Finanzen + Vorsorge Leserfrage: Was tun, wenn man sich die private Krankenversicherung nicht mehr leisten kann?

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Wir wollen Einzelunternehmern unter die Arme greifen - und beantworten zusammen mit Experten Ihre Fragen rund um das Thema Selbstständigkeit. Dieses Mal erklärt Gründerberater Andreas Lutz, was Unternehmer tun können, wenn sie sich die private Krankenversicherung nicht mehr leisten können.

Die Leserfrage:
Was können Unternehmer tun, wenn sie aufgrund der Kosten aus der privaten Krankenversicherung austreten und dann in eine Notlage geraten? Und können sich Selbstständige überhaupt gesetzlich versichern? (Ralph Keller, Ratzeburg)

Die Antwort des Experten:
Lassen Sie mich kurz ausholen: Seit 2007 bzw. 2009 besteht in Deutschland eine Krankenversicherungspflicht, die auch für alle Selbständigen gilt. Wer sich selbständig macht, ist zwar nicht mehr in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert, aber er muss sich innerhalb eines Monats entweder in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) als „freiwilliges Mitglied“ anmelden oder sich privat krankenversichern (PKV).

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Wer keine Versicherung abschließt, schuldet der Krankenversicherung trotzdem Beiträge, auch wenn er gar keine Leistungen in Anspruch genommen hat. Dadurch können sich hohe Beitragsschulden ansammeln. Fast 750.000 Menschen in Deutschland haben keine Krankenversicherung oder sind mit ihren Beiträgen im Rückstand, darunter viele Selbständige.

Private Versicherungen müssen Notlagentarif anbieten

Konkret zu Ihrer Frage: Wenn die Kosten der privaten Krankenversicherung zu hoch sind, sollten Sie zunächst einmal mit dieser sprechen und alle Möglichkeiten prüfen, den Beitrag zu senken –  zum Beispiel durch einen Wechsel in einen günstigeren Tarif, einen höheren Eigenbehalt oder ähnliches. Wenn Sie die Beitragszahlungen einfach einstellen und Mahnungen ignorieren, laufen hohe Beitragsschulden auf.

Seit Herbst 2013 müssen alle privaten Krankenversicherungen einen Notlagentarif anbieten. Er kostet 100 bis 150 Euro pro Monat und deckt nur die Notfallversorgung ab. Wenn Sie die regulären Beiträge wieder leisten können und alle offenen Forderungen bezahlt haben, können Sie wieder in den bisherigen Tarif zurückkehren.

Ein Wechsel von der privaten zurück in die gesetzliche Versicherung ist nur unter ganz bestimmten Bedingungen möglich: Wenn Sie sich arbeitslos melden oder eine feste Anstellung annehmen, in der Sie unterhalb der Versicherungspflichtgrenze (53.550 Euro pro Jahr) verdienen. Anders als bei privat versicherten Angestellten, müssen Sie diese Bedingung nicht zwölf Monate lang erfüllt haben, um wieder versicherungspflichtig zu werden, sondern müssen von Ihrem Arbeitgeber unverzüglich an die GKV gemeldet werden, da sie dann bei ihr versicherungspflichtig sind.

Sie dürfen einer selbständigen Nebentätigkeit nachgehen, dürfen aber nicht hauptberuflich selbständig sein. Dies wird durch einen eigenen Fragenbogen geprüft. Beachten Sie zudem die Altersgrenze von 55 Jahren. Wenden Sie sich, ggf. zunächst anonym, an die GKV bei der Sie zuletzt vesichert waren. Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Verbands der Gründer und Selbstständigen.

Lutz_340Der Experte:
Dr. Andreas Lutz ist Gründerberater und Inhaber von gruendungszuschuss.de und Vorsitzender des Verbandes der Gründer und Selbstständigen (VGSD)

 

Einzelkämpfer: Wir beantworten Ihre Fragen
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