Finanzen + Vorsorge Kursgewinne treiben Geldvermögen weltweit auf Rekordhöhe

Das Start-up Oscar Health zahlt den Krankenversichten durch Daten-Traking Prämien aus.

Das Start-up Oscar Health zahlt den Krankenversichten durch Daten-Traking Prämien aus.© Gina Sanders - Fotolia.com

Kräftige Kursgewinne an den Börsen haben das Geldvermögen der privaten Haushalte in aller Welt auf ein Rekordniveau getrieben. Auch die Deutschen sind so reich wie nie - und haben trotzdem viel weniger Geld als Schweizer oder Amerikaner.

Kräftige Kursgewinne an den Börsen haben das Geldvermögen der privaten Haushalte in aller Welt auf ein Rekordniveau getrieben. Nicht nur die Deutschen waren 2012 mit einem Brutto-Geldvermögen von 4939 Milliarden Euro (plus 4,9 Prozent) so reich wie nie, wie der Versicherungskonzern Allianz am Dienstag in Frankfurt bei der Vorstellung des “Global Wealth Reports” mitteilte. Weltweit kletterte das Vermögen der privaten Haushalte in Form von Bargeld, Bankeinlagen, Aktien oder Ansprüchen gegenüber Versicherungen um 8,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Wachstum lag weit über dem Durchschnitt der Zeit von 2001 bis 2012 von 4,6 Prozent pro Jahr.

Der Geld-Vermögensbestand summierte sich nach den Angaben rund um den Globus auf das Rekordniveau von 111,2 Billionen Euro. Treiber war insbesondere die gute Entwicklung an den Aktienmärkten: Das in Wertpapieren gehaltene Vermögen erreichte mit einem Plus von 10,4 Prozent das beste Ergebnis seit der Finanzkrise.

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Vermögensschere geht auseinander

Gleichzeitig reißt die Krise tiefe Löcher in die Geldvermögen von Italienern, Spaniern oder Griechen. Während die Privathaushalte in Deutschland immer mehr Vermögen in bar, Bankeinlagen oder Aktien anhäufen, haben die Menschen im übrigen Euroraum der Studie zufolge seit 2007 pro Kopf 0,6 Prozent ihres Netto-Geldvermögens (Brutto-Geldvermögen abzüglich der Verbindlichkeiten) verloren. Besonders hart traf es Italiener (minus 12,7 Prozent), Spanier (-23,6) und Griechen (-44,1). „Die Situation in den Krisenländern hat sich seit 2007 dramatisch verschlechtert“, sagt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise.

Zwar hatten die Europäer 2012 wieder mehr Geld auf der hohen Kante als im Vorjahr: Die tiefen Risse in den privaten Vermögensbilanzen im Euroraum könne das aber nicht überdecken, betont Heise. „Die Vermögensschere geht immer weiter auf. Das durchschnittliche Netto-Geldvermögen in Griechenland liegt inzwischen bei nur noch 28 Prozent des Euroraum-Durchschnitts; vor der Krise lag dieser Wert noch deutlich über 50 Prozent.“ In Spanien sei die Quote von 61 auf 44 Prozent gefallen.

In Westeuropa haben inzwischen knapp 130 Millionen Menschen weniger als 4900 Euro Geldvermögen, betont Studienautor Arne Holzhausen: „Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung hat sich seit 2000 um gut fünf Prozentpunkte auf 32 Prozent vergrößert.“ Die wachsenden Vermögensunterschiede im Euroraum seien ein Resultat der Krise, warnt Heise: „Geht diese Schere zwischen Nord und Süd weiter auf, kann dies den Zusammenhalt in Europa untergraben.“

Geldvermögen in Deutschland wächst um 6,8 Prozent

In Deutschland wächst das Netto-Geldvermögen pro Kopf hingegen kontinuierlich – um 6,8 Prozent im vergangenen Jahr, seit 2007 um insgesamt 17,8 Prozent. Das ist der stärkste Zuwachs in dem Zeitraum in der Währungsunion. Grund für die gute Entwicklung: Der deutsche Arbeitsmarkt ist robust, die Einkommen entwickeln sich besser als andernorts, und die Deutschen sind die Sparmeister Europas.

Nach Zahlen der Deutschen Bundesbank hat sich der Aufwärtstrend im Auftaktquartal 2013 fortgesetzt. Das Geldvermögen der privaten Haushalte kletterte bis Ende März auf den Rekordwert von 4992 Milliarden Euro – ein Zuwachs um 1,1 Prozent zum Vorquartal.

Von der Weltspitze im Ranking der Vermögenden sind die Menschen hierzulande dennoch weit entfernt. Mit einem Netto-Geldvermögen pro Kopf von 41 954 Euro (brutto: 61 440) belegt Deutschland im weltweiten Nationenranking des Versicherers 2012 nur Rang 17 – knapp hinter Österreich (41 985 Euro), aber deutlich hinter Frankreich (44 306 Euro), Italien (45 770) oder Großbritannien (58 905 Euro). Weltweit errechnete die Allianz ein pro-Kopf-Vermögen von 16 241 Euro. Mit weitem Abstand am meisten Geld haben die Schweizer: Pro Kopf 141 895 Euro, gefolgt von den US-Amerikanern (100 711).

Sparer verlieren durch Niedrigzinsen real Geld

Auch sonst ist bei den steigenden Vermögen nicht alles Gold, was glänzt. Denn bei den errechneten Wachstumsraten ist die Inflation unberücksichtigt. Angesichts der extrem niedrigen Zinsen, die bei Sparbüchern, Tagesgeld oder Bundesanleihen meist unter der Inflation liegen, verlieren die Menschen real Geld. „Der Sparer tappt in die „Realzinsfalle““, warnt Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater.

Hinzu kommt, dass die verunsicherten Sparer in den letzten Krisenjahren verstärkt auf Spareinlagen statt auf Wertpapiere gesetzt haben. „Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre flossen in der Eurozone mehr als die Hälfte der frischen Spargelder den Banken zu, in den USA sogar zwei Drittel“, schreibt Holzhausen. Durch den Verzicht auf Investments mit höherem Risiko, aber auch besseren Renditechancen, würden die langfristigen Folgen der Niedrigzinsen für den Vermögensaufbau noch verstärkt.

Auch die Verteilung der Vermögen laufe durch die Niedrigzinsen auseinander. Die Zahl der relativ Armen mit weniger als 4900 Euro Geldvermögen steige im Euroraum und den USA. Das lasse befürchten, dass Risse im sozialen Gefüge durch die Nullzinspolitik bald sichtbar werden, sagte Heise: „Die komplette Rechnung der Niedrigzinspolitik wird uns erst in Zukunft präsentiert werden.“

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