. „Solche Faktoren
sind häufig relevanter als der
nackte Zins“, sagt Jacob.

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Die richtige Mischung

Damit die Wahl der Finanzierung
sich später aber auch beim Betriebsergebnis
niederschlägt und sich in das
Gesamtbild der Firmenfinanzierung
einfügt, kommt es auf die richtige
Mischung an. Bei Verpackungsprofi
Umbach etwa läuft über die Hausbank
bereits ein großes Investitionsprojekt:
„Ich habe dort vor zwei Jahren
eine millionenschwere Immobilie
finanziert. Als ich jetzt noch mal
400.000 Euro für eine neue Maschine
brauchte, war es leichter, den Plan per
Leasing umzusetzen.“

Finanzierungsberater Bernd Rischko aus Löhne ,
früher selbst Chef einer Leasing-Gesellschaft, sieht in dem Freiheitsgewinn ein überragendes Entscheidungskriterium: „Leasing erhöht die
Unabhängigkeit vom Kreditinstitut.
Deshalb gehört es zur gesunden Finanzierungsstruktur.“

Auch die Zeitplanung spielt bei der
Wahl der Finanzierung eine große
Rolle. „Wir stellen immer wieder fest,
dass Unternehmer zu spät handeln,
wenn es um große Investitionen
geht“, berichtet Finanzierungsprofi
Jacob. „Dann kann es passieren, dass
sie den Anschluss an den technologischen
Wandel verpassen“. Er rät, gerade bei Kreditfinanzierungen möglichst frühzeitig
über Neuanschaffungen nachzudenken
und nicht erst, wenn eine Maschine
streikt. Schließlich müssten die
Banken oft zuvor ein neues Rating
anfertigen. Wer dagegen least und
dabei regelmäßig Objekte tauschen
kann, bleibt quasi von selbst auf dem
neuesten Stand.

Zinsen verhandeln

Bei Banken und Leasing-Gesellschaften
sind die Finanzierungskonditionen
in den seltensten Fällen in Stein
gemeißelt, wie Reiner Martin Möller
von der Bobo GmbH in Leipzig weiß.
„Ob Leasing oder Kredit – ich verhandle
mit jedem Geldgeber hart über den Zinssatz“, sagt der Unternehmer.

Dabei honorieren vor allem die Banken seine hervorragende Eigenkapitaldecke: „Manche Maschinen habe ich unter Baugeld-Zinsen
finanziert.“ In dem Betrieb, der mit 20
Mitarbeitern Platten für die Bauwirtschaft
und für Möbelproduzenten
zuschneidet, sind daher fast alle großen
Anlagen auf Kredit gekauft.
Zudem wählt Möller die Kreditraten
so hoch, dass er die Maschinen
innerhalb von fünf Jahren abbezahlt
hat. Anderswo laufen die Geräte oft
mehr als doppelt so lang. „Nach spätestens
sieben Jahren tausche ich alle
Anlagen aus“, sagt er – denn ein moderner
Werkzeugpark gehört für ihn
zum Geschäftsmodell.

Weiterer Vorteil der kurzen Abstände zwischen
Kauf und Verkauf: „Die Maschinenhändler
nehmen die jungen Gebrauchten
gern zurück.“ Beim Leasing
könnte Möller diesen Vorteil
nicht nutzen – dann wäre die Leasing-Gesellschaft als Eigentümerin für die
Gebrauchtwaren zuständig.

Gleichwohl ist der Schneidespezialist
kein Gegner des Mietgeschäfts.
Im Gegenteil: Bei kleineren Anschaffungen
wie Computern oder Fahrzeugen
setzt er das Instrument regelmäßig
ein. Denn die Vermarktung
von Gebrauchtwagen ist – anders als
der Handel mit Maschinen – nicht
seine Sache: „Wenn ich einen neuen
Lkw brauche, nimmt die Leasing-Firma
den alten zurück“, sagt Möller.
„Das ist ein Service, für den ich gern
ein paar Cent mehr bezahle.“

Und bei seinem Dienstwagen hat
der Maschinenbauingenieur herausgefunden,
dass er per Leasing-Vertrag ein regelrechtes Schnäppchen macht.
Für rund hundert Euro pro Monat
bekommt er zum Auto ein Komplett-Servicepaket mit voller Wartung und Instandsetzung. „Ich fahre 80.000 Kilometer im Jahr und wechsle in der Zeit zweimal die Bremsen“, rechnet
Möller vor. „Allein das kostet 900
Euro.“ Wäre der Wagen gekauft,
müsste er das Verschleißteil selbst bezahlen.
„Der Leasing-Vertrag ist hier
unschlagbar“, freut sich Möller. „Es
lohnt sich also, genau zu prüfen, was
man braucht.“

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