Finanzen + Vorsorge Kalte Übernahmen

Wenn Firmen ihre Schulden nicht bezahlen, verkaufen Banken die Darlehen oft an Investoren - ohne Wissen der Eigner. Was folgt, sind Umbau und Machtverlust.

Gerade erst hatte das Management des deutschen Strumpfherstellers Kunert überlegt, das Unternehmen zu sanieren und frisches Kapital zu beschaffen, da kursierte die Information auch schon in der Londoner Finanzszene. Die Investmentbanker der Deutschen Bank fackelten nicht lange. Sie übernahmen die Firma, entmachteten die Alteigentümer und sanieren das Traditionsunternehmen jetzt kräftig. Doch statt die Firmenanteile aufzukaufen, wählten die Banker quasi den Hintereingang: Sie sicherten sich die Not leidenden Kredite des Strumpfherstellers.

Heimliche Verkäufe

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Der Einstieg in Firmen über faule Kredite oder Distressed Debts, wie es in der Londoner Finanzszene heißt, ist derzeit hoch attraktiv. Viele Firmen ahnen nicht, dass die Banken ihre Darlehen schon beim ersten Tilgungsverzug heimlich verkaufen. Die meist angelsächsischen Investoren warten darauf. Ihre Strategie ist immer gleich: billig aufkaufen, mit Druck sanieren und schnell wieder loswerden.

Wer weiß, wie das Spiel funktioniert und sich mit den Banken gut stellt, kann vorbauen. „Hier geht es ums Überleben. Einerseits locken die Investoren mit frischem Geld, um die Firma wieder flottzumachen. Andererseits besteht die Gefahr, die Kontrolle über das eigene Unternehmen zu verlieren“, fasst Andreas Schüren zusammen, Geschäftsführer der Sanierungsberatung Rölfs Partner.

Das Geschäft mit den Not leidenden Firmenkrediten beginnt in Deutschland gerade erst. So haben
die amerikanischen Distressed-Debt-Spezialisten Houlihan, Lokey, Howard & Zukin ermittelt, dass bis zu 400 Milliarden Euro fauler Firmenkredite noch in den Büchern der deutschen Banken schlummern.

Das ist der Stoff für Investoren wie Goldman Sachs, Morgan Stanley oder die Deutsche Bank. Vorletztes Jahr kauften sie „nur“ für zwölf Milliarden, in diesem Jahr wollen sie schon über 20 Milliarden Euro investieren. Die Liste der erworbenen Firmen ist namhaft: Ihr Platz, Treofan, Senator Film, Dürr, Schefenacker, Rinol. „Geld ist mehr als genug vorhanden“, weiß Schüren. Und die Banken nutzen die Chance. Sie sind froh, vor In-Kraft-Treten der neuen Eigenkapitalregeln (Basel II) im nächsten Jahr die faulen Kredite los zu sein.

Den vollständigen Artikel können Sie in der impulse-Ausgabe 05/2006, Seite 124, nachlesen.

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