Finanzen + Vorsorge Lebensversicherer wollen weniger zurücklegen

Die Finanzpolster der Lebensversicherer schmelzen wegen der niedrigen Zinsen. Jetzt beantragen einige Unternehmen Regelungen, um keine Extra-Reserve bilden zu müssen. Verbraucherschützer kritisieren die Maßnahme.

Mehrere deutsche Lebensversicherer haben Probleme, die vorgeschriebenen Finanzreserven aufzubauen. Mehr als zehn Gesellschaften haben deshalb nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstag) eine Ausnahmeregelung bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) beantragt. Welche Folgen das für die Versicherten hat, beurteilen Verbraucherschützer und der Versicherungsverband vollkommen unterschiedlich. Die Bafin bestätigte auf Anfrage nicht, dass „mehr als zehn“ Assekuranzen Ausnahmeanträge gestellt hätten. Die genaue Zahl der betroffenen Unternehmen wollte eine Sprecherin nicht nennen.

Während der Verband der Versicherungswirtschaft (GDV) erklärte, für die Kunden von Lebensversicherungen habe ein zeitweiliger Verzicht auf eine Aufstockung der Finanzreserve aus laufenden Erträgen keine negative Folgen, schätzen Verbraucherschützer das anders ein: „Für Kunden bedeutet das im Zweifel, dass sie weniger Geld ausgezahlt bekommen“, sagt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg. Wehren könnten sie die Versicherten kaum.

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Hintergrund sind die derzeit sehr niedrigen Zinsen auf dem Kapitalmarkt. Sie erschweren es den Versicherern, Garantiezinsen von 3,5 oder 4,0 Prozent zu erwirtschaften, wie sie Kunden in den 90-er Jahren bei Vertragsabschluss zugesichert wurden.

Verbraucherschützer: Gewinnbeteiligung nicht Bestandteil der Verträge

„Verbraucher mit Lebensversicherungen verlieren durch die vorübergehende Aussetzung der Gewinnzuführung kein Geld“, stellte GDV-Sprecher Christian Ponzel fest. „Die anteiligen Gewinne, die ihnen die betroffenen Versicherungsunternehmen nun nicht gutschreiben können, erhalten sie zu einem späteren Zeitpunkt.“

Verbraucherschützerin Castello setzt dagegen: „Es gibt zwar eine Verordnung darüber, wie die Unternehmen die Kunden an den Gewinnen beteiligen müssen. Wird diese Verordnung aber geändert, müssen Verbraucher das akzeptieren.“ Denn die Gewinnbeteiligung sei nicht Bestandteil der Verträge, sagte Castello.

Die sogenannte Mindestzuführungsverordnung, um die es geht, erlaube es nach Bafin-Angaben ausdrücklich, die seit drei Jahren geforderte Zinszusatzreserve vorübergehend nicht aufzustocken. Dies sei eine außergewöhnliche Maßnahme und in einer Phase von Niedrigzinsen ein mögliches Instrument, das auch früher schon einmal genutzt worden sei.

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