Finanzen + Vorsorge Kredithürden sinken weiter

Unternehmen in Deutschland kommen derzeit so leicht an frisches Geld wie seit Jahren nicht. Das ist das Ergebnis einer monatlichen Erhebung des Münchner Ifo-Instituts zur sogenannten Kredithürde. Vor allem mittlere Firmen profitieren.

Nur noch ein Fünftel der vom Ifo-Institut befragten Firmen klagt über eine zurückhaltende Kreditvergabe der Banken, teilten die Wirtschaftsforscher am Freitag in München mit. Mit einem Wert von 20,3 Prozent erreicht die seit 2003 erhobene Kredithürde damit einen neuen Tiefststand. „Die günstigen Refinanzierungsmöglichkeiten der Banken führen weiterhin zu einem sehr guten Zugang zu Krediten für Unternehmen“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

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Den Angaben zufolge sank die Kredithürde im Verarbeitenden Gewerbe über alle Unternehmensgrößen hinweg: Bei den kleineren und mittleren Betrieben berichten noch 21,5 beziehungsweise 17,1 Prozent über restriktive Kreditvergaben, bei großen Firmen 18,9 Prozent. Im Bauhauptgewerbe ist die Kredithürde um 1,4 Prozentpunkte auf 27,6 Prozent gesunken, im Handel um 0,7 Prozentpunkte auf 18,8 Prozent.

Zu Beginn der Erhebung im Frühjahr 2003 berichteten fast 60 Prozent der Unternehmen über eine zurückhaltende Vergabepraxis ihrer Bank. 2007 fiel die Hürde auf einen ähnlich tiefen Wert wie derzeit. In der Krise kletterte sie im Juli 2009 wieder auf über 45 Prozent.

Die Ifo-Daten widersprechen teilweise jüngsten Erkenntnissen der Europäischen Zentralbank (EZB). Demnach ist der Geldregen der Notenbank bislang noch nicht in der Wirtschaft angekommen. Die Kreditvergabe ging den Angaben zufolge im Februar im Vergleich mit Januar unterm Strich um drei Milliarden Euro zurück. In den Daten war die zweite EZB-Tranche über gut eine halbe Billion Euro aber noch nicht enthalten.

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