Finanzen + Vorsorge Lehman-Pleite ist für deutsche Anleger fast Geschichte

Die Insolvenzverfahren für die Hinterlassenschaften der Lehman Bank sind erstaunlich schnell vorangegangen. Davon haben auch deutsche Kleinsparer profitiert, die als wehrlose Lehman-Opfer galten.

„Zuletzt haben wir uns nur noch alle paar Monate mal getroffen“, sagt Cornelia Bickert. Die Stammtische der Lehman-Opfer, zu denen in der Bankenstadt Frankfurt 2008/2009 bis zu 500 Leute gekommen waren, sind Geschichte. Inzwischen haben die meisten Anleger erste Entschädigungen erhalten, wenngleich sie auf großen Verlusten sitzenbleiben. Verbraucherschützer sind den Umständen entsprechend zufrieden mit der Abwicklung der größten Bankenpleite der jüngeren Geschichte.

Rund 50 000 deutsche Kleinsparer waren im Herbst 2008 mit in den Lehman-Abgrund gerissen worden, weil sie über ihre Hausbanken Zertifikate der einstmals bestens beleumundeten Investmentbank gekauft hatten. Die angeblich krisensicheren Inhaberschuldverschreibungen, ausgestellt von der niederländischen Lehman-Tochter, schienen über Nacht nahezu wertlos geworden zu sein.

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Ganz so dicke sei es für die Kleinsparer dann doch nicht gekommen, erläutert Finanzexperte Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rückblickend. Wer einfach die Papiere gehalten hat, konnte im Mai dieses Jahres eine erste Teilzahlung von gut 12 Prozent des früheren Nominalwerts einstreichen. Aus der Insolvenzmasse der US-Mutter fließt regelmäßig Geld auch an die Gläubiger der niederländischen Tochter und damit an die Besitzer der Zertifikate. Mit weiteren Tranchen sei je nach Fortschritt der Verwertung des verbliebenen Lehman-Vermögens zu rechnen, so Feck. Realistisch sei am Schluss eine Quote von etwa 25 Prozent.

Beinharte Prozesse gegen Bankkunden

Cornelia Bickert ist sich sicher, dass die Anleger-Proteste mindestens vor Ort etwas gebracht haben. „Ohne uns hätte die Frankfurter Sparkasse nie diese Vergleiche angeboten.“ Deutschlands viertgrößte Sparkasse hatte ihren Kunden zeitlich befristet angeboten, die Lehman-Papiere zur Hälfte des Nominalwertes zurückzukaufen. Dafür investierte das Institut nach eigenen Angaben knapp 40 Millionen Euro. Auch andere Sparkassen und Privatbanken zeigten ein bisschen Reue, führten aber auf der anderen Seite auch beinharte Prozesse gegen ihre Kunden um vermeintliche Beratungsfehler.

In aller Regel mussten die Bankkunden bei Vergleichen oder gerichtlich verfügten Entschädigungen die Zertifikate an die Verkäufer zurückgeben, die nun wiederum auf Zahlungen aus der Insolvenzmasse rechnen können. „Wer seine Papiere für unter 20 Prozent abgegeben hat, hat ein schlechtes Geschäft gemacht“, findet Feck. Als klar wurde, dass eine namhafte Insolvenzmasse zur Verfügung stehen würde, waren schnell professionelle Aufkäufer im Markt unterwegs.

Feck ist mit der technischen Abwicklung der Ansprüche zufrieden. So hätten sich die Inhaber der Papiere nicht von sich aus melden müssen, sondern konnten darauf vertrauen, dass ihre Depotbanken aktiv wurden. Auch die Abklärung der verschiedenen Ansprüche habe über die Deutsche Bank sehr gut funktioniert. Probleme haben nach Fecks Einschätzung höchstens Anleger bekommen, die nach all dem Ärger ihre Bank gewechselt und die Lehman-Papiere mit ins neue Depot genommen haben. Die neue Hausbank könne es möglicherweise versäumt haben, die Ansprüche anzumelden.

Targo-Bank-Kunden erhalten im Schnitt 48,4 Prozent ihres Geldes zurück

Eine fast perfekte Lösung für gut 2000 Geschädigte wurde mit der Targo-Bank (früher Citi) ausgehandelt. Sie erhielten laut Verbraucherzentrale im Schnitt 48,4 Prozent ihres Einsatzes zurück und durften die Zertifikate behalten, so dass nun noch einmal ein Viertel des Geldes zu ihnen zurückfließen dürfte. Manche könnten sogar mit einem kleinen Gewinn aus der Geschichte rauskommen.

Damit sind diese Zertifikatekäufer nahe an der vergleichsweise komfortablen Lage institutioneller Anleger, deren Geld bei der deutschen Tochter Lehman Bankhaus AG in Frankfurt im Feuer stand. Fünf Jahre nach der Lehman-Pleite können diese Gläubiger auf eine nahezu komplette Erfüllung ihrer Forderungen hoffen, wie die Nachrichtenagentur dpa in der vergangenen Woche aus Kreisen erfuhr. Demnach soll die Chance bestehen, über einen Vergleich weitere Mittel in Milliardenhöhe zu sichern.

Bislang hat die deutsche Insolvenzverwaltung bereits an die 16 Milliarden Euro für die etwa 500 Gläubiger gesichert, die damit schon die rekordverdächtige Auszahlungsquote von annähernd 80 Prozent sicher haben. Größte Nutznießer im deutschen Insolvenzverfahren sind die Bundesbank und die Einlagensicherung der Privatbanken.

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