Finanzen + Vorsorge Komplizierte Konstruktion

Polen und Ungarn sind als Standorte etabliert. Jetzt wenden sich Firmen anderen, wenig erschlossenen Märkten in Osteuropa zu. Bei der Finanzierung ist Kreativität gefragt.

Es wirkt paradox. Der Strickwarenhersteller Falke machte im vergangenen April seine Fabrik mit 90 Beschäftigten im ungarischen Ozmanbük dicht. Grund: die gestiegene Nachfrage nach seinen Socken und Strümpfen. Doch der Widerspruch war gar keiner. Die beiden Firmeneigner Paul und Franz-Peter Falke wollen tatsächlich mehr produzieren – nur nicht in Ungarn.

Die deutsche Traditionsfirma aus Schmallenberg im Hochsauerland zieht es weiter nach Südosten, wo Steuern und vor allem Löhne niedrig sind und wo noch genügend Platz ist für die Expansion. Im serbischen Leskovac haben sie ein Grundstück gekauft, bis 2011 soll dort eine neue Fabrik entstehen, in der 660 Arbeiter fädeln, stricken und ketteln.

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Russland
Bevölkerung 140 Millionen
BIP 933 Mrd. Euro
Standortbewertung*
Geschäftsumfeld: mittelmäßig
Investorenrisiko: moderat erhöht
Deutsche Investitionen 12,5 Mrd. Euro (2008)
Kreditkosten** 1,6 Prozent teurer als Kredite in Deutschland
Typische Finanzierungshürden Grundstücke können in der Regel nur
gepachtet werden; Hypotheken gibt es nur für Gebäude. Lokale Kredite müssen mit 160 Prozent oder mehr besichert werden. Ohne Bürgschaft der Mutter gibt es keine Finanzierung. Die Summe der Gesellschafterdarlehen darf das Dreifache des haftenden Eigenkapitals nicht übersteigen.
impulse-Rat Investitionen sollten von Deutschland aus finanziert werden. Das geht in der Regel nur mit deutschen Sicherheiten. Denkbar ist auch ein Mix aus Gesellschafterdarlehen an die russische Tochter und lokaler Finanzierung. Vorsicht: „Intercompany loans“ unterliegen der Devisenkontrolle.
Quellen: CIA, Auswärtiges Amt, Bundesbank, eigene Recherchen, * Coface; ** länderspezifischer Risikoaufschlag für fünfjährige Kredite, Stichtag 1.10.2010

Bulgarien

Die Bauplanung ist längst abgeschlossen. Die Finanzarchitektur der Balkanexpansion indes steht noch nicht. Denn eine solche Investition hat Tücken. „In Serbien ist alles formalistisch“, sagt Falke-Finanzchefin Jutta Thole. Schwerfällige Beamte, hoch komplizierte Steuergesetze, hohe Kreditkosten. „Die Materie ist komplex“, sagt Thole nüchtern.

Sebastian Modlmayr, Leiter der Abteilung Cross Border Management bei der HypoVereinsbank (HVB) in München, kann das bestätigen. „Je weiter man als Investor in Richtung Osten vordringt, desto bürokratischer wird es“, erklärt der Experte für Finanzierungen in Osteuropa. „Länder, die unter EU-Recht fallen, sind noch recht unkompliziert.“ Sobald es aber eine Devisengesetzgebung gebe, werde es schwierig. Nicht nur dass der Aufwand langfristig schwer planbar ist, weil Zinsen und Währungskurse schwanken. Zudem ist die Gesetzeslage in den Zielländern oft schwer zu überblicken. Allzu kreative Finanzierungen geraten so schnell zur teuren Falle.

Dennoch lassen sich deutsche Mittelständler nicht vom wilden Osten schrecken. Eine Umfrage der deutschen Außenhandelskammern vom April hat ergeben, dass Unternehmer in diesem Jahr vermehrt in Serbien, Slowenien, Bulgarien, Bosnien und Rumänien investieren wollten. Auch Russland wird für Mittelständler als Produktionsstandort und Absatzmarkt immer interessanter.

Bulgarien
Bevölkerung 7,2 Millionen
BIP 33,9 Mrd. Euro
Standortbewertung*
Geschäftsumfeld: befriedigend
Investorenrisiko: moderat erhöht
Deutsche Investitionen 1,2 Mrd. Euro (2008)
Kreditkosten** 2,8 Prozent teurer als in Deutschland
Typische Finanzierungshürden Die Muttergesellschaft muss bei Darlehen üblicherweise Sicherheiten einbringen. Der Fiskus erkennt Zinsausgaben nur dann an, wenn die Finanzierung weniger als das Dreifache des Eigenkapitals beträgt. Verrechnung von lokalen Konten mit anderen Konzernkonten (Cash-Pooling) ist aktuell nur innerhalb Bulgariens möglich.
impulse-Rat Lokale Kredite in Euro sind teurer als solche aus dem Ausland, werden aber von Banken empfohlen. Finanzierungen sind grundsätzlich unproblematisch. Die Banken verlangen indes eine hohe Eigenbeteiligung von bis zu 30 Prozent.
Quellen: CIA, Auswärtiges Amt, Bundesbank, eigene Recherchen, * Coface; ** länderspezifischer Risikoaufschlag für fünfjährige Kredite, Stichtag 1.10.2010

„Diese Länder sind derzeit stark im Kommen“, sagt Jürgen Raizner. Der Leiter des Steinbeis-Transferzentrums für Ost-West-Kooperationen im schwäbischen Deggingen kennt die Gründe für den Marsch gen Osten: Die Produktionskosten dort sind noch weitaus niedriger als in Polen, Tschechien oder Ungarn, die inzwischen zur EU gehören. Und die Claims sind noch nicht abgesteckt.

Doch wie gestalten Unternehmer die Finanzierung von Investitionen optimal? Und wie sichern sie die Liquidität für das laufende Geschäft? Gemeinsam mit Experten der Außenhandelskammern, der Deutschen und der HypoVereinsbank sowie der Anwaltskanzlei CMS Hasche Sigle, die in ganz Osteuropa Dependancen unterhält, hat impulse für die sechs Staaten wichtige Finanzierungshürden und Lösungen identifiziert.

Slowenien

Falke-Finanzchefin Thole arbeitet noch am Fundament des Millioneninvestments in Serbien. Die ersten Bauabschnitte in Leskovac hat das Unternehmen per Eigenkapital bezahlt. Nun steht die Konzeption der weiteren Finanzierung an. Ein Kredit in Dinar bei einer serbischen Bank? Zu teuer. Und die Entwicklung des Wechselkurses kann niemand vorhersagen. Ein Euro-Darlehen vor Ort? Keine attraktive Alternative. „Wir müssten als Mutter eine Bürgschaft leisten – genauso wie für den Dinar-Kredit“, erklärt Thole.

Slowenien
Bevölkerung 2,0 Millionen
BIP 35,9 Mrd. Euro
Standortbewertung*
Geschäftsumfeld: gut
Investorenrisiko: sehr gering
Deutsche Investitionen 515 Mio. Euro (2008)
Kreditkosten** 0,8 Prozent teurer als in Deutschland
Typische Finanzierungshürden Slowenien ist EU-Land und seit 2007 Mitglied der Euro-Zone. Deshalb gibt es für deutsche Unternehmen in Sachen Finanzierung praktisch keine nennenswerten bürokratischen oder finanziellen Hürden. Kredite zu bekommen ist weitgehend unproblematisch. Bankdienstleistungen im Zahlungsverkehr sind allerdings etwas teurer als in Deutschland.
impulse-Rat Für Investitionen deutscher Firmen in Slowenien bieten sich Finanzierungen bei slowenischen Banken vor Ort an. Schwächer kapitalisierte Tochterfirmen brauchen allerdings Garantien der Mutter.
Quellen: CIA, Auswärtiges Amt, Bundesbank, eigene Recherchen, * Coface; ** länderspezifischer Risikoaufschlag für fünfjährige Kredite, Stichtag 1.10.2010

Riskantes Serbien

Und eine solche Bürgschaft erscheint in der deutschen Bilanz – wie ein direktes Darlehen an die lokale Gesellschaft in Serbien. Mit unschönen Folgen für Rating und Kreditlinien: Weil das Investment in Serbien ein beträchtliches Risiko darstellt, verschlechtert es die Konditionen für die deutsche Gesellschaft.

Viele Mittelständler wollen, speziell nach der Finanzkrise, ihre Bücher von solchen Belastungen frei halten, weiß Steinbeis-Berater Raizner, der Unternehmen bei Produktionsverlagerungen und Markterschließungen in Osteuropa berät. Deshalb konstruieren Firmen ihre Auslandsengagements von vornherein so, dass der Unternehmer als Person zum Hauptgesellschafter der Tochterfirma in Osteuropa wird. Und nicht das Unternehmen. Zwar steht der Chef dann – je nach Gesellschaftsform – persönlich in der Haftung. Doch die Verbindlichkeiten aus den neuen Märkten tauchen nicht in den Zahlen des Mutterhauses auf.

Nicht aus der deutschen Bilanz herauszuhalten sind jedoch die Zinsen für konzerninterne Finanzierungen, bei denen das Stammhaus Geld für die Investition an die Osttochter überweist. Ein Instrument, dessen Einsatz zwar üblich ist, bei dem Unternehmer aber sehr genau darauf achten müssen, nicht in den Ruch der Steuerhinterziehung zu geraten.

So zum Beispiel der kaufmännische Leiter einer deutschen Baufirma mit Tochter in Rumänien. Der Mann will anonym bleiben, weil er Darlehen der deutschen Muttergesellschaft an die Tochter gezielt zur Steuervermeidung nutzt. Sein Trick: Macht die rumänische Tochterfirma Gewinne, würden diese normalerweise als Dividenden an die Mutter fließen, und die Tochter müsste dafür vor Ort Quellensteuern zahlen. Das umgeht die Baufirma, indem die rumänische Filiale einfach besonders hohe Zinsen für firmeninterne Darlehen an die Mutter zahlt – und auf diese Weise einen Teil der Gewinne außer Landes schafft. Der rumänische Fiskus weiß jedoch um derartige Gestaltungen und versucht, sie zu unterbinden. „Die Behörden kontrollieren inzwischen sehr gründlich“, warnt Berater Raizner.

Serbien
Bevölkerung 7,4 Millionen
BIP 30,5 Mrd. Euro
Standortbewertung*
Geschäftsumfeld: problematisch
Investorenrisiko: sehr hoch
Deutsche Investitionen 847 Mio. Euro (2008)
Kreditkosten** 3,15 Prozent teurer als in Deutschland
Typische Finanzierungshürden Darlehen aus dem Ausland sind viel günstiger als vor Ort. Die dafür fällige 20-prozentige Quellensteuer bekommen deutsche Firmen auf Antrag erstattet. Hohe Inflation bedeutet Währungsrisiko. Die Geldwäschegesetze erschweren die Kontoeröffnung. Verrechnung von lokalen Konten mit anderen Konzernkonten (Cash-Pooling) ist verboten.
impulse-Rat Je nachdem, was schwerer wiegt – die Zinsbelastung oder das Währungsrisiko –, sollte man lokal oder in Deutschland finanzieren. Zur laufenden Finanzierung empfehlen Experten ein mittelfristiges Gesellschafterdarlehen aus Deutschland.
Quellen: CIA, GTAI, Bundesbank, eigene Recherchen, * Coface; ** länderspezifischer Risiko-aufschlag für fünfjährige Kredite, Stichtag 1.10.2010

Bosnien und Herzegowina

Auch ohne fragwürdige Motive ist die Höhe des konzerninternen Zinses stets heikel. Ist er zu niedrig, könnte der deutsche Fiskus auf die Idee kommen, man verschiebe Gewinne in den Osten, denn dort sind die Unternehmenssteuern vielfach niedriger als hierzulande. Geringe Zinskosten erhöhen den Ertrag im Osten – und senken ihn in Deutschland. Ist der Zins zu hoch, meckert hingegen das Finanzamt im Oststaat, weil es vermutet, man versuche sich um dortige Abgaben zu drücken. „Es ist ratsam, Zinsen anzusetzen, die im jeweiligen Land marktüblich sind“, empfiehlt daher Alex Stoljarskij, Anwalt bei der Moskauer Niederlassung der Kanzlei Beiten Burkhardt.

Oder man nutzt eine Alternative: Die deutsche Mutter finanziert und kauft Maschinen und Anlagen von vornherein in Deutschland und überträgt sie dann als „Sacheinlage“ an die neu gegründete Tochter im Osten. Zusätzlicher Vorteil: Weil sie als Eigenkapital gelten, fällt auf die Geräte kein Einfuhrzoll an. Die Option zieht auch Falke-Finanzchefin Thole für das neue Werk in Serbien in Betracht – zumindest was den Maschinenpark betrifft.

Bosnien und Herzegowina
Bevölkerung 4,6 Millionen
BIP 12,3 Mrd. Euro
Standortbewertung*
Geschäftsumfeld: problematisch
Risiko: sehr hoch
Deutsche Investitionen 124 Mio. Euro (2008)
Kreditkosten kein klarer Referenzpreis
Typische Finanzierungshürden Kreditgeschäfte zwischen Residenten und Nichtresidenten müssen beim zuständigen Finanzministerium angemeldet und registriert werden. Grenzüberschreitende Verrechnung von Konzernkonten (Cash-Pooling) ist bislang verboten.
impulse-Rat Unternehmen lassen sich relativ leicht über Kredite vor Ort finanzieren, denn die bosnische Mark ist fest an den Euro gekoppelt. Zinsunterschiede zwischen Krediten in Landeswährung und Euro sind minimal – das sollten Chefs nutzen. Die laufende Finanzierung funktioniert auch gut über Zahlungsziele, wenn entsprechend Waren an die Muttergesellschaft geliefert werden.
Quellen: * Coface, CIA, Auswärtiges Amt, Bundesbank, eigene Recherchen

Mehr als 2000 Kilometer weiter östlich hat der deutsche Gipsplattenhersteller Knauf gerade eine Großinvestition auf genau diese Weise gestemmt. Für sein Werk in Nowomoskowsk südlich von Moskau hat der Mittelständler ein Fließband angeschafft, mit dem man bis zu 900 Tonnen Gipsstein in der Stunde an die Oberfläche befördern kann. Zusammen mit neuen unterirdischen Zerkleinerungsanlagen hat der Lift 42 Mio. Euro gekostet.

Die Russen und der Kredit

Bereits seit 1995 ist Knauf in Nowomoskowsk aktiv und hat bislang schon mehr als 150 Mio. Euro in die Modernisierung der Fabrik gesteckt. Und dabei alles aus Eigenmitteln finanziert, aus dem Cashflow der russischen Landesgesellschaft oder per Gesellschafterdarlehen der Mutter.

Denn Kredite in Russland zu beschaffen ist ein Kapitel für sich. „Langfristige Finanzierungen sind hier so gut wie unmöglich“, sagt Annett Viehweg, Leiterin der Geschäftskundensparte der Deutschen Bank in Moskau. Die längsten Laufzeiten betragen drei oder maximal fünf Jahre. Damit nicht genug: Grundstücke kann man in Russland in der Regel nicht kaufen, sondern nur „besitzen“ – per Erbpachtvertrag mit Laufzeiten von 40 oder 50 Jahren. „Man kann eine Hypothek erst eintragen, wenn das Gebäude fertig ist“, erklärt HVB-Experte Modlmayr. Dann dient das Haus als Sicherheit.

Zweite russische Spezialität: Derartige Sicherheiten verlangen die Banken bei fast jeder Finanzierung. So weit, so normal. Anders aber als in Deutschland, wo Überbesicherungen verboten sind, gelten in Russland Darlehen mit Sicherheiten von 160 Prozent oder mehr als üblich. Besonders wichtig sind Garantien bei Projekten auf der grünen Wiese, bei denen die lokale Bank das Geschäftsmodell schlecht einschätzen kann.

Auch wenn Gerd Lenga, Chef von Knauf Russland, Maschinen als Sacheinlagen in das sogenannte Satzungskapital der Tochtergesellschaft einbringt, geht das nicht ohne Hürden. Einfuhrumsatzsteuer und Zoll entfallen zwar. „Aber“, bemerkt Lenga, „was einmal in die Satzung eingebracht wurde, bleibt dort für immer und ewig.“ Wer eine Anlage verkauft, muss Steuer und Zoll nachzahlen. Und zwar zu dem Rubel-Kurs, zu dem er die Anlage eingeführt hat. Liegt die Investition lange zurück, lässt die zwischenzeitliche Inflation dieses Risiko einigermaßen schrumpfen.

Die Finanzierung des laufenden Geschäfts russischer Auslandstöchter wiederum besorgen deutsche Firmen meist komplett vor Ort. Das liegt vor allem an den Devisengesetzen: Unternehmer benötigen für alle Transaktionen von und nach Russland einen sogenannten Deal Passport. Bei grenzüberschreitenden Zahlungen, zu denen auch Kreditraten zählen, muss die Firma das Geld zunächst auf ein Transitkonto überweisen. Dort bleibt es, bis die Bank die Rechtsgrundlage, also Kredit- oder Kaufvertrag, geprüft und die Zahlung freigegeben hat. „Wenn die Bank einmal alle Unterlagen bekommen hat, teils in russischer Sprache, ist das eine Formalität“, sagt Karen Young, Partnerin im Moskauer Büro der Anwaltskanzlei CMS. Dennoch: Ständig hin- und herzubuchen, um das Geschäftskonto auszugleichen, wird zum Verwaltungsakt. Da ist ein Kontokorrentkredit vor Ort angenehmer, selbst wenn er teuer ist.

Rumänien

In einigen osteuropäischen Ländern lässt sich der laufende Betrieb auch auf andere Weise finanzieren: Die deutsche Muttergesellschaft gewährt der Tochter vor Ort ein mittelfristiges Darlehen – und die osteuropäische Dependance legt Teilbeträge davon, die sie nicht sofort benötigt, zu den hohen Zinsen vor Ort an. Vor allem in Serbien holt man derzeit auf diese Weise die zusätzlichen Liquiditätskosten des Gesellschafterdarlehens in Deutschland locker heraus.

Rumänien
Bevölkerung 22,2 Millionen
BIP 117 Mrd. Euro
Standortbewertung*
Geschäftsumfeld: befriedigend
Investorenrisiko: moderat erhöht
Deutsche Investitionen 4,2 Mrd. Euro (2008)
Kreditkosten** 3,6 Prozent teurer als in Deutschland
Typische Finanzierungshürden Zwar wird es einfacher, sich in Rumänien zu finanzieren, einige Hürden aber bleiben. Der Leu schwankt gegenüber dem Euro. Wenn die rumänische Tochter zu stark von der Mutter finanziert ist, kann sich ihre Steuerlast erhöhen – darauf sollte man ein Auge haben. Unternehmer berichten, dass rumänische Banken oft nur Kredite geben, wenn man sie zur Hausbank macht.
impulse-Rat Je nach Investitionen sollten Unternehmen „Intercompany“-Kredite an die Tochterfirma mit lokalen Finanzierungen kombinieren, die auf Sicherheiten vor Ort abstellen. Banken und Berater vor Ort fragen!
Quellen: CIA, Auswärtiges Amt, Bundesbank, eigene Recherchen, * Coface; ** länderspezifischer Risikoaufschlag für fünfjährige Kredite, Stichtag 1.10.2010

Das alles geht natürlich nicht ohne ein Kreditinstitut im Ausland. Die deutsche Hausbank jedoch ist mitunter häufig nicht mit Niederlassungen am Investitionsstandort in Osteuropa vertreten. Vor allem Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken müssen sich dann nach einem anderen Geldhaus umsehen.

Die Österreicher helfen gern aus

Nicht selten entscheiden sich Unternehmer für eine der vielen Filialen österreichischer Banken. Sibylle Thierer etwa, Chefin der Häfele-Gruppe aus dem baden-württembergischen Nagold, hat es so gemacht. Das Unternehmen vertreibt Möbel- und Baubeschläge an Architekten, Handwerker und die Möbelindustrie und ist seit zehn Jahren mit Tochtergesellschaften in Osteuropa vertreten. Dass Thierer wie viele deutsche Chefs ihre Geschäfte im Osten auch über österreichische Geldhäuser abwickelt, hat einen schlichten Grund: die Sprache.

Die Österreicher beschäftigen vor Ort deutschsprachige Berater. Das, sagt Peter Presber, Chef der Außenhandelskammer Bosnien, sei deutschen Unternehmern ausgesprochen wichtig.

Kleinere Mittelständler versuchen derweil auch, Probleme mit Kontoeröffnung, Krediten und Devisenkontrollen ganz zu umgehen: mithilfe eines lokalen Partners. So wie Hans-Dieter Herzog, Chef der Firma Heka aus Graben-Neudorf bei Karlsruhe. Mit 200 Mitarbeitern baut er Fenster, Türen und Rollläden – seit 2008 auch im serbischen Krusevac.

Und zwar gemeinsam mit einem einheimischen Bauunternehmer. Der stellte Grundstück, Werkshalle und Personal, kümmerte sich um die Formalitäten. Herzog kaufte für 70.000 Euro die nötigen Maschinen – gebraucht und von eigenem Geld. Und lieferte sie gegen Rechnung an das serbische Joint-Venture-Unternehmen. „Das Einzige, was dabei angefallen ist, waren ein paar Unterschriften“, sagt Herzog. „Und Zoll.“

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 11/2010.

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